Partymeile in Stuttgart Verkehrspolizei setzt auf Sperrungen und Platzverweise

Stoßstange an Stoßstange rollen die Autos im Schritttempo über die Partymeile. Foto: Lichtgut/Julian Rettig (Archiv)
Stoßstange an Stoßstange rollen die Autos im Schritttempo über die Partymeile. Foto: Lichtgut/Julian Rettig (Archiv)

An den zurückliegenden Wochenenden war die Partymeile mit Autos verstopft. Das Gehupe und der Stau störten Anwohner und Patienten im Krankenhaus. Die Polizei will das Treiben unterbinden.

Lokales: Christine Bilger (ceb)

Stuttgart - Das Bild an der Friedrich- und der Theodor-Heuss-Straße ist am vergangenen Wochenende ein anderes gewesen, als es sonst an der Partymeile der Fall ist: Normalerweise gilt die Strecke für Besitzer aufgemotzter Karren als die Meile, wo sie sich die Bewunderung der Szenegänger abholen. Von dieser Gruppe sind zwar noch einige unterwegs, doch verstopfen sie die Straßen bei weitem nicht: Kleinwagen und PS-starke Karossen mischten sich, bis kein Durchkommen mehr war. Für die Polizei kein hinnehmbarer Zustand.

Zum Vergnügen mit dem Auto auf die Theo

Michael Saur von der Verkehrspolizei kann erklären, was da geschehen war. es sei ein anderes Klientel unterwegs gewesen. „Wir nennen das motorisierte Vergnügungsszene“, sagt Saur. Nach Monaten des Lockdowns und der Ausgangssperre sei an den zwei ersten frühlingshaften Wochenenden seien „einfach alle, die mal wieder raus wollten“, auf die Idee gekommen, nach Stuttgart zu fahren und dort – mangels Ausgehmöglichkeiten – die Zeit mit Herumfahren zu verbringen. „Man wollte sich zeigen und mal wieder etwas erleben“, schätzt Saur die Motivation ein. PS-Protze und Tuner seien wenig vertreten gewesen. „Das führte auch dazu, dass der Frauenanteil viel höher war – das ist für die Theo am Samstagabend ungewöhnlich“, fügt er hinzu.

Die Verkehrspolizei will eingreifen:

Die Verkehrspolizei werde am Wochenende mit einem großen Aufgebot im Einsatz sein, um „die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs“ zu gewährleisten. Es soll ein dauerhaftes Verstopfen der Partymeile verhindert werden. Wer durch „sinnloses Herumfahren“ auffalle, müsse mit Platzverweisen rechnen. Die Beteiligung am Dauerhupkonzert kann teuer werden: Mit der Stadt sei abgestimmt, dass nicht das normale Bußgeld für unerlaubtes Hupen in Höhe von 10 Euro festgelegt werde. „Das kann bis zu 100 Euro kosten“, sagt Saur, wenn man „bewusst und gewollt an so einem Hupkonzert mitmacht“.

Die Verkehrspolizei werde außerdem mit zeitweisen Sperrungen der Partymeile den Vergnügungsfahrten ein Ende bereiten. „Wir wollen ja keine Spielverderber sein, wir haben ja auch ein gewisses Verständnis, dass man nach den öden Wochen mal wieder was erleben will. Aber es darf nicht auf Kosten anderer gehen“, betont er.

Beschwerden von Patienten des Katharinenhospitals

Die anderen, das sind zum Beispiel auch die Patientinnen und Patienten im Katharinenhospital. Denn auch an der Kriegsbergstraße merkt man es, wenn sich die Blechlawine auf die Theo zubewegt. Der Parkplatz bei der Universität und die Kepler- sowie die Schellingstraße gelten als Sammelorte, bevor man auf die Vergnügungsfahrt geht. Attraktiv ist für die motorisierte Szene nur die Strecke an der Friedrich- und der Theodor-Heuss-Straße, das weiß auch die Polizei. Als vergangenen Samstag dieser Abschnitt gesperrt war, wich ein Teil des Verkehrs an die Hauptstätter Straße aus. „Aber dort fehlte das Publikum“, sagt Saur.

Die Zuschauer waren an der Partymeile in großer Zahl vorhanden. Sie hielten in Decken gehüllt am Straßenrand aus. Saur geht davon aus, dass der Autopulk am Samstagabend kein Dauerphänomen sein wird. „Wir denken, dass das wieder nachlässt, wenn die Gastronomie und die Clubs wieder öffnen und das Leben sich normalisiert.“




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