„Musée d’Art Moderne“ in Paris Ein Museum drängt aus dem Schatten der Konkurrenz

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Das Musée d’Art Moderne de Paris hat nach einem Jahr Umbauzeit seine Pforten wieder geöffnet. Die Verantwortlichen hoffen auf mehr Besucher. Irritierend: ein kunstvoll zersägter Porsche.

Der Raum von Raoul Dufy ist eine Erscheinung für sich. Foto: Knut/ Krohn
Der Raum von Raoul Dufy ist eine Erscheinung für sich. Foto: Knut/ Krohn

Paris - Sich diesem Museum zu nähern ist ein Genuss. Den Eiffelturm zur Rechten, die Seine zu Füßen, erhebt sich das Musée d’Art Moderne de Paris auf einer sachten Anhöhe, einige Meter über der Stadt. Das 1937 errichtete Gebäude in seiner hellen Art-Deco-Architektur selbst ist ein Teil der Geschichte der Metropole und erzählt vom avantgardistischen Paris des beginnenden Jahrhunderts.

Angesichts der Verbindung dieser atemberaubenden Kulisse mit den herausragenden Kunstwerken waren die Besucherzahlen allerdings überraschend bescheiden. Nur rund 500 000 Bewunderer moderner Kunst wurden pro Jahr gezählt. Zum Vergleich: ins Musée d’Orsay kommen über drei Millionen Menschen aus aller Welt. Der Louvre mit seinen weit über zehn Millionen Besuchern läuft natürlich außer Konkurrenz. Aus diesem Grund hatten sich die Verantwortlichen zu einem Umbau entschieden. In diesen Tagen hat das Museum nun seine Pforten für die Öffentlichkeit wieder geöffnet.

Die Geschichte der Elektrizität

Die Veränderungen an dem Gebäude sind mehr als gelungen. Der Besucher tritt nun in eine weite, lichtdurchflutete Halle, von der aus mehrere Treppen zu den unterschiedlichen Ausstellungsräumen führen. Fast magisch angezogen wird der Betrachter dabei vom Raum Raoul Dufy (1877-1953). Dort erwartet den Besucher ein unglaubliches Farbenspektakel. In dem halbrunden Saal wird auf 10 mal 62 Metern Größe die Geschichte der Elektrizität mit all seinen berühmten Vertretern dargestellt, der bezeichnende Name des 1937 entstandenen Werkes: La Fée Electricité.

Dieses Gemälde wird im Rahmen einer Dauerausstellung gezeigt, die gratis besichtigt werden kann. Daneben stehen auch Wechselausstellungen auf dem Programm. Bis Ende Februar 2020 ist eine Retrospektive des deutsch-französischen Malers Hans Hartung (1904-1989) zu sehen, der international zu einem der wichtigsten Vertreter der europäischen Informel-Bewegung gezählt wird. Die Macher im Musée d’Art Moderne de Paris wollen nach eigenen Worten dem Künstler jenen Rang einräumen, der ihm gebührt. Schließlich sei er einer der einflussreichsten Künstler im Bereich der abstrakten Kunst.

Emotionales Durcheinander in der Welt

Ebenfalls bis Ende Februar zu sehen ist eine Ausstellung mit dem Titel „You“. Darin zeigen junge, zeitgenössische Künstler mit Performances, in Skulpturen, Videos oder Installationen ihre Interpretationen angesichts des zunehmenden emotionalen Durcheinanders in der Welt. Ein kunstvoll zersägter Porsche-Sportwagen irritiert die Sehgewohnheiten ebenso wie ein von der Decke hängendes Glasperlenspiel oder eine verschlungene Fischhaut an der Wand.

Eine Besonderheit bleibt allerdings die Dauerausstellung der modernen Kunst, die auch während der Umbauarbeiten in Teilen geöffnet war. Durch die großen Fenster des Gebäudes fluten das Tageslicht in die Ausstellungsräume. Bisweilen ist der Betrachter allerdings angetan, die Kunst an den Wänden zu vergessen, denn der Blick von innen nach außen auf die Stadt ist schlicht faszinierend. Und welches Museum kann schon damit wuchern, dass es dem Betrachter ein Werk mit dem riesigen, farbenfrohen Eiffelturm von Robert Delaunays zeigen kann – mit dem Original daneben, das in seiner leichten Erhabenheit durch das Fenster schimmert.