Mühlentag im Schwäbischen Wald Herr Heimerl dreht das größte Rad

Wandern von Mühle zu Mühle: am Pfingstmontag war auch die Hummelgautsche zwischen Welzheim und Gschwend geöffnet. Foto: Eppler
Wandern von Mühle zu Mühle: am Pfingstmontag war auch die Hummelgautsche zwischen Welzheim und Gschwend geöffnet. Foto: Eppler

Der Mühlentag am Pfingstmontag wird wieder zum Besuchermagneten. Die neuen Besitzer der Meuschenmühle bitten die Gäste in die Mahlstube des rund 200 Jahre alten Technikveteranen. In der Hummelgautsche wird gesägt wie anno dazumal.

Rems-Murr/ Ludwigsburg: Martin Tschepe (art)
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Aldforf - Die alten, schmalen Holzstiegen in der dunkelen Mahlstube sind tief ausgetreten. Die Müller der idyllisch in einem Tal bei Alfdorf gelegenen Meuschenmühle haben über rund zwei Jahrhunderte ihre Spuren hinterlassen. Tag für Tag sind sie, mit schweren Kornsäcken bepackt, hoch gestiegen zum Füllzylinder des Mahlwerks.

An diesem Tag schreiten die Besucher des Technikveteranen beeindruckt durch den Raum. Und sie lassen sich vom Naturparkführer Wolfgang Grabe erklären, wie die Müller anno dazumal geschuftet haben.

Pfingstmontag am Vormittag: trotz Nieselregens und Temperaturen um fünf Grad herum sind ein paar hundert Schaulustige zur Eröffnung des 23. Mühlentags gekommen. Die meisten wollen nicht nur das imposante, nagelneue Wasserrad der Meuschenmühle sehen, sondern auch das hölzerne Innenleben des Fachwerkveteranen.

„Ein Schmuckstück im Landkreis“

Die Eröffnung des Mühlentags nimmt Klaus Hinderer in Vertretung des Alfdorfer Bürgermeisters zum Anlass, die neuen Eigentümer der Mühle höchst offiziell willkommen zu heißen im Ort: Beate Kohler und Stephan Heimerl haben das Gebäude vor rund zwei Jahren erworben und komplett saniert. Nun wohnen die beiden Wasserbauingenieure im Schwäbischen Wald und pendeln täglich zur Arbeit nach Stuttgart. Die Meuschenmühle, sagt Hinderer, sei ein wahres Schmuckstück im Landkreis. Der Landrat Richard Sigel bezeichnet die Mühlen im Schwäbischen Wald, die an diesem Tag geöffnet sind, als „einen faszinierenden Mikrokosmos“. Er hat sich gut vorbereitet auf diesen Termin jwd. Er erzählt zum Beispiel, dass ein Müller tagtäglich bei der Arbeit zwischen 600 und 800 Höhenmeter habe überwinden müssen. Kein Wunder also, dass die Stiegen so stark ausgetreten sind. Die neuen Mühlenbesitzer seien ein Glücksfall, denn sie hätte beschlossen, die betagte Mahlstube regelmäßig für Gäste zugänglich zu machen.

Walter Schuhmann von der Mühlen- und Maschinenbau GmbH aus Bad Kissingen hat das neue Mühlrad angefertigt. Es ist mit einem Durchmesser von 7,87 Meter nun das größte Mühlrad im weiten Umkreis. Später wird das imposante Antriebsrad getauft. Es heiße nun Lena, wie die letzte Müllerin, erklärt Schuhmann.

„Es gibt nur gutes und schönes Wetter“

Beate Kohler und Stephan Heimerl setzen voll auf die Wasserkraft. Das Wasserrad kann zwar auch das alte Mahlwerk in Schwung bringen, es werde aber in erster Linie ein Aggregat antreiben, das Strom produziert. Rein rechnerisch, sagt Stephan Heimerl, solle so viel Strom produziert werden, wie im Haus verbraucht werde. Beim Blick in den grauen Himmel erklärt er dann noch augenzwinkernd, dass es doch nur gutes und schönes Wetter gebe. Entweder scheine die Sonne, dann freuten sich die Ausflügler. Oder es regnet, dann ist der Mühlenbesitzer happy, weil das Wasserrad ordentlich Schwung bekommt.

An diesem Mühlentag indes wäre allen vermutlich etwas weniger Niederschlag lieb. Doch von Regen lassen sich die Ausflügler kaum bremsen. Viele wandern nach der Eröffnung von Mühle zu Mühle, zum Beispiel zur Heinlesmühle zwischen Welzheim und Gschwend und dann weiter zur sogenannten Hummelgautsche, wo Bretter gesägt werden wie anno dazumal. Oder sie besuchen eine der beiden noch immer gewerblich genutzten Mahlmühlen, die Rümelinsmühle in Murrhardt oder die Voggenbergmühle bei Alfdorf.




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