Münkler-Watch Linke Worthülsen und falsches Selbstlob

Der Berliner Historiker Herfried Münkler im Netz ist anonymen Anfeindungen seiner Studenten im Internet ausgesetzt. „Münkler-Watch“ rührt gleich an mehrere Ängste, analysiert Thomas Klingenmaier.

Herfried Münkler (Mitte) bei einer Veranstaltung in Stuttgart 2014 Foto: Horst Rudel
Herfried Münkler (Mitte) bei einer Veranstaltung i n Stuttgart 2014 Foto: Horst Rudel

Berlin - Auch uralte Witze können wieder aktuell werden. Zum Beispiel der vom Mann, der alle paar Schritte hüpft und mit den Armen rudert. Gefragt, was das solle, erklärt er, das vertreibe die Elefanten. Auf den Einwand, es gebe hier doch überhaupt keine Elefanten, antwortet er: „Da sehen Sie mal, wie das wirkt!“

Der betagte Gag nagelt eine Debattentechnik fest, die gerade von den Betreibern des Blogs „Münkler-Watch“ angewendet wird: das Widerlegtwerden durch andere als eigenen Erfolg zu verbuchen. Die anonymen Blogger sind links orientierte Studenten des konservativen Politikwissenschaftlers Herfried Münkler, dessen Berliner Vorlesungen ihnen sauer aufstoßen. Angetreten sind sie, um anhand „frei gewählter Versatzstücke aus der Vorlesung“ zu beweisen, dass Münkler einen „Extremismus der Mitte“ vertrete, dass er im Hörsaal manipulativ Chauvinismus, Eurozentrismus, Rassismus, Sexismus und Militarismus verbreite.

Der Fall wird bundesweit debattiert, als werde gerade ein wirkungsvoller Anschlag aufs deutsche Hochschulwesen verübt. Und das, obwohl sich die meisten Teilnehmer der Debatte einig sind, dass die anonymen Münkler-Kritiker außer K-Gruppen-Worthülsen und allerlei abstrusen Her­leitungen und Verknüpfungen nichts zu bieten haben. Beweise für ihre Anfangs­andeutungen über Münkler’sche Entgleisungen sind sie schuldig geblieben. Aus diesem Versagen basteln sie sich gerade selbst einen Verdienstorden. Münkler gebe sich nun eben Mühe, nicht in Sexismus und Rassismus zu verfallen, behaupten sie und deuten an, durch sie finde eine Denkerziehung des Professors statt: „Bei einer Bildinterpretation gelang es Herrn Münkler sogar, relativ angemessen auf die im Bild verewigten Stereotypen hinzuweisen.“

Professoren müssen sich der Kritik stellen

Dass sich Münkler selbst bei der gewiss ein wenig unangenehmen Protokolliererei aus dem Hinterhalt gegenüber der Wochenzeitung „Die Zeit“ an „hochschulpolitische Vorgänge des Jahres 1933“ erinnert fühlt, ist allerdings maßlos übertrieben. Professoren müssen sich nun mal der Kritik stellen – wenn dabei so offensichtlich auf Umwegen Argumentationen diffamiert werden sollen, denen man sich nicht gewachsen fühlt, hat der Kritisierte doch schon gewonnen.

Dass trotzdem so viele so aufgeregt reagieren, sagt also etwas über das Klima im Land aus. Das Münkler-Watchblog rührt gleich an mehrere Ängste. Erstens, dass ein geistfreier Formulierungs- und Gesinnungsterror, der manche US-Universitäten lähmt, auch bei uns mächtig werden könnte. Zweitens, dass die neue Möglichkeit netzbasierter Anprangerung eine Schmählogik in Gang setzen könnte, die bis ins Privatleben greifen möchte: Werde ich der Gedanken nicht Herr, setze ich dem Denkenden zu.

Und drittens regt sich da möglicherweise die Besorgnis, dass die Bedrohtenpose der Blogger sich negativ auswirken könnte. Die Münkler-Beobachter wollen anonym bleiben, weil sie Repressalien fürchten. Mit dieser Suggestion eines Bestrafungsapparates, vor dem man nur in den Untergrund abtauchen kann, schaden sie dem Uniklima tatsächlich. Dass Münkler in seinen Vorlesungen Seitenhiebe aufs Watch-Blog austeilt, registrieren die Blogger übrigens peinlich genau. Wenn ihm das einmal zu dumm werden sollte, werden sie sich das wohl wieder als Erfolg anrechnen.