Murrhardter Heilpraktikerin in Armenien Homöopathie im Kaukasus

Sabine Zimmermann verdient ihr Geld in Murrhardt – und arbeitet ehrenamtlich in Armenien. Foto: Gottfried Stoppel
Sabine Zimmermann verdient ihr Geld in Murrhardt – und arbeitet ehrenamtlich in Armenien. Foto: Gottfried Stoppel

Die Heilpraktikerin Sabine Zimmermann aus Murrhardt engagiert sich seit vielen Jahren in Armenien. Sie bringt die klassische Homöopathie in den Kaukasus. Zurzeit ist sie mal wieder in Armenien.

Rems-Murr/ Ludwigsburg: Martin Tschepe (art)
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Murrhardt - Zu Armenien ist sie gekommen wie die sprichwörtliche Jungfrau zum Kinde. Lange ist es her, dass sie der Anruf einer Freundin erreicht hat, der ihr Leben ziemlich verändern sollte.

Sommer 1993. Die Anruferin fragte, ob Sabine Zimmermann sie wohl begleiten würde – nach Armenien. „Nein“, lautete die vorschnelle Antwort. Nach geschätzt drei Stunden habe sie dann nochmals bei der Freundin angerufen und doch zugesagt, erzählt die Murrhardter Heilpraktikerin. Sie habe allerdings erwartet, dass sie nur assistieren solle. Die Freundin verdient ihr Geld mit Fußreflexmassagen, sie sei eine überregional angesehene Fachfrau. Und die Reisen mit ihr seien immer ein Abenteuer. Also flogen die beiden Damen in die armenische Hauptstadt Jerewan.

Sabine Zimmermann wusste beim Abflug mit der uralten Iljuschin der russischen Airline Aeroflot in Paris noch nicht, dass sie die Ärzte in der größten Klinik des bettelarmen Landes in klassischer Homöopathie fortbilden sollte, dass sie ihre Vorträge auf Englisch würde halten müssen, und dass sie in einem Haus mit Ratten und Kakerlaken nächtigen würde. Zum Glück, denn andernfalls hätte sie sich wohl kaum breitschlagen lassen mitzukommen – und sie hätte niemals das Land kennengelernt, von dem sie heute sagt: „Es ist wie Medizin, wenn ich dort bin.“ Die Menschen in Jerewan seien ihr zur Familie geworden.

Es ist ihr 41. Besuch in Armenien

Sabine Zimmermann ist jetzt 65, sie ist also eigentlich im Rentenalter. Aber ans Aufhören denke sie nicht. „Ich muss doch noch das Anfang dieses Jahres bezogene Haus abbezahlen“, erklärt sie und lacht verschmitzt. Aber auch ohne das Haus würde sie vermutlich nicht so bald kürzer treten. Die Heilpraktikerin und Homöopathin hat ein paar tausend Patienten, sie kämen mitunter von sehr weit her angereist, um sich in Murrhardt behandeln zu lassen, „manche sogar aus dem Elsass“.

Dieser Tage indes ist sie selbst mal wieder weit weg. Es ist ihr 41. Besuch in Armenien. Wieder unterrichtet die Murrhardterin eine Woche lang die Ärzte des schlecht ausgestatteten Großklinikums in Jerewan. Die Vorsitzende des 1995 gegründeten Hilfsvereins Nor Arew – auf deutsch Neue Sonne – sagt, sie selbst habe rund 100 000 Euro investiert, um die Homöopathie nach Armenien zu bringen. Ihr Verein sammelt Spendengelder und hat in Armenien eine Homöopathie-Schule aufgebaut, er bringt homöopathische Arzneimittel ins Land, unterstützt ein Waisenhaus. Alle paar Jahre wird in Jerewan ein Homöopathie-Kongress ausgerichtet.

„Ich sehe doch, dass es hilft.“

Sabine Zimmermann berichtet von großen Erfolgen, die mit der alternativen Medizin in Armenien erzielt würden, von Gelähmten, die sich wieder bewegen könnten, von behinderten Kindern, die sich nun ganz prächtig entwickelten. Mit den Kritikern der alternativen Behandlungsmethoden, die sagen, die Homöopathie könne wegen der geringen Dosis der Mittelchen doch gar nicht wirken, befasse sie sich nicht, erklärt die Murrhardterin auf Nachfrage. „Ich sehe doch, dass es hilft.“ Sie behandle schließlich auch Säuglinge und gelegentlich sogar Tiere – deshalb sei es Blödsinn, vom Placeboeffekt zu sprechen. In Deutschland übernähmen viele private Krankenkassen die Behandlungskosten für homöopathische Anwendungen, die meisten gesetzlichen Versicherungen nicht.

Gut eine Woche lang ist die Murrhardter Fachfrau diesmal in Jerewan, arbeitet mal wieder im Urlaub, wie immer unbezahlt. Zeit für Sightseeing nimmt sie sich vermutlich nicht. Sie habe während der 40. Gastspiele in Armenien aber schon viel gesehen in dem vom Bürgerkrieg geschundenen, uralten christlichen Land.

Ein befreundeter Kernphysiker, der Sohn eines renommierten armenischen Architekten, habe sie bei einem der Besuche mit einem klapperigen Auto von Gotteshaus zu Gotteshaus kutschiert. Die Dozentin Zimmermann bringt also nicht nur Wissen ins Land. Sie nimmt mitunter auch ganz neue Erkenntnisse mit nach Hause.




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