InterviewMuggabatschr spielt Schwobarock „Mundart ist wieder marktfähig“

Von Uwe Bogen 

Bei der Stuttgartnacht am 14. Oktober tritt die neue Band Muggabatschr im StN-Stadtbüro mit Äffle & Pferdle auf. Der „Hafer- und Bananenblues“ feiert Premiere in neuer Version. Gitarrist Buddy Bosch spricht über Schwobarock und andere schwäbische Eigenarten.

Andreas Sauer alias Budy Bosch hat die schwäbische Band Muggabatschr gegründet Foto: Klaus Schnaidt
Andreas Sauer alias Budy Bosch hat die schwäbische Band Muggabatschr gegründet Foto: Klaus Schnaidt

Stuttgart -

Die schwäbischen Helden Äffle und Pferdle haben einen neuen Kumpel – die Mugga! Der erste gemeinsame Auftritt bei der Stuttgartnacht des Magazins „Lift“ rückt näher. Wir sprachen mit dem Bandleader.

Herr Bosch, das Muggaseggele ist die kleinste schwäbische Einheit. Wie kann man den ­Muggabatschr größenmäßig einordnen?
Der Muggabatschr ist ganz groß – genau das Gegenteil vom Muggaseggele. Der Muggabatschr soll ja richtig neihaua!
Darf man in Zeiten des Tierschutzes überhaupt noch auf Mugga neihaua?
Na ja, wenn man die Mugga höflich bittet, den Raum zu verlassen, bringt das selten was. Also zumindest bei mir. Ich glaube, da gibt es schlimmere Dinge, die den Mücken in der Natur mehr schaden als a Muggabatschr.
Sind wir froh, dass sich Ihr Bandname in ­Wahrheit nicht von der Mücke ableitet, ­sondern von der Mucke, der Musik.
Stimmt! Das sehe ich genauso.

„Wir wollen schwäbische Kultur am Leben erhalten“

Was ist an der schwäbischen Mucke anders als an der deutschen oder der englischsprachigen Mucke?
Die schwäbische Mucke ist von der Musik her nicht anders als deutsche oder englischsprachige Musik. Die Art der Texte, beziehungsweise diese zu schreiben, unterscheidet sich jedoch sehr, zumindest von der englischen Musik. Im Englischen ist der Text oft nicht so im Mittelpunkt wie bei schwäbischer oder auch bei der deutschen Musik. Interessanterweise sind gerade die Lieder von Wolle Kriwanek und Schwoißfuaß aber auch musikalisch sehr anspruchsvoll.
Droht der Schwobarock in Vergessenheit zu geraten?
Ich denke, bei einigen Klassikern dieser Künstler ist dies schon der Fall. Die werden leider nur noch selten gespielt. Deshalb wollen wir mit der Band diese Stückle schwäbischer Kultur am Leben erhalten.
Man kennt Sie als Mitglied des Duos Kehrwoch Mafia. Wie kam es zur neuen Band?
Bei meinen Konzerten habe ich ab und zur ein „Coverlied“ von bekannten, schwäbischen Künstlern eingebaut. Das Publikum war immer total begeistert und konnte die Texte sofort mitsingen. Sogar in Bayern oder im Badischen! Leider werden, wie gesagt, die ganzen Lieder ja kaum mehr gespielt. Da kam die Idee, eine Schwobarock-Coverband zu gründen. Da ich Kriwanek, Häberle und Schwoißfuaß auf der Bühne live erlebt habe, hatte ich in Erinnerung, dass es mir oft so ging, dass ich während den Shows auf die „Hits“ gewartet habe und die anderen Lieder im Konzert mehr oder weniger „abgewartet“ habe. Ich wollte eine Band die vom ersten bis zum letzten Lied nur die größten Hits spielt. Das haben wir jetzt mit d Muggabatschr umgesetzt.
Wie Sie sagen hat Schwobarock eine große Tradition. Ist früher mehr auf schwäbisch ­gerockt worden als heute?
Ich glaube, dass es eine Zeitlang nur ruhiger war um den Schwobarock. Aber es wird heut immer noch oder wieder viel auf schwäbisch gerockt! Bands wie Wendrsonn oder auch Gradraus sind erfolgreich unterwegs und füllen die Hallen. Insgesamt ist Mundart heute sehr marktfähig. Wer hätte vor zehn bis zehn Jahren gedacht, dass ein Andreas Gabalier mit österreichischem Dialekt den Hockenheimring füllt!?

