Festwagen für den Pferdemarkt wird online versteigert So viel soll das Leonberger Riesenschiff kosten

, aktualisiert am 11.02.2025 - 10:50 Uhr
Das Schiff am Marktplatz: An Bord ist Polit-Prominenz. Foto: Simon Granville

Jetzt ist es also wirklich soweit: Die „MS Leonberg II“, der Festwagen der Stadtverwaltung zum Pferdemarkt 2024, steht im Internet zur Versteigerung bereit. Das Startgebot liegt über dem Anschaffungspreis.

Leonberg: Marius Venturini (mv)

Wer eine ganz besondere Erinnerung an den Pferdemarkt 2024 ergattern möchte, hat jetzt die Chance dazu. Der mittlerweile legendäre Festwagen der Stadt Leonberg, die „MS Leonberg II“, steht nach langem Warten auf der Online-Auktionsplattform www.zoll-auktion.de zur Versteigerung bereit. Interessierte müssen aber schnell sein: Schon am Donnerstagmorgen um 6 Uhr endet das Angebot vorerst. Veranschlagt hat die Stadtverwaltung ein Startgebot von 12 110 Euro. Am Montagmorgen hatten sich das Angebot zwar schon knapp 5000 Internetnutzer angesehen. Geld hatte bis dato aber noch niemand in die Hand genommen.

 

Die Schornsteine sind für den Transport abzumontieren

Im Detail steht zum Verkauf ein „Festwagen/Brauchtumsumzugswagen Motiv Schiff mit Zugöse“ mit folgenden Eigenschaften: „Zugang zu den oberen Stehebenen über Tür hinten seitlich rechts – Unterkonstruktion über Treppe mit Tür auf Oberkonstruktion – oben vier versetzte Stehebenen – seitlich links und rechts, vorderer und hinterer Bereich.“ Als Länge werden 15,30 Meter angegeben, als Breite 3,30 Meter, als Höhe zwischen 4,05 und 5,70 Meter. Letzteres hängt von den Schornsteinen ab. Diese seien für den Transport abzumontieren. Ohnehin richtet sich die Auktion ausschließlich an Selbstabholer.

„Anhänger für den öffentlichen Verkehr nicht zugelassen, keine Papiere vorhanden. Bei der Überführung ist auf die straßenrechtlichen Regelungen zu achten. Der Ersteigerer ist dafür verantwortlich.“ Darauf weist die Stadtverwaltung nicht ohne Grund hin. Ursprünglich gebaut hatte den Wagen die Karnevalistengruppe „Issgemer Buben“ aus dem hessischen Niederissigheim, einem Teilort von Bruchköbel. Und nachdem sich Leonbergs Oberbürgermeister Martin Georg Cohn in der ersten Jahreshälfte 2023 in das Trumm verliebt hatte – damals hieß es noch „Titanic“ –, musste es nach Verhandlungen unter anderem um den Preis ja auch nach Leonberg verfrachtet werden.

Keine Zulassungspapiere beim Tieflader

Das Problem: Der Tieflader, auf dem der Aufbau ruht, hat keine Papiere oder Zulassungsunterlagen. So musste das Schiff im Juni 2023 erstmal teilweise zerlegt werden, bevor man es mit Hilfe der Freiwilligen Feuerwehr über Landstraßen zu seinem neuen Heimathafen überführen konnte. Und wo gerade vom Preis die Rede war: 11 000 Euro aus dem Etat des Amtes für Kultur und Sport überwies die Stadtverwaltung für den Wagen nach Niederissigheim – ohne vorab den Gemeinderat über das Vorgehen zu informieren. Das war formal zwar nicht notwendig gewesen, sorgte aber nicht eben für gute Stimmung im Gremium.

Zum Zustand der „MS Leonberg II“ schreibt die Stadt bei der Auktion: „Farbe etwas ausgeblichen, Abnutzung erkennbar, aber der Zustand ist gut, Holz ist trittsicher.“ Als der Wagen schließlich in Leonberg angekommen war und der Pferdemarkt näher rückte, machten sich rund 20 „Mitarbeitende der Stadtverwaltung mit handwerklichem Geschick“, wie es einst in einer Pressemitteilung hieß, daran, ihn für den Umzug flott zu machen. „Das Schiff war schon bevor wir angefangen haben in einem super Zustand. Aber natürlich gibt es Dinge,die wir noch anpassen müssen“, sagte Feuerwehrkommandant Wolfgang Zimmermann vor gut einem Jahr über die Arbeiten.

Vor dem Umzug 2024: die „MS Leonberg II“ in der Aufstellung Foto: Simon Granville

Beim Umzug lief alles glatt. Die „MS Leonberg II“ schipperte von der Römerstraße zum Marktplatz, wo sie schließlich geparkt wurde. An Bord hatte sie erst Schülerinnen und Schüler, die für ihr besonderes Engagement belohnt wurden. Am Marktplatz machten sie dann Platz für die lokalpolitische Hautevolee. Dabei kam es auch zur Begegnung von OB Cohn und der zwangsbeurlaubten Ersten Bürgermeisterin Josefa Prinzessin von Hohenzollern-Emden. Dass sich beide seit langem alles andere als grün sind, ist eine andere Geschichte.

Schiff auf dem Trockendock in einer Halle außerhalb der Stadtgrenzen

Auch die „MS Leonberg II“ – das „II“ rührt übrigens daher, dass es beim Modellbauclub bereits eine „MS Leonberg“ gibt – wird vielleicht bald anderswo Geschichte schreiben. Falls sich ein Käufer oder eine Käuferin findet. Ansonsten, wer weiß, muss sie vielleicht noch länger auf ihrem Trockendock in einer Halle außerhalb der Stadtgrenzen verweilen. Wie der neue Festwagen der Stadt aussieht, ist derweil noch nicht bekannt – es soll eine Überraschung sein.

Weitere Themen