Kreis Göppingen Wer weniger Müll produziert, zahlt weniger
Im Kreis Göppingen stehen Gebührensteigerung um drei Prozent innerhalb von zwei Jahren an. Doch die Kosten könnten verringert werden.
Im Kreis Göppingen stehen Gebührensteigerung um drei Prozent innerhalb von zwei Jahren an. Doch die Kosten könnten verringert werden.
Die Müllgebühren im Kreis Göppingen werden für die nächsten beiden Jahren, wenn es nach dem Vorschlag des Abfallwirtschaftsbetriebs (AWB) geht, um drei Prozent steigen. Aber es kann je nachdem auch billiger werden, erläutert AWB-Betriebsleiter Julian Kuhn. Er möchte die Möglichkeit eröffnen, die Mülltonne nur noch sechsmal im Jahr rauszustellen. Bisher gilt eine Mindestzahl von zehn Leerungen. Weil der AWB von Leuten hört: „Zehn Leerungen sind zuviel für mich“, sagt er jetzt: „Wir gehen auf sechs runter.“ Wenn nun ein Vier-Personen-Haushalt es schafft, mit sechs Leerungen im Jahr auszukommen, würde er 14 Euro gegenüber der jetzigen Gebühr sparen. Statt 166,60 Euro wären es 152,28. Würde er zehn Leerungen brauchen, wären es 5,60 Euro mehr als jetzt.
Das gilt für die Mülltonne von 60 Litern, die sich durchgesetzt habe, wie Julian Kuhn, Jürgen Koblischke und Patrick Abele sagen. Sie sehen das an den Neubürgern, die zu 80 bis 90 Prozent die 60-Liter-Mülltonne wählen. Und es gebe auch viele, die von der 120-Liter-Tonne runtergegangen sind auf die 60-Liter-Tonne. Die Tonnenleerung, also jede Leerung über die Grundgebühr hinaus, wird bei einer 60-Liter Tonne um 20 Cent teurer und kostet dann 4,98 Euro. Bei der 120-Liter-Tonne sind es 40 Cent mehr, bei 240 Litern 80 Cent, beim 1,1 Kubikmeter-Container 3,70 Euro.
Drei Prozent Steigerung über zwei Jahre: Das ist weniger als die Inflationsrate, betont AWB-Chef Kuhn. Die liege bei zwei Prozent im Jahr. Es sei auch ein guter Wert im Vergleich zum Landesdurchschnitt. In den anderen Kreisen werde allein nächstes Jahr um durchschnittlich drei Prozent erhöht.
Dieser Landesdurchschnitt liegt aktuell bei 190 Euro im Jahr, bezogen auf die Müllabfuhr für einen Vier-Personen-Haushalt, im nächsten Jahr dürfte er bei 195 Euro liegen. Im Landkreis Göppingen wären es die genannten 152,28 Euro. Wobei die AWB-Experten dazusagen: Es sei sportlich, wenn ein Vier-Personen-Haushalt mit sechs Leerungen im Jahr auskomme. Und den Landesdurchschnitt muss man auch als Annäherungswert sehen, weil die Landkreise unterschiedlich viele Mindestleerungen haben. Wollte der Landkreis noch den Tarif mit zehn Mindestleerungen, läge er bei 172,20 Euro. Dann wäre er gute 20 Euro unter dem Durchschnitt, mit den sechs Leerungen um gute 40 Euro. Wenn der Kreistag dem so zustimmt.
Warum der AWB mit drei Prozent Steigerung auf zwei Jahren auskommt: Er hat einen Überschuss von 1,7 Millionen Euro erwirtschaftet. Davon setze man je die Hälfte für 2025 und 2026 ein. Es gebe auch noch Defizite aus Vorjahren, die decke man auch ab. Es muss sich immer alles ausgleichen, der Kreis darf mit der Müllabfuhr keinen Gewinn machen. Woher der satte Überschuss rührt – es sei halt immer eine Kalkulation, sagen die AWB-Experten. „Wir haben auch schon Defizite gehabt“, sagt Julian Kuhn. Eine Erklärung lautet: Die Preise für Wertstoffe, die der AWB an den Wertstoffzentren bekommt, seien günstig. Und warum man so locker unter dem Landesdurchschnitt liegt: Jeder habe auch sein eigenes System. Der Kreis fahre gut mit seiner Fremdvergabe von Leistungen. Gut dabei sind die Landkreisbewohner bei der Mülltrennung und Müllvermeidung: Die Menge an Restmüll sinkt, sagt der AWB. In den Hausmülltonnen waren’s im Vorjahr 84 Kilogramm pro Einwohner, das sind fünf Kilo weniger als 2021. Dafür landet mehr im Biobeutel. Da nahm die Menge auf 43 Kilo pro Einwohner zu, ein Plus von drei Kilo oder insgesamt 1000 Tonnen Biomüll. Und dieses Jahr, so kann Kuhn sagen, werden es nochmal so 500 Kilogramm mehr.
Was sich ändern soll: Der AWB will nächstes Jahr zurückfahren bei den Grünmasse-Sammlungen im Landkreis. Das ist ein kleiner historischer Einschnitt. Es waren immer die fünf Sammlungen im Jahr, künftig sollen drei genügen. Damit reagiere man auf einen Rückgang, sagt Kuhn. „Die Grüngutplätze werden gut angenommen.“ Übrigens sei die Grünmasse-Abholung landesweit auch nicht so gebräuchlich.
Umgestellt werden soll das Gutschein-System für die Abgabe von zwei Wertstoffen: von Bauschutt und Altholz. Zwei Gutscheine für Bauschutt und einer für Altholz, das habe sich nicht so bewährt. Bringe einer eine Tasse mit Bauschutt zum Wertstoffhof, ist ein Gutschein schon weg. Künftig sollen die Haushalte für jede Sparte vier Gutscheine zugeschickt bekommen, da ist der Bürger dann flexibel. Die gelten dann für die gleiche Menge wie jetzt, insgesamt 40 Liter Bauschutt und 0,25 Kubikmeter Altholz.
Etwas kosten soll künftig die Sammlung von Elektro-Altgeräten, weil der Handel sie auch zurücknehme, sagt Kuhn. Die Nachfrage für die Abholung sei stark zurückgegangen. Diejenigen Bürger, die dieses Angebot in Anspruch nehmen, sollen die Transportkosten bezahlen.
Zuständig
Nimmt der wilde Müll in der Landschaft zu? Entsorgen schwarze Schafe alte Möbel und Autoreifen vermehrt im Wald? Mit dieser Sorge kann der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises wenig anfangen. Er muss wilde Müllablagerungen im Außenbereich abholen und sieht so auch, was da los ist. Über die Jahre sei es, mit gewissen Schwankungen, immer so die gleiche Menge.
Umwelt
Die Mitarbeiter des Abfallwirtschaftsbetriebs berichten von einem krassen Fall. Da sei einer mit dem Sprinter in den Wald gefahren, um einen Kühlschrank loszuwerden, und habe sich dabei die Ölwanne aufgerissen. Was auch noch Öltropfen im Erdreich verursachte.