Mordfall Olof Palme Steht Palme-Mordkommission vor Durchbruch?

Von André Anwar 

Zum 32. Jahrestag der Ermordung des schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme kündigte der Chefermittler überraschend an, dass er überzeugt sei, den Fall zu lösen. Gleichzeitig wirft Schwedens staatliches Fernsehen Ex-Ermittlern grobe Manipulationen vor

Vor 32 Jahren wurde in Stockholm der schwedische Ministerpräsident Olof Palme ermordet. Der Chefermittler behauptet jetzt, dass er überzeugt sei, den Fall zu lösen. Foto: dpa
Vor 32 Jahren wurde in Stockholm der schwedische Ministerpräsident Olof Palme ermordet. Der Chefermittler behauptet jetzt, dass er überzeugt sei, den Fall zu lösen. Foto: dpa

Stockholm - Wird der Mord an Olof Palme doch noch gelöst? Am Mittwoch war es genau 32 Jahre her, dass Schwedens Ministerpräsident nach einem Kinobesuch mit seiner Frau Lisbet im Stockholmer Zentrum mit einer Schusswaffe ermordet wurde. Ganz Schweden stürzte das in ein Trauma. Es folgten haarsträubend grobe Ermittlungsfehler. Da sind sich die Experten inzwischen einig. Noch immer ist unklar, wer den linken Regierungschef 1986 ermordete und warum.

Seit mehr als drei Jahrzehnten ermittelt die Mordkommission. Am Dienstagabend gab der seit Februar 2017 amtierende Ermittlungschef, Staatsanwalt Krister Petersson erstmals wieder Grund zur Hoffnung.

„Ich bin davon überzeugt, dass wir diesen Fall lösen“, sagte er überraschend konkret im öffentlich rechtlichen Fernsehen SVT. Seine Ermittlungsgruppe habe „gute Möglichkeiten das Verbrechen zu lösen“. Es gebe interessante Spuren und „Grund für Optimismus“ sagte er, allerdings ohne auf Einzelheiten ein zu gehen.

Viele glauben noch immer an die Theorie vom verwirrten Einzeltäter

Der Ermittlungschef weist die gängigste und politisch harmloseste Theorie zurück. Demnach soll der 2004 verstorbene drogenabhängige Kriminelle Christer Pettersson (der verwirrenderweise fast den gleichen Namen, wie der Chefermittler trägt) den Ministerpräsidenten als verwirrter Einzeltäter 1986 erschossen haben. Er wurde 1989 schuldig gesprochen, vom Berufungsgericht dann aber einstimmig freigesprochen.

Doch noch immer glauben viele an Petterssons Schuld, weil Palmes Witwe ihn als den Schützen identifizierte und auch heute noch daran festhält. Der aufbrausende Pettersson war zudem bereits 1970 wegen Totschlags im Affekt verurteilt worden. Auf die Frage der Fernsehjournalistin an den Chefermittler: „Glauben Sie, dass er Palme ermordet hat?“, antwortete er mit einem klaren „Nein“. Sein Team setze „auf andere Spuren“. Man wolle auch mit Palmes Witwe Lisbet nochmal reden, sagte er.

Auch Palmes Witwe soll vor der Identifizierung Pettersson beeinflusst worden sein

SVT hat zeitgleich enthüllt, dass der damalige Ermittler und Ex-Drogenfahnder Ture Nässén offenbar Zeugen aus der Unterwelt grob manipuliert hat. So hatte er den Mordverdacht gegen Petterson damit gestützt, dass zahlreiche Zeugen ihn in der Mordnacht in der Nähe des Tatorts gesehen haben sollen. Doch das waren vor allem Drogenabhängige, die für Geld aussagten, behauptet der Sender. Zudem hätten diese Zeugen große Angst vor dem berüchtigten Drogenfahnder gehabt. Informationen, die von Pettersson wegführten, seien unter den Teppich gekehrt worden, behauptet SVT. Auch Palmes Witwe soll vor der Identifizierung Pettersson beeinflusst worden sein.

Der renommierte Kriminologe und Dauergast der SVT-Sendung „Veckans Brott“ (Verbrechen der Woche) Leif Persson hält es für richtig, dass die Theorie vom verrückten Einzeltäter nun endlich offiziell abgeschrieben wird. Er habe zwei Mordtheorien, sagte er. Eine der beiden würde, sollte sie sich als wahr herausstellen, „schreckliche Konsequenzen“ für Schweden haben, sagte er, ohne auf Details eingehen zu wollen.

Doch auch das könnte eine falsche Spur sein

Perrson deutete lediglich an: „Erstens glaube ich, es war mehr als nur eine Person in den Mord verwickelt. Zweitens werden politische Personen für gewöhnlich aus politischen Gründen ermordet. Drittens glaube ich, dass die Mörder genaue Informationen über Palmes örtliche Bewegungen am Mordabend hatten und auch vorab informiert waren, dass er da nicht bewacht wurde“, sagte er. bereits vor einigen Jahren hatte Persson eine ähnliche Vermutung geäußert. „Das war eine Konspiration kleineren Typs, von Personen, die sich in Palmes Nähe aufhielten. Jemand von denen wusste, wo er sich an jenem Abend aufhalten würde“, sagt der Kriminologe damals der Zeitung Aftonbladet.

2013 sagte ein anonym gehaltener schwedischer Unternehmenschef gegenüber der Polizei und der Zeitung Aftonbladet aus: „Ich weiß, dass es eine Polizeikonspiration gab, um Palme zu erschießen. Ich sage nicht, ich glaube, sondern ich weiß das“. Doch auch das könnte eine falsche Spur sein.