Motorworld Böblingen Deutsche Meisterschaft der Fahrzeugpolierer

Präzise und mit viel Fingerspitzengefühl muss ans Werk gehen, wer sein Auto nach allen Regeln der Kunst auf Hochglanz polieren will. Foto: Eibner-Pressefoto/Dimitri Drofitsch

Die sechsten Deutschen Poliermeisterschaften in der Motorworld Böblingen finden vor allem bei den Herren der Schöpfung Anklang

So kennen wir das aus guten alten Zeiten: Der Samstagnachmittag war gerettet, wenn das meist männliche Familienoberhaupt mit Staubsauger und Poliermaschine das heilix Blechle für die Sonntagsausfahrten in Schuss brachte. Was sich meist – sehr zum Ärger der Nachbarn – mit viel Lärm und dem unangenehmen Geruch von Chemikalien verband. Doch diese Zeiten sind vorbei.

 

Jetzt fand am Wochenende die sechste deutsche Autopoliermeisterschaft in der Motorworld in Böblingen auf dem Flugfeld statt. Der Triumph der Kleinbürgerherrschaft? Nein keinesfalls, denn der qualifizierte Fahrzeugaufbereiter ist ein neues Berufsbild, das der entsprechende Bundesverband gemeinsam mit einigen Handwerkskammern in Deutschland entwickelt. Ausbildungspartner ist unter anderem auch der TÜV Nord. Dabei geht es mitnichten nur um das Aussaugen von Krümeln und Aufhübschen des strapazierten Lacks.

Düsseldorf – Rothenburg – Böblingen

Die Deutsche Poliermeisterschaft findet in der Regel jährlich statt, aufgrund von Corona hatte sie jedoch zwei Jahre Zwangspause. Die früheren deutschen Meisterschaften gingen unter anderem in Rothenburg ob der Tauber und Düsseldorf über die Bühne. Jetzt hat man sich zum ersten Mal in der Handelshalle der Motorworld in Böblingen getroffen, die natürlich den perfekten Rahmen abgibt. Man will auch wiederkommen. Moderiert wird die Veranstaltung durch Tommy Scheel. Er hat sich als TV-Moderator sowohl im Kinderkanal als auch bei privaten anderen Sendern einen Namen gemacht als jemand, der vor ungewöhnlichen Themenformaten nicht zurückschreckt.

In der Motorworld stehen etliche schmucke Fahrzeuge, die eine professionelle Aufbereitung bereits hinter sich haben und dadurch erheblichen im Wert gestiegen sind.

Identische Aufgaben, identische Hilfsmittel

Die Teams arbeiten an drei identischen, neuwertigen Fahrzeugen, und alle haben identische Aufgabenfelde: Fingerabdrücken, Flecken, leichten Lackkratzern und so genannten Hologrammen, nicht beabsichtigten dreidimensionalen Lackeffekten, die zum Beispiel durch Fettschichten entstehen, zu Leibe zu rücken. Bewertet wurde von einer Fachjury nicht nur die erfolgreiche Beseitigung dieser optischen Störenfriede, sondern auch der Glanzgrad, die Lacktiefe vorher und hinterher et cetera.

Alle erhalten zudem dasselbe Handwerkszeug: Poliermaschinen, Lappen und Polituren. Außerdem gibt es identische Flüssigkeiten zur Entfernung von leichten Schäden, zur Versiegelung, für den Anti-Reflexeffekt, für beanspruchte Lacke und natürlich die Schleifpaste.

Auf die Plätze – fertig – los!

Auf die Plätze – fertig – los! Moderator Tommy Scheel gibt das Startzeichen und im Nu legen die Teams los. Sie haben jeweils zehn Minuten Zeit und arbeiten im Schichtwechsel. Auffällig sind der fehlende Chemiegeruch und ein überraschend leises Surren der Maschinen. Sensibilität ist enorm wichtig, viel Fingerspitzengefühl gefragt. Diese Tätigkeit scheint zurzeit eine reine Männerdomäne zu sein, die einzige weibliche Teilnehmerin ist Jasmin Schulthess, deren Unternehmen schließlich den dritten Platz belegt.

Zu den Besuchern im Publikum zählt auch Corinna Mulansky, die mit ihrem Mann eine Firma in Calw leitet, die sich Geleckt-Car-Lounge nennt: „Zu unseren Firmenzielen zählt unter anderem auch die Möglichkeit, jungen Menschen eine Ausbildung anzubieten, die vielleicht sonst nicht so viel Glück im Leben gehabt haben. Erste Schulungen soll Anfang November stattfinden. Darüber hinaus bieten wir aber auch Weiterbildungskurse an. Vielleicht beteiligen wir uns im kommenden Jahr auch an dem Wettbewerb“, sagt sie.

Viel zu tun für den Fahrzeugaufbereiter

Natürlich ist das Polieren, mit dem man jetzt die deutschen Meisterschaften ausgetragen hat, nur ein Aspekt der Ausbildung. Zur Tätigkeit des Fahrzeugaufbereiters zählen sämtliche Arten von Blechoberflächen- und Lackreparaturen, Nanoversiegelung und Geruchsbeseitigung. Ergänzt wird die Tätigkeit auch durch die Beklebung des Fahrzeuges mit Folien, entweder zur individuellen Verschönerung oder auch für Werbezwecke auf kommerziell genutzten Fahrzeugen.

Nach ausführlicher Begutachtung stehen die drei Gewinner fest. Erfreulicherweise erhalten alle 23 Teilnehmer eine Teilnehmerurkunde. Den dritten Platz belegt Martin Kolchev (wirwaschendeinauto, Sindelfingen, 304,6 Punkte), den zweiten Platz erarbeitete sich Alin Rus (310,5 Punkte).

Der Sieger kommt aus Neresheim

Den Titel des Deutschen Meisters heimst Daniel Kampmann ein (DM-Car-Detailing, Neresheim, 319,7 Punkte): „Die Verleihung des ersten Preises empfinde ich als überwältigend, es ist für unsere Firma ein Riesensprung und wir werden es selbstverständlich auch für Werbezwecke einsetzen. Zu unserer Königsdisziplin zählt auch die Aufbereitung historischer Fahrzeuge, was besondere Freude bereitet.“

Weitere Themen