Motorboot Formel-4-Weltmeister „Ich liebe es schnell“

Von Harald Landwehr 

Maximilian Stilz aus Rommelshausen ist mit dem Motorboot Formel-4-Weltmeister. Der 22-jährige Industriemechaniker will auf dem Wasser in die Formel 2 aufrücken und dazu am liebsten in seinem Team, bei seinen Freunden in Mailand bleiben.

Erster: Maximilian Stilz  aus Rommelshausen ist Formel-4-Weltmeister. Foto: Privat
Erster: Maximilian Stilz aus Rommelshausen ist Formel-4-Weltmeister. Foto: Privat

Rommelshausen - In der Woche vor Weihnachten hat sich Maximilian Stilz aus Rommelshausen in Sharjah (Vereinigte Arabische Emirate) den Weltmeistertitel in der Formel 4 der Motorboote gesichert. Bevor Anfang April die neue Saison beginnen wird, bleibt für den 22-Jährigen Zeit, die vergangene Saison Revue passieren zu lassen und über die sportlichen Optionen in diesem Jahr nachzudenken. Im Interview spricht er darüber, welches der nächste Schritt in der sportlichen Karriere sein soll.

Herr Stilz, hatten Sie schon ausführlich Gelegenheit, Ihren großen Triumph zu feiern?

Die erste große Feier gab es direkt nach der Siegerehrung des letzten Rennens vor Ort mit meinem italienischen Team. Die Leute haben das ganze Jahr hart für mich gearbeitet, dann haben sie sich das nicht nehmen lassen. Über die Weihnachtsfeiertage bin ich dann mit meinen Eltern noch eine Woche in Dubai geblieben. Wir haben das berühmte Burj-Al-Arab-Hotel angeschaut und eine Wüsten-Safari gemacht.

Und zu Hause wurde Ihr Titelgewinn auch registriert?

Ich war am vergangenen Montag bei Bürgermeister Benedikt Paulowitsch im Rathaus eingeladen und durfte mich ins Goldene Buch der Gemeinde Kernen eintragen. Das hat mich sehr gefreut, dass man da auch als Aktiver einer nicht so alltäglichen Sportart gewürdigt wird.

Wie schwierig war es denn, nach der Vize-Weltmeisterschaft 2018 im Vorjahr den Titel nach Deutschland zu holen?

Aufgrund der Ausfälle von drei Wochenenden mit sechs Wertungsläufen wegen Wetterkapriolen und finanziellen Problemen bei den Veranstaltern in Indien und China hatten wir ja nur die Hälfte des ursprünglich geplanten Rennkalenders zu bewältigen. Nachdem ich dann drei der ersten vier Rennen gewonnen hatte, ging es in Sharjah nur noch darum, heil ins Ziel zu kommen und meinen Vorsprung nicht zu verspielen.

Wie ist Ihr Weltmeistertitel im Vergleich mit der Konkurrenz einzuordnen?

In der Kombination aus körperlicher Fitness, fahrerischem Können und zur Verfügung stehendem Material war ich wohl verdient der Beste. Ginge es allein um die finanziellen Möglichkeiten, dann hätte ich keine Chance gehabt. Wir haben einen eng kalkulierten Etat, während beim Team Abu Dhabi mit seinen drei Piloten das Geld keine Rolle spielt. Wenn da ein komplett neues Boot benötigt wird, dann macht der Scheich ohne mit der Wimper zu zucken 50 000 Euro locker – und am nächsten Tag steht es zur Verfügung.

Wäre es möglich, sich als Ausländer bei so einem Team interessant zu machen?

Durchaus, die setzen ja nur in der Formel 4 ausschließlich auf einheimische Fahrer. In der Königsklasse Formel 1 ist auch der amtierende Weltmeister Shaun Torrente aus den USA für das Team Abu Dhabi am Start. Ich gehe aber davon aus, dass er das nicht nur aufgrund seines zweifellos vorhandenen sportlichen Könnens tut, sondern weil er auch noch ein paar gut unterstützende Sponsoren aus seiner Heimat als persönliche Eintrittskarte mit im Gepäck hat.

Sie selbst werden auch 2020 für das italienische Team Blaze Performance starten?

Im Moment sieht es danach aus. Ich bin mit den bisherigen beiden Jahren sehr zufrieden, und wir haben gute Gespräche geführt. Mein Teamchef Francesco Cantando hat mir ein sehr gutes Angebot gemacht. Er weiß aber auch, dass ich ins Grübeln kommen würde, falls noch ein anderes Rennteam mit einem deutlich höher dotierten finanziellen Angebot kommen würde. Spätestens Mitte Februar will ich den Vertrag unterschrieben haben. Es deutet aber viel darauf hin, dass ich bei meinen Freunden aus Mailand bleibe.

Wäre für Sie ein hauptberufliches Engagement als Profipilot denkbar?

Im Hinterkopf habe ich das natürlich langfristig irgendwo als Karriereziel, aber das ist nur als Formel-1-Fahrer umsetzbar, und das ist im Moment noch kein Thema für mich. Außerdem fühle ich mich an meiner Arbeitsstelle in Waiblingen ausgesprochen wohl, da erhalte ich die bestmögliche Unterstützung für die Ausübung meines Sports.

In welcher Rennserie werden wir Sie 2020 sehen?

Das Thema Formel 4 ist mit dem Gewinn des Weltmeistertitels beendet. Im Moment ist die Planung, dass ich den nächsten Schritt mache und die kommenden zwei bis drei Jahre in der Formel 2 bestreite. Eine Gesamtwertung habe ich dabei im ersten Jahr nicht im Blick. Ich will mich an die größeren, leistungsstärkeren Boliden gewöhnen und werde wohl sechs oder sieben Renn-Wochenenden zwischen April und Dezember in der deutschen Serie, der Europameisterschaft und der Weltmeisterschaft bestreiten.

Welches wird der Hauptunterschied zum vergangenen Jahr sein?

Ich werde wieder deutlich mehr Rennen in Deutschland und in Europa, voraussichtlich in Italien, Lettland und Norwegen, bestreiten. Die Fahrzeuge haben da 250 statt 60 PS, und die Höchstgeschwindigkeiten liegen künftig statt bei 90 bei 120 bis 150 Stundenkilometern. Aber ich liebe es schnell, zudem haben wir eine angepasste Sicherheitsausstattung mit Airbags und Überschlagskäfigen.




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