Motorworld Böblingen Mehr als zehntausend PS-Fans feiern Saisoneröffnung

Auf dem Flugfeld lassen Rennkarossen und Oldtimer die Herzen vielen Autoliebhaber glühen. Foto:  

Rennwagen, Einzelanfertigungen, getunte Straßenkreuzer – all das lässt das Herz von mehr als zehntausend Autoliebhaber am Sonntag höherschlagen. Mit dabei der Hoonietron von Audi, BMW 3,0 CSI, ein Porsche 14 und sehr viele Smartphones.

Die Sonne glänzt nicht auf den Motorhauben, am Sonntagmittag, als die Motorworld Region Stuttgart zum Saisonauftakt aufs Böblinger Flugfeld geladen hat. Dafür glänzen Regentropfen. Das tut der großen Autoschau keinen Abbruch: Die Menschen strömen herbei, um die ungewöhnlichsten, die größten, die schnellsten Autos zu bewundern, oder die seltensten, die ältesten, die schönsten. Auf den Zufahrtsstraßen stehen die Autos der Besucher Stoßstange an Stoßstange. Benzin in der Luft und den Adern Tausender.

 

Zu Beginn und Ende der Autosaison feiert die Böblinger Motorworld schon seit ihrer Eröffnung im Jahr 2009. Seit 2014 findet die Veranstaltung auf größerer Fläche statt, seit anderthalb Jahren gibt es den Shuttle-Service. Julian Reichl, Eventmanager, spricht von rund 12 000 Karten, die im Vorverkauf abgesetzt wurden. Das Gelände misst 50 000 Quadratmeter, der Schauparkplatz fasst 900 Fahrzeuge. Einige von ihnen wechseln über den Tag. Insgesamt werden etwa 1200 Exemplare zu sehen sein.

Der Hoonietron von Audi als begehrtes Fotoobjekt. /Lars Neumann

Ein Highlight des Tages ist der Hoonietron von Audi, eine Einzelanfertigung für den US-amerikanischen Rallye-Fahrers Ken Block, ein Audi S1 e-tron quattro, nachgebaut nach Blocks speziellen Wünschen mit kurzem Radstand und einer Leistung von 680 PS. Gleich neben ihm parkt nun Julian Mack aus Stuttgart ein, mit einem Audi XGT, limitiert auf 99 Exemplare, ein Rennwagen mit Straßenzulassung. „Es ist schön, hier Autos anzuschauen und sein Hobby zu teilen“, sagt Mack. Natürlich besucht er häufig Rennstrecken, „aber ich fahre auch gerne einmal Landstraße“.

Alter Porsche löst Verzückung aus

Nicht jeder ist zur Motorwelt gekommen, um moderne Hochleistungstechnologie zu bestaunen. Karl Kraft aus Schömberg schaut zwar auch nach den Neuigkeiten, kann aber kaum verhehlen, dass sein Herz eher den Oldtimern gehört. Seine Frau scheint da ganz seiner Meinung zu sein. Gerade betrachtet beide einen Porsche 14 mit vier Zylindern. „Ich habe auf Opel gelernt und habe zwei Oldtimer zu Hause“, sagt er. „Das sind tolle alte Autos, an denen man noch selber gearbeitet hat.“

Aber auch klein und oho gibt es auf dem Flugfeld. /Lars Neumann

André, ein Amerikaner, zu Hause in Wiesbaden, ist Mitglied der großen BMW M Community MFlight, ist zum ersten Mal in Böblingen und ist in einem wiederum ganz besonderen Fahrzeug gekommen, einem Modell vom US-Markt, das er nach Europa brachte, mit besonderen Felge und einer Karosserie, die der Besitzer selbst beschichtete – „Solar Dawn“ heißt die Folie der Marke Avery Dennison, die rötlichdunkel leuchtet und alle Augen auf sich zieht.

Max und Dennis heißen zwei Besucher des Saisonauftakts, die gerade mal so übers Gelände schlendern, sich ein wenig umschauen. Aus Freiburg sind sie angereist. „Wir waren letztes Jahr schon da“, erzählen sie. „Das Ganze macht Spaß, macht guten Eindruck. Viele Ferraris haben wir schon gesehen“, sagt der eine. „Der hier mit der Bass-Anlage, der gefällt uns“, sagt der andere. „Starke Musik!“

„Traumauto von Papa in der Jugend“

Joachim und Frank heißen zwei Autofans aus Nürtingen. Paul, der Patensohn, schaut nach den neueren Wagen, mit Baujahr zwischen 2000 und 2010 – die Älteren schwärmen von älteren. Zum Beispiel von einem Alfa Romeo Giulia, erbaut irgendwann Mitte der 1960er. Dass nahebei ein BMW 3,0 CSI steht, finden sie schon fast betrüblich – „leider ist er tiefergelegt. Das war das Traumauto schon aus der Jugend meines Vaters“.

Immer online: der Eventmanager Julian Reichl /Lars Neumann

Noch mehr ins Schwärmen kommt Dragan Stanojevic. Er ist Geschäftsführer von Estella Fahrzeugtechnik in Grosselfingen, und er baute mit seinem Team ein Auto mit Carbon-Karosserie, das inspiriert ist von jenem BMW 507, den Elvis Presley von seinem Militärdienst ins Deutschland 1957 als Andenken mit zurück in die Heimat nahm. Drei Jahre lang nur wurde dieses Modell hergestellt; jenes, das Elvis fuhr, wurde vor einigen Jahren in einer Garage aufgefunden. „Es ist der schönste BMW, der je gebaut wurde“, sagt Stanojevic. Eine Million Euro investierte seine Firma in die eigene Design-Entwicklung, der TÜV erwies sich dabei als größte Hürde. 15 Exemplare gibt es. Jenes Modell, das am Sonntag auf dem Flugfeld steht, heißt natürlich „Tender“ – lackiert in Federweiß, mit Lederbezügen in „Scarlett Red“ – ein Augenschmaus. Da schaut jeder Besucher hin, bei der Motorwelt, und jedes Smartphone schießt ein Foto.

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