Müll und Unrat im Kreis Ludwigsburg Welche Kommune gilt als dreckigste im Kreis?

Müll ist ein emotionales Thema, im Kreis Ludwigsburg ist das nicht anders. Deshalb haben wir im Rahmen unseres Heimatchecks auch nach der Sauberkeit in den 39 Städten und Gemeinden gefragt. Foto: /Simon Granville

Wie bewerten die Menschen im Kreis Ludwigsburg die Sauberkeit? Die Ergebnisse unseres Heimat-Checks sind insgesamt gut, zeigen aber deutliche Unterschiede zwischen den Kommunen. Und: ein schwäbisches Kulturgut könnte in Vergessenheit geraten.

Digital Desk: Michael Bosch (mbo)

Mit der Sauberkeit ist es so eine Sache: jeder empfindet das ein bisschen anders, was als dreckig gilt ist individuell verschieden. Wenn sich jedoch Müll am Straßenrand türmt, Eimer über Tage nicht geleert werden, dann ist das zu viel.

 

Der Heimatcheck unserer Zeitung hat auch nach der Sauberkeit im Kreis Ludwigsburg gefragt. Konkret danach, wie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Sauberkeit in ihrer Gemeinde beziehungsweise Stadt beurteilen und wie gut die Müllentsorgung funktioniert. Es lässt sich konstatieren, dass die Kommunen als relativ sauber wahrgenommen werden. Viele erreichen einen Wert über sieben (Skala von 1 bis 10), keine schneidet schlechter als sechs Punkte ab.

Bietigheim-Bissingen ist spitze, Ludwigsburg landet im Mittelfeld

Ganz oben rangieren Gerlingen (7,94) und Bietigheim-Bissingen (7,91). Dass es in Gerlingen seit kurzem einen extra Müllbehälter für Pizzakartons gibt, ist eine schöne Randnotiz, vermutlich aber nicht entscheidend. Die schiere Anzahl der Eimer insgesamt – in Gerlingen gibt es im Stadtgebiet 315, in Bietigheim sogar mehr als 600 – schon eher. Außerdem betonen beide Verwaltungen die großen Anstrengungen der Bauhofmitarbeiter. In Gerlingen werden Behälter teils sogar zweimal täglich geleert, in Bietigheim ist der Aufwand zuletzt um fast 2000 Stunden auf rund 9400 Stunden im Jahr für die Müllentsorgung gestiegen.

In der Kreisstadt Ludwigsburg fällt aufgrund ihrer Größe automatisch mehr Müll an, sie schneidet mit 7,12 dennoch gut ab – auch wenn das im Kreisvergleich eher einen Platz im hinteren Mittelfeld bedeutet. Die Pressestelle weist auf die „Mängelmelder-App“ hin, mit der Verschmutzungen gemeldet werden können. Ein Brennpunkt in Sachen Vermüllung war lange Zeit der Akademiehof, der an manchen Wochenenden einem Schlachtfeld glich. Dieses Problem habe man mit der Bar „Thilda“ und regelmäßige Veranstaltungen besser im Griff.

Bahnhof, Schule, Hunde: wo ein größeres „Schmutzpotenzial“ herrührt

Dass die Größe einer Stadt mit dem Müllaufkommen zusammenhängt, darauf weist man auch in Kornwestheim (Wertung: 6,63) hin. Auch dort gab es lange einen Müll-Hotspot: den Freizeitpark. „Im Park sowie auf dem Parkplatz davor gibt es insbesondere in den Sommermonaten immer wieder extreme Verunreinigungen“, teilt die Verwaltung mit. Deshalb hat sie dort Schilder aufgestellt, die auf das Problem hinweisen.

Vom Marbacher Bahnhof, dem großen Schulzentrum und den vielen Hundehaltern rühre ein größeres „Schmutzpotenzial“ her, das es so „in anderen Kommunen“ nicht gebe, versucht die Erste Beigeordnete, Franziska Wunschik, das vergleichsweise schlechte Abschneiden (6,73) zu erklären. Die Stadtreinigung arbeite aber „sehr gewissenhaft und kontinuierlich“. In Korntal-Münchingen, das in der Kategorie „Sauberkeit“ auf dem letzten Platz landet (6,06), schätzt man die Sauberkeit immer noch „generell als gut“ ein. Die äußeren Umstände führt auch Aspergs Bürgermeister Christian Eiberger ins Feld. Seine Kommune (6,58) wird von den Bürgerinnen und Bürgern als eher „dreckig“ eingestuft. „Sobald eine Stadt dichter bebaut ist und einen Bahnhof hat, ist Müll immer ein Thema“, sagt er. Rund um Schulen, in deren Umfeld auch gefeiert werde, werde häufig Müll einfach liegen gelassen.

Werden die Menschen rücksichtsloser?

Generell teilen die Verwaltungen, die Ansicht, dass Menschen rücksichtsloser werden. „Es herrscht offenbar in Teilen der Gesellschaft die Meinung vor: ich bezahle Steuern, also kann ich machen, was ich will“, sagt Christian Eiberger. Deshalb werde Müll auch einfach mal fallen gelassen. Frei nach dem Motto: irgendjemand wird es schon wegräumen. Aus seiner Sicht hilft nur eins: die Leute direkt darauf ansprechen.

Ähnliche Zustände beklagt die Sprecherin der Stadt Bietigheim, Anette Hochmuth. Trotz der guten Bewertungen, gibt es auch dort „Müllbrennpunkte“ wie den Bürgergarten, wo vor allem an Wochenenden die Hinterlassenschaften von Feierwütigen weggeräumt werden müssen. „Das Verhalten der Menschen im öffentlichen Raum lässt leider bei einigen zu wünschen übrig“, sagt sie, „einige machen sich einen Spaß daraus, und lassen Hundekottüten irgendwo in der Landschaft gut sichtbar liegen“.

In Kornwestheim beobachten die städtischen Mitarbeiter noch ein anderes Phänomen: Es fühlen sich immer weniger Menschen für den Unrat vor der eigenen Tür verantwortlich, „Kehrwochen werden immer seltener durchgeführt“, heißt es. Offenbar stirbt ein Stück schwäbische Tradition mehr und mehr aus.

Worum es beim Heimat-Check geht

Stimmungsbild
 Der Heimat-Check unserer Zeitung in Kooperation mit dem Unternehmen Umfrageheld hat ein Stimmungsbild in allen 140 Kommunen der Kreise Esslingen, Böblingen, Ludwigsburg und Rems-Murr erhoben. Vom 10. Juni bis zum 2. Juli konnte online das Votum abgegeben werden. Insgesamt 15 120 Menschen nahmen teil. Den Anspruch, repräsentativ zu sein, erhebt der Heimat-Check ausdrücklich nicht.

Systematik
 In 14 Kategorien wurden je zwei Fragen gestellt, die auf einer Skala von 1 (schlecht) bis 10 (sehr gut) beantwortet werden konnten. Dabei ging es um die Themen Lebensqualität, Gastronomie, Immobilienmarkt, Sport und Vereine, Familienfreundlichkeit, Gesundheitsversorgung, Sauberkeit, Sicherheit, Einzelhandel, Verkehr, Nahverkehr und Radwegenetz, Seniorenfreundlichkeit, Kultur und Freizeit sowie Digitalisierung, Energie und Klima.

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