Motorsägenhersteller Stihl Wenn das Handy den Rasenmäher steuert

Stihl hat 2017 weltweit mehr als zehn Millionen Produkte verkauft – darunter auch den per App steuerbaren Mähroboter Imow. Foto: Stihl
Stihl hat 2017 weltweit mehr als zehn Millionen Produkte verkauft – darunter auch den per App steuerbaren Mähroboter Imow. Foto: Stihl

Das Waiblinger Familienunternehmen Stihl hat 2017 weltweit mehr als zehn Millionen Motorgeräte verkauft. Der Erfolg schlägt auch auf die Beschäftigung durch. Dieses Jahr werden erneut Jobs geschaffen.

Wirtschaft: Imelda Flaig (imf)
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Waiblingen - Akku-Geräte sind einer der Wachstumstreiber von Stihl, mit denen das Unternehmen vor allem bei privaten Anwendern einen Nachfrageschub ausgelöst hat – das reicht etwa vom Akku-Rasenmäher bis zur Heckenschere. Mehr als zehn Prozent der verkauften Motorgeräte sind mittlerweile mit einem Akku ausgerüstet, zum Umsatz tragen sie aber erst gut sechs Prozent bei. Doch der Anteil steigt weiter und der nächste Wachstumstreiber ist schon ausgemacht.

„Nach der Akku-Technologie könnte die Digitalisierung die nächste Wachstumslokomotive für Stihl werden“, sagte Vorstandsvorsitzender Bertram Kandziora in Waiblingen. Stihl beschäftige sich schon seit einigen Jahren mit der Digitalisierung, aber 2017 habe das Thema richtig Fahrt aufgenommen. Dabei spielen Software, Vernetzung, so genannte Smart Services und neue Geschäftsmodelle eine immer größere Rolle. Potenzial sieht Kandziora in der gesamten Wertschöpfungskette und nannte unter anderem auch Flottenmanagement, Diebstahlschutz und Optimierung der Wartungsintervalle als Beispiele.

Daten über Einsatzzeiten der Geräte und Wartungsempfehlungen

Wer Flottenmanagement bislang nur mit Fahrzeugen in Verbindung gebracht hat, kann bei Stihl ganz neue Bereiche entdecken. Das Waiblinger Familienunternehmen hat dabei vor allem Landschaftsgärtner im Blick. Die haben oft Mitarbeiter an verschiedensten Orten und mit unterschiedlichsten Gerätschaften im Einsatz – von der Motorsäge über Freischneider bis zur Heckenschere, um nur einige Beispiele zu nennen. Eine Vernetzung durch Stihl connected soll Anwendern einen Überblick über die Einsatzzeiten der Geräte und Wartungsempfehlungen geben. Das System besteht aus einem so genannten Smart Connector, der auf dem Arbeitsgerät – das muss nicht unbedingt ein Stihl-Produkt sein – angebracht wird, Betriebsstunden erfasst und speichert, sowie einer Stihl App, an die Maschinendaten via Bluetooth übermittelt werden. Das bietet laut Stihl Kunden und Fachhändlern Vorteile, da Gerätedaten für die Wartung vorab übermittelt und Werkstattzeiten reduziert werden könnten.

Die Geräte werden zunehmend intelligenter. So können beispielsweise Robotermäher via Handy gesteuert werden und gleichzeitig auf Basis aktueller Wetterdaten Mäh- und Bewässerungsintervalle für den Garten, für Parkanlagen oder Sportplätze aufeinander abgestimmt werden. Um die Aktivitäten rund um die Digitalisierung zu bündeln und beschleunigen, hat Stihl eine eigene Gesellschaft gegründet (Stihl Digital), die sich auch an Start-ups beteiligt. Deren Chef, Christian Vogt, habe langjährige Erfahrung mit dem Internet der Dinge und acht Jahre im Silicon Valley gearbeitet, sagte Kandziora.

Rekorde bei Umsatz, Absatz und Beschäftigung

2017 hat Stihl gleich drei Rekorde geschafft: bei Umsatz, Absatz und Beschäftigung. Der Umsatz stieg um 9,7 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro, ohne Wechselkurseffekte wären es 10,2 Prozent gewesen. „Wir haben deutliche Marktanteile hinzugewonnen und unsere Spitzenposition in den Weltmärkten ausgebaut“, sagte Kandziora. Den Gewinn nennt er nicht, doch er sei „sehr zufriedenstellend“. Mit mehr als zehn Millionen verkauften Geräten verzeichnete Stihl auch einen Absatzrekord. Der Absatz der Akku-Produkte hat sich mehr als verdoppelt, benzinbetriebene Geräte legten zweistellig zu. Sie machen das Hauptgeschäft aus. Dieses Jahr etwa kommt noch die erste Benzin-Motorsäge mit elektronisch gesteuerter Kraftstoffeinspritzung auf den Markt.

Zu den stärksten Märkten gehören nach wie vor Nordamerika und Westeuropa, wobei auch Asien und Ozeanien überdurchschnittlich gewachsen sind. Das wirkt positiv auf die Beschäftigung. Ende 2017 waren in der Stihl-Gruppe 15 875 Mitarbeiter beschäftigt, 6,4 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Im „deutschen Stammhaus“, zu dem neben Waiblingen (gut 3600 Mitarbeiter) Ludwigsburg, Prüm in der Eifel und Wiechs am Randen gehören, stieg die Zahl der Mitarbeiter um 6,6 Prozent auf 4645 Beschäftigte, der Umsatz um 13,3 Prozent auf 1,15 Milliarden Euro. Auch 2018 soll die Mitarbeiterzahl weiter zulegen. In den Bereichen vernetzte Produkte, Akku, Elektronik und IT sollen in nächster Zeit mehr als 200 offene Stellen besetzt werden, sagte Kandziora. Im vergangenen Jahr bekam Stihl auf 500 ausgeschriebene Stellen 27 000 Bewerbungen.

Bis 2021 will Stihl weltweit eine Milliarde Euro investieren

Auch die hohen Investitionen werden beibehalten. Bis 2021 will Stihl weltweit über eine Milliarde Euro investieren, was jährlich rund 250 Millionen Euro entspricht. Gut 30 Prozent davon dürften aufs Inland entfallen.

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