Motorsport-Ausstellung in Weilimdorf Erinnerung an Helden mit Benzin im Blut

Von Bernd Zeyer 

Bei der Ausstellung „Weilimdorfer Motor-Asse“ dreht sich vieles um den Solitude-Ring: Nicht zuletzt die Nähe der Rennstrecke dürfte dafür verantwortlich sein, dass Motorsportler aus Weilimdorf überregionale Bedeutung erlangt haben.

Mit diesem Motiv aus dem Jahr 1925 wurde die Ära „Rund um die Solitude“ eingeleitet Foto: privat
Mit diesem Motiv aus dem Jahr 1925 wurde die Ära „Rund um die Solitude“ eingeleitet Foto: privat

Weilimdorf - Bei der Ausstellung „Weilimdorfer Motor-Asse“ dreht sich vieles um den Solitude-Ring: Nicht zuletzt die Nähe der Rennstrecke dürfte dafür verantwortlich gewesen sein, dass Motorsportler aus Weilimdorf überregionale Bedeutung erlangt haben. Der erste Teil der Ausstellung kann noch bis zum Samstag, 12. Mai, in der Stadtteilbibliothek (Freitag 11 bis 19 Uhr, Samstag 10 bis 13 Uhr) besichtigt werden. In zwei Wochen startet dann der zweite Teil, der bis Oktober in der Heimatstube, Ditzinger Straße 7, zu sehen sein wird.

Die Idee für die Ausstellung stammt von Edeltraud John, der Geschäftsführerin des Weilimdorfer Heimatkreises. „Ich habe kein eigenes Auto und noch nie auf einem Motorrad gesessen“, sagt sie schmunzelnd. Dass sie sich dennoch für den Rennsport interessiert, hat einen ganz anderen Grund: „Das alles ist ein Stück Heimatgeschichte.“ Eine Geschichte, an der auch sie als Kind teilgenommen hat: Als kleines Mädchen ging sie zusammen mit der ganzen Familie zu den Rennen auf dem Solitude-Ring. „Es war vor allem wahnsinnig laut“, erinnert sie sich.

1903 wurde in Stuttgart das erste Solitude-Rennen ausgetragen. Es führte vom Westbahnhof hinauf zum Schloss. In den späteren Jahren wurde dann ein Rundkurs daraus. Zunächst gab es dort vor allem Motorrad-Rennen. Anfangs zeigten nicht nur die Herren, sondern auch einige Damen, dass sie Benzin im Blut haben. Einige von ihnen trugen sich sogar in die Siegerlisten ein. „Die waren leichter und zäher“, sagt John. 1904 beispielsweise stand die Berlinerin Mariechen Reuschel ganz oben auf dem Podest. „Sie war ein überaus reizendes, zierliches Persönchen“, hat sich ein Zeitgenosse einmal erinnert.

Eugen Gerlach wurde „König der Kurven“ genannt

Nie sein Heimatrennen gewinnen konnte Eugen Gerlach, auch „König der Kurven“ genannt. Viele Jahre nahm er am Solitude-Rennen teil, zu mehr als dem zweiten Platz hat es nie gereicht. Auf anderen Strecken war er weitaus erfolgreicher, seine Siegesliste umfasst anderthalb DIN-A-4-Seiten. Sie ist ebenso in der Ausstellung zu sehen wie seine zahlreichen Pokale, die heute von seiner Enkelin verwahrt werden. Die Weilimdorfer empfingen ihren Lokalmatador damals immer mit großem Jubel, wenn er nach den Rennerfolgen mit umgehängten Siegerkranz laut knatternd mit dem Motorrad durch die Straßen fuhr. Später betrieb er eine Werkstatt, danach leitete er eine Fahrschule in den Grubenäckern. Bekannte Weilimdorfer Namen sind auch Paul Schaible, Julius Spiess und Karl Holder, die 1934 bei einer 2000-Kilometer-Fahrt durch Deutschland eine Goldmedaille gewannen. Spiess ist der Großonkel von Edeltraud John. Er eröffnete nach dem Zweiten Weltkrieg ein Autohaus an der Pforzheimer Straße. Dort stehen heute die Stadtteilbibliothek und das Bezirksrathaus. „Im Laufe meiner einjährigen Recherchen habe ich viel Neues erfahren“, sagt John. Beispielsweise, dass der Cannstatter Hermann Lang, der vor allem als Pilot der Mercedes-Silberpfeile bekannt wurde, mütterlicherseits aus Weilimdorf stammte und dort regelmäßig mit seinen Rennfahrerkollegen im Gasthaus „Zum Hahnen“ einkehrte.

Im zweiten Ausstellungsteil wird vor allem die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg thematisiert, die mit der Schließung der Rennstrecke (aus Sicherheitsgründen) im Jahr 1966 endet. Zu sehen sein werden einige Automodelle und natürlich wieder zahlreiche Dokumente, Urkunden, Bilder und Pokale. Auch einige Exponate aus Teil 1 werden in der Heimatstube ausgestellt, aus Platzgründen kann aber dort nicht alles gezeigt werden. Informationen geben wird es auch zum Stuttgarter Verein „Solitude-Revival“, der im Jahr 2001 gegründet worden ist und der alle zwei Jahre historische Treffen auf der ehemaligen Rennstrecke organisiert.

Der zweite Teil der Ausstellung läuft vom 26. Mai bis 6. Oktober. Die Heimatstube ist in der Regel samstags zwischen 15 und 17 Uhr geöffnet. Gruppenführungen (auch zu anderen Zeiten) sind auf Anfrage bei Edeltraud John, Telefon 0711/88 69 05, oder unter E-Mail an info@weilimdorfer-heimatkreis.de möglich.

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