Wer ist immer „dr Arsch“?

Was sind Ihre schwäbische Lieblingshits?
Da gibt es echt viele. „Rastamann“, „Stroßaboah“, „Schwobahymne“, „Ufo“, „Dregglachablues“ etwa – das ist alles spielen wir. Durch die Ausarbeitung des Muggabatschr-Programms sind viele Lieder, die in den Hintergrund geraten sind, wieder in mein Bewusstsein gekommen. Zum Beispiel „Nacht ohne Froga“ von Schwoißfuaß, eine Hammer-Nummer und auch der größte Hit von Köberlein.
War das nicht „Oiner isch emmer dr Arsch?“
Nein, war es nicht.
Bleiben wir trotzdem dabei. Wann waren Sie zum letzten Mal „dr Arsch“?
Täglich, seit ich verheiratet bin. Nein, das war ein Spaß. Im Job, den ich hauptberuflich mache, kommt das schon mal vor, dass ich „d Arsch“ bin. Das hab ich grad erst aktuell wieder deutlich zu spüren bekommen. Irgendwer muss halt „d Arsch“ sein.
Äffle und Pferdle sind als schwäbische ­Zeichentrickstars das Gegenteil davon. Wird das Duo jetzt zum Trio mit Ihrer Mugg?
Also Äffle und Pferdle sind mit dem Müggle schon sehr gut befreundet. Die rocken ja auch schon eine Weile zusammen im Proberaum. Die haben viel Spaß dabei. Musik verbindet. Wir sind gespannt, was daraus wird.
Am 14. Oktober ist im Stadtbüro der Stutt­garter Nachrichten und der Stuttgarter Zeitung bei der Stuttgartnacht sensationelle Welt­premiere der neuen Fassung des „Hafer- und Bananenblues“. Wie schwierig war es, diesen Ohrwurm neu aufzunehmen?
Das war tatsächlich sehr schwierig. Das ­Original aus den 1970ern ist ja ein Bigband-Arrangement. Diese in eine Bandversion umzuschreiben war eine echte Herausforderung. Unser Keyboarder Stefan Weidner hat da einen großen Anteil daran. Allerdings erfordert das auch von den Musikern Einfühlungsvermögen und auch das spielerische Können! Das haben die Buaba!
Was sind Ihre Kindheiterinnerungen an diesen Schwabenhit?
In meiner Kindheit war es so, dass ich von meinen Eltern abends oft zu hören bekam „Wenn die Werbung aus ist, gehst du ins Bett!“. Äffle und Pferdle waren da ja noch regelmäßig in der Werbung drin und es gab nur drei Fernsehprogramme. Wenn dann plötzlich der „Hafer und Bananenblues“ lief, war es besonders toll, da der zum einen länger lief als die „normalen“ Spots, aber auch weil der so „cool“ war! Am nächste Tag wurde in der Schule sogar darüber geredet! „Hast du gestern auch den Hafer und Bananenblues gehört?“
Wie weit werden Äffle und Pferdle diesmal in der SWR-1-Hitparade kommen?
Ich hoffe, dass der „Hafer- und Bananenblues“ wieder ganz weit vorne dabei ist. Er ist ja eigentlich „die wahre“ Schwabenhymne! Ich bin mal ganz mutig und sage einen Platz besser als letztes Jahr voraus – also Platz acht. Und dann geht’s gemeinsam in die Schleyerhalle – nach dem Warmup im Stadtbüro der Stuttgarter Nachrichten.
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