Das Pilotprojekt Pop-up-Wertstoffhöfe in Flacht und Weissach läuft seit April. Aber können sie den Wertstoffhof ersetzen? Es gibt eine erste Zwischenbilanz – mit klarer Tendenz.

Weil der Bauhof in Flacht saniert und erweitert werden muss, musste der Wertstoffhof auf dem Gelände weichen. Mit einem Alternativstandort tat sich die Kommune jedoch schwer. Die Lösung wurden, auf Vorschlag des für die Müllbeseitigung zuständigen Abfallwirtschaftsbetriebs des Landkreises Böblingen (AWB), zwei sogenannte Pop-up-Wertstoffhöfe in Flacht und Weissach.

 

Faktisch sind das zwei Stellen in den beiden Ortsteilen, an denen der AWB zeitweise jeweils zwei mobile Container aufstellt. Einer für Papier und Pappe, ein anderer für Folien, Flaschen und andere Leichtverpackungen aus Kunststoff. Sperrmüll, Altholz oder Elektroschrott müssen die Bürger seit der Schließung des großen Wertstoffhofs wiederum für die Entsorgung nach Rutesheim bringen.

Kritische Töne zu Pop-up-Wertstoffhof

Als die Pläne bekannt wurden,kamen aus der Bürgerschaft auch kritische Töne. So betonte etwa ein Leser unserer Zeitung: „Mit Sicherheit würde sich ein geeigneter Standort für einen ‚richtigen‘ Wertstoffhof in Weissach oder Flacht finden, wenn man nur wollte und sich ernsthaft mit der Aufgabe beschäftigen würde.“

Die Gemeinde zählte in sieben Monaten „lediglich drei Beschwerden“

Nachdem die Pop-up-Wertstoffhöfe rund sieben Monate lang in Betrieb sind, zieht die Strudelbachkommune jetzt trotz des vor allem anfänglichen Gegenwinds ein positives Fazit aus der Testphase: Im Zeitraum von April bis Oktober gingen bei der Verwaltung demnach „lediglich drei Beschwerden ein“. Dabei ging es darum, dass die Container teilweise nicht zur vereinbarten Zeit bereitgestellt wurden oder überfüllt gewesen seien, so die Gemeindeverwaltung. Insgesamt werde das Pilotprojekt „seitens der Bevölkerung gut angenommen“.

Für Bürger gibt es teils kürzere Wege – und das Vorsortieren von Müll entfällt. Foto: Simon Granville

Auch der AWB rückt bei seiner Auswertung der ersten Evaluation die Vorteile der Pop-up-Wertstoffhöfe in den Fokus: Insbesondere die größere Ortsnähe der beiden Standorte seien vorteilhaft für die Nutzer. Auch dass das Vorsortieren des Mülls wegfalle, analog zur privaten Wertstofftonne, sei für die Bürger ein Vorteil.

Leichtverpackungen, Aluminium, Tetra-Paks, Plastikflaschen – all das muss im Kreis Böblingen eigentlich getrennt voneinander auf den Wertstoffhöfen in vier verschiedenen Containern entsorgt werden. In Weissach kann man sich diese Mühe derzeit sparen. Die Sortierung erfolgt hinterher durch den Abfallwirtschaftsbetrieb.

Ideale Lösung wäre „natürlich ein vollwertiger Wertstoffhof“

Zurzeit befinden sich die beiden Interims-Wertstoffhöfe an der Kelterstraße in Flacht, wo mittwochs und freitags von 15 bis 18 Uhr der Müll abgegeben werden kann, und in Weissach nahe des Bahnhofsgelände, dort samstags von 9 bis 15 Uhr.

Dass bei zwei Standorten in der Gemeinde zumindest für die Entsorgung von Papier- und Plastikmüll nun „kürzere Wege“ nötig sind, lobte bei der Vorstellung der Evaluation im Weissacher Kommunalgremium auch Andreas Pröllochs (Bürgerliste). Gleichzeitig räumte er ein, „dass alles zwei Seiten hat“. Die ideale Lösung wäre „natürlich ein vollwertiger Wertstoffhof“.

Gemeinderätin moniert, dass Mülltrennung teils nicht mehr stattfindet

Am schärfsten kritisierte die Gemeinderätin Susanne Herrmann (Unabhängige Liste) das Pilotprojekt, das noch bis April 2027 getestet werden soll: Sie habe überwiegend negative Rückmeldungen aus der Bevölkerung erhalten, sagte sie. Die Pop-up-Wertstoffhöfe seien weder „ein Erfolgsmodell noch ein Mehrwert“. Auch dass die Mülltrennung nun teilweise nicht mehr stattfinde, ist aus Sicht Herrmanns „problematisch“.

Wie der AWB mitteilt, soll im kommenden Sommer eine Bürgerbefragung zum Pilotprojekt stattfinden. Dann zeigt sich, ob das positive Zwischenfazit des Abfallwirtschaftsbetriebs Bestand hat.