Als der Landkreis in den 1990er Jahren händeringend nach einem Platz suchte, an dem der Müll seiner Bürger entsorgt werden könnte, stieß man in einem Waldstück zwischen Backnang-Steinbach und Oppenweiler nicht nur auf ein geeignetes Areal, sondern auch auf nicht unerheblichen Protest. Die Anwohner wehrten sich heftig gegen die Deponie, von der man – nicht ganz aus der Luft gegriffen – unliebsame Nebenwirkungen wie Gestank und Verkehr befürchtete.
Werden die Bürger also verraten und buchstäblich verkauft, weil die Kommunen zum Ausgleich ihrer Lasten an den Gebühreneinnahmen beteiligt werden sollen?
Wer das behauptet, verkennt, dass sich die Voraussetzungen grundsätzlich geändert haben. Zum einen geht es bei der Deponielaufzeitverlängerung nicht mehr um die Einlagerung belasteten Restmülls, sondern um Erdaushub. Zum anderen hat eine Mülldeponie heutiger Prägung mit einem Stinkende-Berge-Szenario früherer Tage nur noch wenig gemein. Dies nicht nur, weil Wertstoffe zur Wiederverwertung aussortiert werden müssen. Auch beim Rückbau von Deponieflächen wird dem Umweltschutz ein ganz anderer Stellenwert eingeräumt. Dabei nimmt die Rücksicht auf Flora und Fauna im Auge des laienhaften Betrachters manchmal fast schon bizarre Züge an: Im Zuge der Abdichtung des bereits in früheren Zeiten untergegrabenen Restmüllerbes sind in Backnang-Steinbach etwa eigens kleine Terrassen geschaffen worden, auf denen mutmaßlich seltene Salamanderarten ihr Sonnenbad nehmen können sollen.
Auch Anlieger profitieren
Bleibt die Frage nach dem Verkehrsaufkommen. Das wird sich laut Einschätzung des Landratsamts und beauftragter Gutachter nicht wesentlich verändern. Hingegen soll nach einer vorzeitigen Laufzeitverlängerung die Annahme für Privathaushalte flüssiger und komfortabler gestaltet werden. Denn die Möglichkeit, zusätzlich anfallenden Müll bequem vor Ort loswerden zu können, ist eine Errungenschaft, die man auch im Umfeld der Anrainerkommunen längst schätzen gelernt hat.