Müllabfuhr im Rems-Murr-Kreis Die Frist läuft ab: Müllmarken müssen jetzt auf die Tonnen geklebt werden

Durch den Wegfall der Müllmarken spart die AWRM ab 2027 rund 280.000 Euro jährlich. Foto: Frank Rodenhausen

Bis 26. Januar heißt es: Marke kaufen und aufkleben. Ab 2027 läuft im Rems-Murr-Kreis die Abrechnung der Müllabfuhr digital. Doch jetzt tickt noch ein letztes Mal die Klebefrist.

Rems-Murr : Frank Rodenhausen (fro)

Die Frist ist wie jedes Jahr gesetzt: Bis spätestens 26. Januar muss die neue Müllmarke gut sichtbar auf dem Tonnendeckel kleben. Wer das vergisst, wird es schnell merken, denn die Müllabfuhr lässt Tonnen ohne gültige Marke ab dann stehen. Ein roter Hinweiszettel am Griff ist das einzige Lebenszeichen der Abfallsammlung.

 

Dabei ist das Aufkleber-Ritual ein aussterbendes Relikt. 2026 ist das letzte Jahr, in dem Bürgerinnen und Bürger im Rems-Murr-Kreis Müllmarken kaufen müssen. Die Ära der bunten Klebeetiketten endet mit dem Jahreswechsel 2026/2027.

Ab 2027 zählt der Chip – Müllmarken ade

Die Zukunft der Mülltonne ist digital. Im Januar 2027 will die Abfallwirtschaft Rems-Murr (AWRM) das neue Behälteridentifikationssystem starten: Jede Tonne soll dann einen elektronischen Chip tragen, der bei der Leerung automatisch ausgelesen wird. So wird sichergestellt, dass nur korrekt registrierte und gebührenpflichtige Tonnen geleert werden.

Die Chips werden am Rand der Mülltonnen befestigt. Foto: Gottfried Stoppel

Am System selbst ändert sich hingegen wenig: Die Müllgebühr besteht auch weiterhin aus einer Grundgebühr je Haushalt und einer Leerungsgebühr je Tonne und Leerungsintervall. Neu ist jedoch, dass der gesamte Betrag künftig über den jährlichen Gebührenbescheid verrechnet wird – ganz ohne zusätzliche Marke.

Digitalisierung mit Kinderkrankheiten

Doch die Digitalisierung der Tonne ist im Rems-Murr-Kreis kein Selbstläufer. Die sogenannte „Bechippung“ der Tonnen läuft seit Februar 2025. Wenn auch mit kleineren Rückschlägen: In Plüderhausen, Urbach und Teilen von Schorndorf führte ein Softwarefehler bei rund 5500 Haushalten zu Datenverlusten. Die Chips wurden zwar montiert, konnten aber nicht korrekt im System registriert werden. Eine Nachbesserung ist im ersten Quartal dieses Jahres geplant. Die Kosten trägt der beauftragte Dienstleister.

Aktuell ist der Kreis in drei Zonen unterteilt. Im Norden ist die Bechippung bereits abgeschlossen, im Süden läuft sie noch, im Westen beginnt sie ab Februar. Bis Sommer sollen laut AWRM dann alle Tonnen im Kreis mit Transpondern versehen sein .

Warum der Aufwand? Einsparungen und Kontrolle

Laut AWRM kostet das neue System rund eine Million Euro. Doch es werde sich auszahlen. Allein durch den Wegfall der Müllmarken spart der Betrieb ab 2027 rund 280.000 Euro jährlich. Das soll mittelfristig auch den Druck auf die Abfallgebühren ein wenig dämpfen.

Bis 26. Januar muss die neue Müllmarke auf der Tonne kleben. Foto: Frank Rodenhausen

Außerdem verspricht man sich von dem Chip ein Plus an Transparenz: Jede Leerung kann so genau dokumentiert werden. Das helfe bei Reklamationen und mache Missbrauch – etwa die Nutzung fremder Tonnen – schwieriger. Auch verlorene oder gestohlene Tonnen lassen sich einfacher zurückverfolgen .

Wer trennt, spart – und zahlt weniger

Trotz aller Technik bleibt der wichtigste Hebel in der Hand der Bürgerinnen und Bürger: Müllvermeidung und richtige Trennung. Denn gerade der Restmüll ist teuer. Wer seinen Biomüll sauber trennt und Wertstoffe korrekt entsorgt, reduziert nicht nur seinen ökologischen Fußabdruck, sondern auch die Zahl der teuren Leerungen.

Mit dem neuen System wird die Mülltrennung auch kontrollierbar: Ab 2027 sind einige Müllfahrzeuge mit KI-Kameras ausgerüstet, die Störstoffe im Biomüll erkennen. Wird Plastik oder Glas entdeckt, kann die Tonne zugeordnet und zurückgewiesen werden. Die „Gelbe Karte“ folgt dann per Post .

Gebührenschock 2026 – und was danach kommt

Finanziell müssen sich die Bürger bereits in diesem Jahr auf Änderungen einstellen. Die Müllgebühren im Rems-Murr-Kreis sind deutlich angestiegen – um rund 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ein Vier-Personen-Haushalt zahlt nun im Schnitt 196 Euro jährlich. Grund sind laut Angaben der AWRM vor allem die neue CO₂-Abgabe, Rückstellungen für alte Deponien und Investitionen in digitale Infrastruktur.

Doch immerhin: Im landesweiten Vergleich bleibe der Rems-Murr-Kreis damit noch unter dem Durchschnitt. Und für 2028, wenn die Kosten wieder neu kalkuliert werden, hofft man auf eine „Seitwärtsbewegung“ – sprich: stabile Gebühren.

Letzter Aufruf zum Kleben: So kommt man an die Marke

Jetzt aber heißt es zum letzten Mal Kleben. Die Müllmarken 2026 gibt es in rund 80 Verkaufsstellen im Kreis – von der Tankstelle bis zur Schreibwarenhandlung. Eine Liste findet sich auf der AWRM-Website (www.abfallwirtschaft-rems-murr.de) oder in der Broschüre AWRM Kompakt. Bequemer geht es online: Unter awrm.de/aw24 kann man sich die Marken bestellen. Die Lieferung erfolgt laut AWRM kostenfrei per Post innerhalb von drei bis fünf Werktagen.

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