Mundartliche Debatte Abgeordnete wollen im Landtag mehr Dialekt sprechen

Von Arnold Rieger 

Dass der Ministerpräsident gern Schwäbisch schwätzt, ist bekannt. Der Landtag will da nicht zurückstehen und gibt mit einem überfraktionellen Antrag nun ein Bekenntnis zur Mundart ab.

Rettungsversuch für die heimische Dialekte? Foto: Landtag
Rettungsversuch für die heimische Dialekte? Foto: Landtag

Stuttgart - Baden-Württembergs Landtag will den Dialekt politisch stärken und ein Bekenntnis zu der vielfältigen Mundartlandschaft im Südwesten abgeben. Dies sieht ein Antrag vor, den nach Informationen unserer Zeitung demnächst Abgeordnete von Grünen, CDU, SPD und FDP im Parlament einbringen wollen. „Dialekt ist kulturelle Vielfalt und regionale Identität“, sagte der Grünen-Abgeordnete Markus Rösler unserer Zeitung, von dem die Initiative ausging. Leider stünden schöne Wörter wie „Breschtlingsgsälz“ (Erdbeermarmelade) oder „hälenga“ (heimlich) auf der Roten Liste.

Sein FDP-Kollege Jochen Haußmann meint, der Landtag dürfe das Thema nicht allein Ministerpräsident Winfried Kretschmann überlassen, der vor Weihnachten dazu eine wissenschaftliche Tagung veranstaltet hatte. „Uns geht es auch um eine Bestandsaufnahme, damit wir ein Gefühl dafür bekommen, wo die Mundarten gerade stehen.“

Jeder redet in seiner heimischen Mundart

Konkrete Beschlüsse seien erst einmal nicht geplant, sagt CDU-Fraktionsvize Karl-Wilhelm Röhm. „Wir wollen den Antrag aber im Plenum diskutieren, und zwar so, dass jeder Redner dies in seiner heimischen Mundart tut.“

Ob dies die ohnehin schwierige Kommunikation im Parlament (die AfD wurde nicht gefragt) verbessert, bleibt allerdings abzuwarten. „Ich weiß nicht, ob ich die Kurpfälzer überhaupt verstehe“, sagt Röhm, der von der Schwäbischen Alb stammt. Als Bildungspolitiker betrachte er den Dialekt jedoch als Bereicherung und würde sich auch vom SWR häufiger mundartlich gefärbte Beiträge wünschen. „Mir geht es nicht um ein Entweder-oder, sondern um ein Sowohl- als-auch“, sagt Rösler.

Die Geschäftsordnung spricht nicht dagegen. Sie schreibt lediglich den „freien Vortrag“ vor. Vielleicht hilft der Dialekt in diesem Sinn ja der Debattenkultur, heißt es.