MTV Stuttgart Trainer Lindenmair muss gehen

Von Mario Geisenhanslüke 

Der Volleyball-Bundesligist Allianz MTV Stuttgart hat sich überraschend von seinem Trainer Jan Lindenmair getrennt. Zwar verloren seine Spielerinnen am Samstag in Wiesbaden 0:3, doch am Sonntag steht das Rückspiel im Play-off-Viertelfinale an.

Der Trainer Jan Lindenmair kann seine Foto: Baumann
Der Trainer Jan Lindenmair kann seine Foto: Baumann

Stuttgart - Am Wochenende stand er noch an der Seitenlinie – bei der 0:3-Niederlage im ersten Play-off-Viertelfinale gegen den VC Wiesbaden in Rüsselsheim. Jetzt steht er im Abseits. Allianz MTV Stuttgart hat sich am Montag überraschend von seinem Cheftrainer Jan Lindenmair getrennt. Dies teilte der Volleyball-Bundesligist am Abend in einer kurzen Presseerklärung mit. Die Trennung nach vierjähriger Zusammenarbeit ging dabei alles andere als einvernehmlich über die Bühne.

„Ich hätte mir ein anderes Ende gewünscht“, sagt Jan Lindenmair, dem die Entscheidung nach eigener Aussage 20 Minuten vor Trainingsbeginn mitgeteilt wurde. Von einem „intensiven Gespräch“ ist hingegen in der Pressemitteilung die Rede. „Wir sind davon überzeugt, dass dies nach unserer schwachen Mannschaftsleistung in Wiesbaden ein notwendiger Schritt ist“, heißt es dort weiter.

Co-Trainer Masek und Athletikcoach Hartmann übernehmen

Bis zum Ende der Saison übernehmen der bisherige Co-Trainer Michal Masek als Chefcoach sowie der Athletiktrainer Manuel Hartmann die Leitung der Mannschaft. „Ich kann es nicht nachvollziehen und finde es sehr schade“, sagt Lindenmair, dessen Vertrag noch bis Ende Mai läuft. „Ich hoffe nur, dass alles sauber über die Bühne geht.“ Lindenmair, der sich bereits gestern von der Mannschaft verabschiedet hat, bemängelt neben der eigentlichen Trennung auch die Art und Weise.

Als Hauptgrund für diesen plötzlichen Schritt werden sportliche Gründe angeführt. Die Stuttgarter Volleyballerinnen hatten sich am Samstag im ersten Spiel des Play-off-Viertelfinales vom VC Wiesbaden in 77 Minuten mit 0:3 (19:25, 16:25, 23:25) abfertigen lassen. Da das Viertelfinale im Modus „best of three“ ausgetragen wird, muss am nächsten Sonntag (16.30 Uhr) ein Heimsieg in der Scharrena her, um ein Entscheidungsspiel zu erzwingen.

Hinter den Kulissen brodelt es derweil gewaltig. Unter der Hand wird dem Trainer vorgeworfen, er habe die Mannschaft schon lange nicht mehr erreicht. Der 34-Jährige hingegen kann die Vorwürfe nicht verstehen und will auch sportliche Gründe für die Trennung nicht akzeptieren: „Der fünfte Platz war mehr, als wir uns vorgenommen hatten. Ich kann nicht nachvollziehen, dass ein Spiel die gesamte Saisonleistung in Frage stellen kann.“ Schon während der laufenden Spielzeit hatte es Meinungsverschiedenheiten zwischen Lindenmair und dem Stuttgarter Manager Bernhard Lobmüller gegeben. Auslöser war die Trennung von der Mittelblockerin Nadja Schaus, die den Verein mitten in der Saison hatte verlassen müssen. Eine geplante Neuverpflichtung zur Verstärkung des dünnen Kaders war ausgeblieben.

Lindenmair ist Stuttgarts erfolgreichster Trainer

Ebenfalls fraglich ist, ob eine Trennung zum Saisonende bei den Verantwortlichen nicht schon länger beschlossene Sache war und nach der Niederlage vom Wochenende nur vorgezogen wurde. Nach StZ-Informationen steht nämlich das Trainergespann für die nächste Spielzeit bereits fest.

„Für die langjährige, erfolgreiche Zusammenarbeit danken wir Jan Lindenmair ausdrücklich auch an dieser Stelle“, schreibt der Verein am Ende. In Lindenmair verlässt der erfolgreichste Trainer der noch jungen Vereinshistorie Stuttgart. Als Assistent von Alexander Waibl war er 2008 in die Bundesliga aufgestiegen und hatte im März 2009 offiziell das Cheftraineramt übernommen. 2011 gewann er mit Stuttgart den Pokal – als bisher einzigen Titel.