Mostsaison im Kreis Böblingen „Manchmal frage ich mich schon: Wozu der ganze Aufwand?“

Äpfel und Birnen liegen reif auf der Streuobstwiese – bereit zur Ernte (Symbolbild). Foto: Jürgen Fälchle - stock.adobe.com

Die Moster im Kreis Böblingen haben ihre Obstpressen angeschmissen. Trotz einer teils geringeren Ernte sind viele Arbeitsstunden nötig, bis am Ende das traditionelle Getränk entsteht.

Volontäre: Janina Link (jali)

Der Herbst steht vor der Tür – und mit ihm beginnt in vielen Regionen die traditionelle Mostsaison. Wenn die Äpfel und Birnen reif sind, verwandeln sich Streuobstwiesen in geschäftige Ernteplätze, und in den Mostereien läuft die Presse heiß. Ob süß, herb oder spritzig: Frisch gepresster Most kann vielseitig sein. Auch im Kreis Böblingen sind die Mostmacher bereits tüchtig am Werk. Einer davon ist Martin Brennenstuhl von der gleichnamigen Mosterei in Weil im Schönbuch.

 

„Ich moste bereits seit 23. August“, sagt Brennenstuhl. „Bei noch hochsommerlichen Temperaturen“ habe er den Start der diesjährigen Saison eingeläutet. Dieser habe sich seit den 50er- und 60er Jahren deutlich nach vorne verschoben, so Brennenstuhl. „Nicht dass ich da schon gemostet hätte“, sagt er und lacht, „aber da gibt es viele Aufzeichnungen darüber.“ Während die typischen Mostmonate früher der Oktober und der November waren, starten viele Mostereien nun schon Mitte September – oder wie in Brennenstuhls Fall, bereits im August. „Und Ende Oktober oder Anfang November endet die Saison dann voraussichtlich auch schon wieder.“

15 Stunden Arbeitstag in der Mosterei

Ein Mostbetrieb am Leben zu erhalten über einen Zeitraum von zehn Wochen– das bedeutet eine Menge Arbeit, besonders wenn diese Tätigkeit zusätzlich zum eigentlichen Beruf ausgeübt wird. „Viele nutzen ihren Jahresurlaub und betreiben die Mosterei nebenher – so wie ich, neben meiner Arbeit im Maschinenbau –, um Obstbesitzern die Möglichkeit zu geben, ihre Ernte zu Saft oder Most verarbeiten zu lassen“, sagt Brennenstuhl.

Doch auch der Jahresurlaub neigt sich irgendwann dem Ende zu – deshalb bleibt es für Brennenstuhl bei zwei Mosttagen pro Woche, immer dienstags und samstags. „Ein paar wenige Urlaubstage für die Familie müssen dann schon noch drin sein“, meint er. Auch so würden für Mosterei und Ernte der eigenen knapp 300 Obstbäume im Herbst bereits rund 15 bis 20 Urlaubstage anfallen.

So ein Arbeitstag im Mostbetrieb könne gut und gerne schon einmal über 15 Stunden lang sein, sagt der Moster. Selbst er, als Most-Enthusiast, komme da von Zeit zu Zeit ins Zweifeln: „Manchmal frage ich mich schon: ‚Wozu der ganze Aufwand?’“ Aber gerade die Dankbarkeit der Kunden gebe ihm oft neuen Antrieb. „Und wenn man dann den eigenen Most genießt, ist man natürlich stolz – und dankbar dafür, dass man verarbeiten kann, was uns die Natur schenkt und was unsere Vorfahren aufgebaut haben.“ Auch wenn die Ernte bei ihm etwas geringer ausfalle als im Vorjahr, gibt es für ihn dennoch „mehr als genug Arbeit“.

In Herrenberg erwartet man eine etwas geringere Obsternte

Die Mosterei Maisch in Herrenberg-Mönchberg hat die Most-Saison etwas später gestartet – am 15. September. Normalerweise ist in der Mosterei Samstag der reguläre Mosttag, aber zum Start habe man aufgrund eines Familienfestes auf den ersten Tag der Woche ausweichen müssen, sagt Moritz Maisch vom Streuobsthof Maisch. Danach wird aber wieder samstags gemostet. Was die Ernte betrifft, sind Maischs Erwartungen in diesem Jahr eher verhalten. „Entgegen des landläufigen Trends erwarten wir dieses Jahr eine etwas geringere Obsternte“, sagt er.

Der Grund dafür liegt in einem natürlichen Phänomen: der sogenannten Alternanz. Sie beschreibt das Wechselspiel zwischen Jahren mit besonders hoher Fruchtbildung – sogenannten Vollertragsjahren – und solchen mit deutlich weniger Blüten und Früchten, den sogenannten Schwachjahren. Vor allem Obstbäume wie Apfel, Birne oder Pflaume neigen dazu. „Nach so einem starken Ertragsjahr wie im letzten Jahr fehlt den Bäumen oft einfach die Kraft, um direkt wieder genauso viele Blüten zu bilden – deswegen fällt die Ernte bei uns dieses Jahr in Herrenberg wohl etwas schwächer aus“, erklärt Maisch.

Das Wetter spielt im Obstbau eine große Rolle. Während im vergangenen Jahr noch Spätfrost ein Thema war, gab es in diesem Jahr zum Teil längere Regenperioden. Diese hätten dem Obstbau jedoch nicht geschadet, sagte Obstbauer Manfred Nuber, der beim Landratsamt Leiter der Fachberatungsstelle für Obst- und Gartenbau ist, jüngst unserer Zeitung – im Gegenteil. „Der Regen hat das erhebliche Wasserdefizit ausgeglichen, welches das das trockene Frühjahr hinterlassen hat“, sagte Nuber. Ein Segen für die Obstbauern: „Durch das Wasser werden die Früchte größer“, so der Experte.

Hier bekommt man Most im Kreis Böblingen

Anlaufstellen
Obwohl sich Mostereien auf dem absteigenden Ast befinden, gibt es im Kreis Böblingen noch einige Anlaufstellen für das traditionelle Getränk. Es folgt eine Auswahl (diese erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit). Neben den Mostereien Maisch in Herrenberg-Mönchberg und Brennstuhl in Weil im Schönbuch gibt es in Dagersheim auch noch die Mosterei Hahn. In Weil der Stadt gibt es die Mosterei Decker und in Gärtringen ist die Mosterei Nonnenmacher ansässig.

 

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