Mountainbikerin vor erstem Olympiastart Nina Benz will Vollgas – und nicht mehr „Stopp and Go“

Nina Benz aus Feldstetten tritt in Paris erstmals bei Olympischen Spielen an. Foto: /imago/Lubos Pavlicek

Ihre bisherige Karriere? Bezeichnet Nina Benz mit einer Bezeichnung aus dem Verkehrsfunk: „Stopp and Go“. Spätestens bei den Sommerspielen von Paris soll sich das ändern. Für die dafür notwendige Energie sorgt die Mountainbikerin auch gerne selbst.

Sport: Dirk Preiß (dip)

Manchmal ist so ein Leben als Leistungssportlerin ja ganz einfach. Nehmen wir Nina Benz. Die Mountainbikerin war bei den Olympischen Spielen 2021 in Tokio lediglich Ersatzfahrerin des deutschen Teams – und sagte sich danach: „Ich wollte, dass mir das nicht mehr passiert.“ Also: Ist sie drei Jahre später in Paris einfach selbst mit dabei.

 

Klingt zu einfach, um wahr zu sein? Ist es auch!

Denn: Sich etwas vorzunehmen ist ja das eine – den Plan dann auch umzusetzen, eine ganz andere Sache. Das musste auch Nina Benz erkennen. Die drei Jahre zwischen den Spielen 2021 und den nun beginnenden 2024 in Paris beschreibt sie also keineswegs als problemlos. Im Gegenteil: Mal lief es gut, mal lief es schlecht – weshalb die Radsportlerin einen Begriff aus den Verkehrsnachrichten zur Beschreibung bemüht: „Stopp and Go“. Das im Grunde schon vor 2021 begann.

Gegen Ende ihrer Zeit als U-23-Fahrerin war die junge Frau aus Feldstetten auf der Schwäbischen Alb nämlich richtig „durchgestartet“, wie sie erzählt: „Aber dann kam Corona.“ Ihr letztes Jahr in der Nachwuchswertung fiel ins Wasser. Dafür gelang der Einstand in der Eliteklasse sehr gut, mit dem ersten Olympiastart in Tokio wurde es dennoch nichts. Weshalb Nina Benz beschloss, das eine oder andere zu verändern. Sie wechselte den Trainer und das Team – mit einem Ziel fest im Blick: die Spiele von Paris.

Das Ende des Auf und Abs war damit aber noch nicht erreicht. Zwar fruchtete die Arbeit mit Fabian Neustöcklin und dem Freiburger Team Lexware. Doch im Sommer 2022 stoppte ein Knöchelbruch die Ambitionen der Mountainbikerin. Sie kam zwar schneller zurück als gedacht, doch in der Folge setzten sie zwei Coronainfektionen matt. Ende 2023 schien die Pechsträhne dann aber beendet.

Erste Top-Ten-Platzierung im Weltcup

„Ich hatte endlich wieder einen perfekten Winter“, erzählt Nina Benz – um dann vom nächsten Rückschlag zu berichten: Gleich im ersten Rennen dieses Jahres verletzte sie sich am Knie.

Die Weltcups in Brasilien fanden also ohne sie statt, doch die Vorbereitung auf die europäischen Weltcupstationen war anscheinend umso besser. In Nove Mesto fuhr Nina Benz erstmals unter die besten Zehn, bei der EM holte sie Bronze – und war am Ende vollends glücklich, als die Nominierung für Olympia in Paris unter Dach und Fach war. „Für mich“, sagt sie, „ist es schon ein Highlight, dabei zu sein.“

Nach einer Medaille hält sie also erst einmal nicht Ausschau, der Bundestrainer Peter Schaupp gibt für das deutsche Trio (zwei Männer, eine Frau) das Ziel „Top acht“ aus. Doch so ein bisschen hofft Nina Benz schon darauf, dass es unerwartet gut läuft – gerade weil sie sich nicht mehr vorgenommen hat.

„Ich habe nicht den Druck und die Erwartungshaltung wie andere im Feld“, sagt die 25-Jährige vor dem Rennen an diesem Sonntag, „bei Olympia werden alle nervös sein. Das kann man auch ausnutzen.“ Aber nur, wenn man selbst cool bleibt. Und top vorbereitet ist.

Zu beidem gehört bei Nina Benz auch die Arbeit mit einem Sportpsychologen. Vor den Spielen von Paris ging es vor allem darum, sich mental auf den neuen Trubel einzustellen. An anderer Stelle setzt die Studentin der Volkswirtschaft in Freiburg auf ihre eigenen Fähigkeiten – in der Küche.

„Stehe gerne in der Küche“

Wer jedenfalls auf ihrer Homepage nachliest, findet dort nicht nur Vita, Erfolge und Sponsoren – sondern auch Rezepte. Karottenkuchen „to go“, Käsekuchenriegel, Energyballs, Milchreisriegel und das eine oder andere mehr. „Ich stehe einfach gerne in der Küche“, sagt sie, „und ich nutze das auch im Training.“ Wo sie nicht nur die Energieriegel und -gels der Sponsoren zu sich nimmt, sondern eben auch die eigenen Produkte. Denn „irgendwann kann man die Energieriegel nicht mehr sehen“.

Um das Richtige zuzubereiten, beschäftigt sie sich viel mit dem Thema Ernährung, setzt dabei aber auch auf professionelle Unterstützung. „Ernährung ist eine wichtige Stellschraube“, sagt sie, „doch es ist wichtig, dass man dabei professionelle Hilfe hat. Denn der Schuss kann auch schnell nach hinten losgehen.“

Das soll ihr nicht passieren. Denn: Der Rückwärtsgang wäre noch schlimmer als „Stopp and Go“.

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