InterviewMüllsammlung in Leinfelden-Echterdingen „Es helfen schon die kleinen Dinge“

Von Natalie Kanter 

Für den 21. September rufen junge Menschen dazu auf, in Leinfelden-Echterdingen Müll zu sammeln. Obendrein verraten sie Tipps und Tricks für einen umweltgerechten Alltag. Was treibt sie an?

So schlimm wie  hier in Stuttgart ist die Vermüllung in L.-E.  nicht. Dennoch lohnt es sich am Samstag zur Zange zu greifen, meint der Jugendgemeinderat. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
So schlimm wie hier in Stuttgart ist die Vermüllung in L.-E. nicht. Dennoch lohnt es sich am Samstag zur Zange zu greifen, meint der Jugendgemeinderat. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Leinfelden-Echterdingen - Den Dreck anderer Leute wegzuräumen, ist keine schöne Sache. Aber nötig, meint Lia Dietrich. Die 20-jährige Studentin gehört zu den Initiatoren der Stadtputzete. „Müll sammelt sich an, bis ihn jemand wegräumt“, sagt sie. Der Jugendgemeinderat ruft an diesem Samstag gemeinsam mit der Stadt zum Müllsammeln auf. Startpunkt ist der Echterdinger Westen – weil es dort kaum Mülltonnen gibt.

Frau Dietrich, der Umweltschutz ist für junge Menschen ein wichtiges Thema. Die Jugend geht auf die Straße, sie will die Welt retten. Was ist davon in Leinfelden-Echterdingen zu spüren?

Ich denke, es ist sehr viel davon zu spüren. Der Umweltschutz ist ein Thema, das die Jugend sehr beschäftigt und weiter beschäftigen wird. Wir als Jugendgemeinderat möchten den Wert des Umweltschutzes mehr in die Gesellschaft tragen. Beispielsweise durch die Stadtputzete-Aktion am Samstag. Das Tolle daran: Sie ist für alle offen, jeder kann daran teilnehmen. Wir werden auch einen Infostand zum Umweltschutz anbieten.

Warum startet die Tour gerade im Westen von Echterdingen. Ist es dort besonders schmutzig?

Ja. Zwischen dem Gymnasium PMHG und der Echterdinger Ortsmitte gibt es nur wenig Mülleimer. Die Wege dort sind teilweise sehr verdreckt. Wir haben uns erst mal auf Echterdingen beschränkt. Es ist denkbar, dass es eine ähnliche Aktion auch in anderen Stadtteilen geben wird.

Was denken Sie, wie viel Müll zusammenkommen wird?

Je mehr, umso besser: Wir wollen dort aufräumen, wo es nötig ist. Und so für mehr Lebensqualität in der Stadt sorgen.

Warum fühlen Sie sich dazu berufen, sich um den Müll anderer zu kümmern?

Wir sind die Erben dieser Stadt. Alles was wir jetzt schon tun können, um künftig bestmöglich in dieser Gesellschaft zu leben, wollen wir tun. Wir möchten ein Zeichen setzen, wahrgenommen werden und mit gutem Beispiel vorangehen. Wir setzen uns auch dafür ein, dass es mehr Mülleimer in der Stadt gibt. Die Eimer sollten kreativ und lustig gestaltet sein, damit die Leute motivierter sind, ihren Müll hineinzuwerfen. Wir wollen außerdem das Ökomobil des Landeskreises an die Schulen holen.

Denken Sie, dass die Putzete auch langfristig etwas bewirkt? Wird es künftig weniger Müll in diesem Gebiet geben?

Ich kann mir gut vorstellen, dass es einen Nutzen hat. Wir wünschen uns aber auch, dass es weitere solcher Aktionen gibt. Denn mit einem Aufräumen ist die Arbeit nicht getan.

Wie kann jeder Einzelne dazu beitragen, dass es den Planeten, auf dem wir leben, noch lange gibt?

Sich zu informieren, das ist der erste Schritt. Man muss nicht gleich komplett darauf verzichten, in den Urlaub zu fliegen. Es helfen vielmehr schon die kleinen Dinge.

Beispielsweise?

Dass man elektrische Geräte nicht auf Standby schaltet, sondern sie komplett ausschaltet, wenn man sie gerade nicht braucht. Beim Zähneputzen nicht das Wasser laufen lassen. Beim Broteschmieren mal die Butter weglassen und nur den Käse drauflegen. Denn bei der Produktion von Milchprodukten wird sehr viel CO2 ausgestoßen. Das sind kleine alltägliche Dinge, die alle auf unserer Handreichung stehen, die es am Samstag an unserem Infostand gibt.

Sie starten bald nach Thailand, machen dort ein Praktikum bei Amnesty International. Wie reisen Sie dorthin?

Ich muss leider fliegen. Nach Thailand kommt man nur schwer anders. Daher versuche ich aber, nun umso mehr auf meinen ökologischen Fußabdruck zu achten.