Mundschutz aus Eigenproduktion Mit Nadel und Faden gegen Corona

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Nach Trigema fertigt auch das Backnanger Unternehmen Lochmann Schutzausrüstung für Helfer.

Die Verkaufsräume sind zur Näherei umorganisiert worden. Foto: Gottfried Stoppel
Die Verkaufsräume sind zur Näherei umorganisiert worden. Foto: Gottfried Stoppel

Backnang - Die Idee zu der Aktion ist Michél Lochmann bereits am vergangenen Dienstag durch den Kopf gegangen. „Am Mittwoch erfuhr ich dann, dass Wolfgang Grupp bei Trigema Mundschutz nähen lässt. Da war die Entscheidung gefallen“, sagt der Geschäftsführer der Firma Lochmann Berufsbekleidung in Backnang. Seit Montag wird nun in nahezu sämtlichen Räumen des Unternehmens auf zwei Stockwerken genäht. Unter Corona-Bedingungen: „Mit genügend Abstand zueinander. Darum muss zurzeit auch an der Eingangstür geklopft werden, wenn jemand Ware abholen will.“

Spezieller Stoff notwendig

Für verschiedenste Berufsgruppen bietet das Unternehmen Bekleidung an – auch für medizinisches und Pflegepersonal, „Wir arbeiten seit 35 Jahren im Arbeitsschutzbereich und kennen uns da aus. Die Schutzmasken, die wird normalerweise im Sortiment haben, sind auch bei uns komplett weg.“ In dieser Notsituation eine Lösung vor allem für Krankenhäuser, Pflegeheime und Physiotherapeuten zu finden, sei sein Anliegen, sagt Michél Lochmann. Auf keinen Fall seien sie für Wiederverkäufer bestimmt, welche die Schutzartikel im Internet zur Versteigerung anbieten. Er habe bereits Anrufe von solchen Leuten bekommen, sagt Lochmann einigermaßen fassungslos. „Sollte ich durch die Aktion reich werden, was ich nicht annehme, werde ich die Hälfte des Gewinns spenden“, versichert der 46-jährige Unternehmer.

Bis jetzt habe er sich erst einmal in Unkosten gestürzt, sagt er. „Wir brauchen speziellen Stoff für den Mundschutz, damit er den Anforderungen genügt. Das ist eine spezielle Mischung aus Polyester und Baumwolle. Das ist wichtig, damit man beim Tragen nicht zu sehr schwitzt und sich so der Mundschutz vollsaugt. Das wäre kontraproduktiv.“ Und er brauche eine ganze Menge von dem Stoff, den es allerdings nicht überall gibt. „Meine Mutter ist deshalb heute Morgen nach Augsburg gefahren, unser Fahrer nach Münster in Westfalen, um solchen zu holen.“

Die ganze Familie hilft

Die ganze Familie Lochmann schafft an dem Projekt. „Meine Frau Marion rechnet grad die Bestellungen ab und unser kleiner Sohn Mika hilft auch mit.“ Insgesamt arbeiten 18 Personen in der Firmenzentrale, abends kommen noch sechs Heimarbeitskräfte, um sich den Zuschnitt zu holen, den sie dann zu Hause fertignähen.

Bestellungen können über die Homepage von Lochmann Berufsbekleidung gemacht werden, ein Onlineshop ist bereits seit längerer Zeit vorhanden. Bei kleineren Mengen koste ein Mundschutz etwa zwölf Euro brutto, für Behörden oder großen Bestellmengen rund neun Euro brutto. Erste Bestellungen von Physiotherapeuten und einem Pflegeheim seien bereits eingegangen, sagt Michél Lochmann.

Wirtschaftsförderung appelliert an Betriebe

Die Wirtschaftsförderung der Stadt Winnenden appelliert derweil an Betriebe, die mit Mundschutz und Hygienehandschuhen arbeiten, aber zurzeit schließen müssen, diese zur Verfügung zu stellen. Dazu zählen Friseure, Tattoo- und Piercing-Studios, Kosmetik- oder Nagelstudios. Der Wirtschaftsförderer Timm Hettich ruft die Betriebe auf, medizinische Schutzausrüstung, die sie entbehren können, dem Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes zur Verfügung zu stellen, der die Annahme organisiert. Das DRK habe eine zentrale Telefonnummer für Rückmeldungen: 0 71 51/20 02 75.