Müll im Kreis Böblingen Rote Tonne hat im Landkreis wohl keine Zukunft
Sie standen scheinbar plötzlich da: rote Wertstoff-Tonnen in Schönaich. Ein Mitarbeiter der verantwortlichen Firma erklärt, was es damit auf sich hat.
Sie standen scheinbar plötzlich da: rote Wertstoff-Tonnen in Schönaich. Ein Mitarbeiter der verantwortlichen Firma erklärt, was es damit auf sich hat.
In den vergangenen Tagen gab es im Kreis Böblingen ein Rätselraten um rote Tonnen. Passanten hatten sie in Schönaich in der Bahnhofstraße entdeckt. Auch von der Böblinger Diezenhalde wurden solche Müllbehälter gemeldet. Gesammelt werden sollten hier unter anderem alte Handys, Bügelbretter, Armaturen und Krücken.
Schnell war klar, dass sie nicht vom Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) stammen, der im Kreis Böblingen für die Müllentsorgung zuständig ist. Stattdessen steckt eine Firma namens TiLo aus Stuttgart dahinter. Eine Homepage der Firma existiert nicht.
Doch unter der Telefonnummer, die auf den Tonnen angegeben ist, meldet sich ein Mitarbeiter und gibt bereitwillig Auskunft. Vor einem guten Jahr habe man die ersten roten Tonnen im Kreis Böblingen verteilt, erklärt der Mann. Insgesamt gebe es circa 20 Stück.
Das Unternehmen wollte offenbar herausfinden, wie die Tonnen im Kreis Böblingen angenommen werden. „Die Tonnen wandern testweise herum“, sagt der Mitarbeiter, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. Er zeigt sich überrascht, dass die Müllbehälter Verwirrung hervorgerufen haben. „Das war lange angekündigt“, sagt er.
Tatsächlich erklärte das Landratsamt am Montag auf Nachfrage, dass der Schrotthändler die Sammelaktion ordnungsgemäß registriert hatte. Aber kann jeder, der eine Sammlung angemeldet hat, die Tonnen einfach irgendwo aufstellen?
Landratsamtssprecher Benjamin Lutsch verneint: Um die Tonnen im öffentlichen Raum abzustellen, sei eine Sondernutzungsgenehmigung der jeweiligen Gemeinde nötig. Für privaten Grund reiche das Okay der Eigentümer. Und wie handhabt es die Firma aus Stuttgart? „Wir stellen die Tonnen nur auf Privatgrundstücken auf“, sagt der Mitarbeiter. Tauchten sie im öffentlichen Raum auf, müsse sie jemand umgestellt haben. Das komme hin und wieder vor. Erfahre die Firma davon, räume sie die Tonnen weg.
Die Hauseigentümer und -bewohner informiert die Firma wohl über Flyer, die sie in den Briefkästen verteilt. Wer keine Tonne auf seinem Grundstück haben möchte, muss offenbar aktiv widersprechen. „Dort, wo ein Nein kommt, stellen wir keine Tonne auf, dort, wo nichts zurückkommt, gehen wir von einem stillschweigenden Ja aus.“ So stehe es im Text auf den Flyern.
Der Testlauf der Firma im Kreis Böblingen neigt sich offenbar dem Ende entgegen. Von den 20 Tonnen seien noch 15 im Kreis verteilt – neun in Böblingen und sechs in Schönaich. Aus Sindelfingen etwa habe man die Tonnen schon wieder abgeholt. Das Fazit des Mitarbeiters fällt ernüchtert aus. „Die Tonne wird im Kreis nicht angenommen.“
In zwölf Monaten hätten sie beispielsweise mit neun Tonnen in Summe nur sieben bis zehn Kilogramm Metallschrott gesammelt – und aufgrund der geringen Menge schließlich selbst nur zum Wertstoffhof gebracht.
Eine weitere Schwierigkeit: Die Mülltrennung funktioniert aus Sicht des Mitarbeiters im Kreis Böblingen nicht besonders gut. Es landeten oft Dinge in der Tonne, die dort nicht hineingehörten. Mit Blick auf den Kreis Böblingen zeigt sich der Mitarbeiter resigniert: „Das hat hier keine Zukunft.“