Zusammen mit Freunden baut er in seiner Werkstatt in der mütterlichen Wohnung Signalscheinwerfer, sucht nach Verbesserungen der Nachrichtenübermittlung und tüftelt an anderen technischen Fragen herum. Schon 1924 erwähnt er in seinem Tagebuch, dass er einen neuartigen Kreiskolbenmotor entwickeln will und macht dazu erste Zeichnungen. 30 Jahre später gibt es den neuen Antrieb tatsächlich. Nach den Herren Otto und Diesel ist Wankel 1954 der dritte Mann, dessen Name für einen eigenen Motor steht. Darüber hinaus ist er, nachdem er sich 1936 mit eigenen Forschungswerkstätten erfolgreich in Lindau am Bodensee niedergelassen hat, Inhaber zahlreicher Patente.
Ein akribischer Tagebuchschreiber
Denn Wankel, der 1902 in Lahr geboren und 1988 in Heidelberg gestorben ist, interessierte sich nicht nur für Autos. Ihn faszinierte die Mobilität zu Wasser, zu Land und in der Luft. Er forschte an Flugzeugmotoren und dem Bau von schnellen Gleitflächenbooten. Einen Führerschein brauchte er dafür so wenig wie ein Studium. Er werde nie „ein rechnender Ingenieur“, hat Wankel schon in jungen Jahren notiert. „Er hat die Dinge durchdacht und dies seinen Ingenieuren erzählt. Die haben es aufgeschrieben“, schildert Thomas Meysen, der Vorsitzende der Felix Wankel Stiftung. „Er hat die Stärke von Schrauben nicht gemessen, sondern durch Gefühl bestimmt“.
Daneben war der Erfinder ein akribischer Tagebuchschreiber. Er verfasste Notizen und sammelte alles, was ihm lieb und teuer war, vom Stofftier bis zum Bonbon-Papier. Schon 1980, als das Landesmuseum für Technik in Mannheim noch in der Planung war, wandte er sich an die Initiatoren des Hauses und offerierte ihnen seinen Nachlass. „Sie werden die wohl vollständigste Sammlung über Rotationskolbenmotoren vorfinden“, schrieb er damals den Museumsleuten. Die haben dankend angenommen. Nachdem der Nachlass 1992 zunächst als Leihgabe ins Haus gekommen war, hat ihn die Stiftung vor kurzem, anlässlich des 30. Todestags von Wankel, dem Mannheimer Museum, das heute Technoseum heißt, endgültig geschenkt.
Der Bestand ist riesig. Er umfasst etwa 500 Objekte, darunter Autos wie den legendäre Ro 80 und den NSU-Wankel-Spider, sowie Motorräder, Boote, Schneemobile, Rasenmäher und Motorsägen, die alle mit Wankelmotoren angetrieben werden. Dazu kommen 280 Regalmeter Schriftgut mit technischen Zeichnungen, Skizzen, zahlreichen Tagebüchern und Tausenden von Fotos. Ins Museum gewandert sind auch Kleidungsstücke des Erfinders und seine komplette Kinderzimmereinrichtung samt den Stofftieren, die er ein Leben lang aufbewahrt hat. 48 Kartons mit Unterlagen, die noch gesichtet werden müssen, sind mit der aktuellen Schenkung hinzugekommen.
Immer im Dunstkreis der NSDAP
Es ist der umfangreichste Nachlass, den das Technoseum übernommen hat. „Mit ihm haben wir die Chance, das Vermächtnis eines genialen Erfinders zu bewahren, und können unseren Besuchern die Zeit näherbringen, in der er lebte“, sagte der Museums-Direktor Hartwig Lüdtke anlässlich der Unterzeichnung der Urkunde.
Als erstes soll im November bei einer großen Sonderausstellung zum Thema Sport und Technik eines von Wankels Booten aus den 1930-Jahren präsentiert werden. Das Ausstellungsstück führt mitten hinein in die Biografie der Erfinders, die offensichtlich stark geprägt wurde vom Ausgang des Ersten Weltkrieges, den Wankel in seiner Jugend, wie viele Altersgenossen, als schmähliches Ende empfundenen hat.
Wankel war schon als Heranwachsender überzeugt von völkisch-nationalsozialistischen Zielen. 1921 wurde er Mitglied der Deutsch-Nationalen Jugendgruppe (DNJ) und veranstaltete mit Gleichgesinnten nächtliche Feldübungen. Auf dem Neckar in Heidelberg erregte er Aufsehen mit einem Hakenkreuzwimpel am Boot und wurde 1922 Mitglied der NSDAP. Aus dieser wurde er zwar später ausgeschlossen, nachdem er sich mit dem badischen Gauleiter Robert Wagner angelegt hatte, und musste längere Zeit ins Lahrer Amtsgefängnis. Aber auch danach blieb er „im Dunstkreis der Partei“, wie sein Biograf Marcus Popplow, ein Geschichtsprofessor am KIT in Karlsruhe in dem Buch „Felix Wankel – Mehr als ein Erfinder“, schreibt.
Mit seiner vom Reichsluftfahrtministerium geförderten Wankel-Versuchs-Werkstätte (WVW) am Bodensee profitierte er bis zum Kriegsende von der NS-Rüstungsforschung. Anschließend wurde er in einem Spruchkammerverfahren als Mitläufer eingestuft. Schon wenig später ging es, nun unter dem Dach der Fraunhofergesellschaft, rasch wieder aufwärts. Das Für und Wider des Kreiskolbenmotors lieferte Presse-Schlagzeilen für Jahrzehnte.
Auch wenn sich die Autohersteller damals gegen ihn entschieden haben: Viele Experten haben den Wankelmotor als möglichen Antrieb in Elektrofahrzeugen noch im Blick. Auch im Technoseum ist man zuversichtlich: „Das Comeback des Wankelmotors, es könnte noch kommen.“
Außenseiter und Autodidakt
Felix Wankel wurde 1902 in Lahr geboren. Der Vater fiel im Ersten Weltkrieg, die Mutter zog mit ihrem Sohn nach Heidelberg. An das dortige Kurfürst-Friedrich-Gymnasium, das er wegen schlechter Leistungen in Mathe und Physik vor dem Abitur verließ, hatte Wankel später schlechte Erinnerungen. Er galt schon als Schüler als Außenseiter. Um Geld zu verdienen, arbeitete er eine Weile in einem Verlag. Sein Interesse aber galt seiner Werkstatt, wo er an einem eigenen Auto baute.
In den 30er Jahren gelang Wankel der Sprung vom Hobby-Techniker zur Forscherlaufbahn mit eigenem Institut in Lindau. Dabei profitierte er von seiner Nähe zum Nationalsozialismus. Obwohl sich sein Motor nicht durchgesetzt hat, war er wohlhabend, als er sich zur Ruhe setzte. Er war zeitlebens im Tierschutz aktiv und finanzierte in den 70er Jahren aufsehende Aktionen gegen Legebatterien. Seine Stiftung vergibt noch immer regelmäßig einen Preis für Tierschutzforschung.