Motorrad-Nebenwirkungen im Rems-Murr-Kreis Mit Humor gegen Lärm und Raser

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Das Landratsamt versucht neuerdings, mit lustigen Schildern am Rande beliebter Strecken an Motorradrowdys zu appellieren. Einen Pilotversuch mit sogenannten Rüttelstreifen hat die Behörde hingegen für gescheitert erklärt.

Bei Kaisersbach soll ein behelmtes Schweinchen rücksichtlose Motorradfahrer zur Einsicht bringen. Foto: Gottfried Stoppel
Bei Kaisersbach soll ein behelmtes Schweinchen rücksichtlose Motorradfahrer zur Einsicht bringen. Foto: Gottfried Stoppel

Rems-Murr-Kreis - Die tierischen Schilder am Wegesrand sollen ein Ärgerthema über die humorige Seite angehen. „Lärm nicht wie ein Esel“ steht auf einem zu lesen, abgebildet ist ein zähnebleckender Muli, der einen rot-weiß gestreiften Helm auf dem Kopf trägt. Ähnlich ausstaffiert ist auf einer anderen Tafel ein Schweinchen – „Fahr nicht wie die Sau“, ist darauf zu lesen.

Landrat: Sensibilisieren, nicht abstrafen

Nach Kernen sind die vom Waiblinger Landratsamt in Auftrag gegebenen humorig gedachten Hinweise jetzt bei Kaisersbach und Althütte zu sehen. Die Behörde begegnet damit einem Dauerbrenner, der jedes Jahr aufs Neue in der Sommersaison Anwohner beliebter Motorradstrecken zur Weißglut bringt, auf eine etwas andere Weise: „In erster Linie wollen wir mit unseren Aktionen sensibilisieren und nicht abstrafen oder verurteilen – Das Fahrvergnügen soll nicht getrübt werden“, betont der Landrat Richard Sigel. „Aber wir geben ein Signal: Lärmschutz und Sicherheit im Verkehr sind uns wichtig.“

Die neuen Schilder mit reinem Appellcharakter sind freilich nicht die einzige Maßnahme, mit denen das Landratsamt Motorradrowdys begegnen will. Gemeinsam mit der Polizei würde auch verstärkt gezielt kontrolliert, teilt die Kreisbehörde mit. Zudem ist mit den Ordnungshütern und den Gemeinden vereinbart, dass diese Lärm- und Abgasbelästigungen von Fahrzeugen melden, wie beispielsweise das Hochjagen eines Motors im Leerlauf und beim Fahren in niedrigen Gängen. Das Landratsamt wendet sich nach solchen Vorfällen dann an den Fahrer und spricht eine Verwarnung aus – zeigt ihm quasi die Gelbe Karte. Bei weiteren Auffälligkeiten werden dann Bußgelder und im schlimmsten Fall Fahrverbote ausgesprochen.

Rüttelstreifen haben sich nicht bewährt

Ein anderes Projekt hingegen ist zumindest intern als gescheitert erklärt worden. Zu Beginn der Sommersaison des vergangenen Jahres hatte das Landratsamt an der Sulzbacher Steige sowie der Kreisstraße bei Spiegelberg-Vorderbüchelberg sogenannte Rüttelstreifen auf die Fahrbahnen aufbringen lassen. Mit diesen künstlichen Unebenheiten wollte man den in diesen Bereichen oft überhöhten Geschwindigkeiten sowie Verstößen gegen das Rechtsfahrgebot begegnen.

So jedenfalls die Theorie. In der Praxis erwiesen sich die Rüttelstreifen offenbar weder als Tempobremse, noch führten sie dazu, dass sich die Unfallzahlen messbar verringerten. Das räumt das Landratsamt auf Nachfrage ein. Und, dass das Pilotprojekt aufgrund der Erkenntnisse nicht weiter verfolgt werde. Die bereits aufgebrachten Streifen sollen allerdings nicht wieder aufwendig entfernt werden. Sie seien nun „dem natürlichen Verschleiß durch Verkehr und Winterdienst preisgegeben, was den Verkehr nicht gefährdet“, so das Landratsamt in einer Stellungnahme. „Wir haben etwas Innovatives versucht, das mit vertretbarem Aufwand umzusetzen war“, lässt sich darin der Landrat zitieren. „Das zeigt, dass uns das Thema sehr am Herzen liegt. Auch wenn der durchschlagende Erfolg leider nicht erreicht werden konnte, bleiben wir weiter an dem Thema dran.“