Motorsport Top oder Flop: Regen bringt Segen über die Formel 1

Am Sonntag jubelt nur einer: Nico Rosberg (links) oder Lewis Hamilton. Foto: Getty
Am Sonntag jubelt nur einer: Nico Rosberg (links) oder Lewis Hamilton. Foto: Getty

Rosberg oder Hamilton? – die Frage nach dem Formel-1-Weltmeister ist noch offen. Ansonsten aber hat diese Saison bereits viele Erkenntnisse geliefert. Es gab strahlende Gewinner – aber auch bitter enttäuschte Verlierer.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)
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Abu Dhabi – Das Formel-1-Finale steht noch an, aber auch vor dem Großen Preis von Abu Dhabi an diesem Sonntag (14 Uhr/RTL) darf man schon eine Saisonbilanz ziehen – Grundlegendes wird sich nicht mehr ändern. Lediglich die Frage nach dem Weltmeister stellt sich noch: Gibt’s einen neuen oder bleibt’s der alte? -

1. Die Gewinner

Lewis Hamilton oder Nico Rosberg: Einer von beiden wird der große Triumphator der Saison 2016 werden. Entweder der Brite, der mit seinem vierten WM-Titel in der ewigen Tabelle zu Alain Prost und Sebastian Vettel aufschließen würde und der damit nur noch Legende Juan Manuel Fangio (5 Titel) und Übervater Michael Schumacher (7) in der Superstar-Hierarchie über sich dulden müsste – oder der gebürtige Wiesbadener, der dann endlich einmal seinen ewigen Widersacher Hamilton im WM-Duell besiegt hätte und der der erste deutsche Formel-1-Weltmeister in einem Mercedes-Silberpfeil wäre – was ihm seinen absoluten Ehrenplatz in den Motorsport-Geschichtsbüchern des Hauses Daimler und im Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart sichern dürfte.

Red Bull: Wäre hätte das gedacht, dass der Rennstall mit der Dose eine derart rasche Wiedergeburt erleben würde. Noch nach der Saison 2015 hatte Berater Helmut Marko über das doch so sehr unfaire Reglement gepoltert und Firmengründer Dietrich Mateschitz sah sich sogar dazu gedrängt, zu drohen, der Brausekonzern aus Fuschl am See in Österreich werde aus der Schampus-Serie aussteigen, falls sich die Randbedingungen nicht bittschön ändern. Nun, im Reglement hat sich nichts Entscheidendes getan, aber Platz zwei in der Konstrukteurs-WM und zwei Grand-Prix-Siege (Spanien und Malaysia) sorgen dafür, dass bei Red Bull fast alle Teammitglieder so breit grinsen wie Daniel Ricciardo, nachdem er das Rennen in Sepang gewonnen hatte.

Max Verstappen: Der freche, schnelle Niederländer scheint sich zu einem Formel-1-Charakterkopf zu entwickeln. An der Fahrweise des 19-Jährigen scheiden sich mitunter die Geister, doch dass der Bursche einen Rennboliden absolut gekonnt chauffieren kann und dass er ziemlich viel Mut mitbringt (wie er beim Regenrennen in Brasilien bewiesen hat), diese Einschätzungen werden in den Rennszene von keinem bezweifelt. Die non-konforme Unbotmäßigkeit auf und neben der Piste des ruppigen Holländers sorgt für einen Lichtblitz in der PS-Szene, in der neben Hamilton Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten Mangelware sind. Der Red-Bull-Pilot könnte einer werden, der die Starreihe der Formel-1-Geschichte in der Nach-Schumacher-Ära fortführt: Fernando Alonso – Sebastian Vettel – Lewis Hamilton – Max Verstappen.

Der Regen: Sicher, ein Grand Prix unterm Regenschirm oder eingehüllt in ein dünnes Cape ist nicht das, wovon Formel-1-Zuschauer träumen, wenn sie 300 Euro für ein Wochenend-Ticket auf einer unüberdachten Tribüne bezahlt haben. Das Getränk wird wässrig und die Currywurst schwimmt in der Pappschale. Doch als kleine Gegenleistung werden diese harten Burschen und Mädels mit erstklassigen Darbietungen auf der nassen Piste belohnt. Der Große Preis in Brasilien, wo es so stark goss, dass Pessimisten schon Pläne für eine Arche in der Schublade suchten, war höchst unterhaltsam mit waghalsigen Überholmanövern, wilden Drehern, erstaunlichen Ausritten und (zum Glück glimpflich verlaufenen) Kollisionen. Der Große Preis war auch ein TV-Renner – RTL freute sich über die beste Quote seit über drei Jahren. Im Schnitt verfolgten 6,83 Millionen Zuschauer das Spektakel, der beste Wert seit Monaco 2013. Beim Fallen der Zielflagge um 20.10 Uhr waren sogar 7,98 Millionen Menschen live am Fernseher dabei.

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