Musberger Olympia-Blick „Da kann man schnell in einen Shitstorm geraten“

Er selbst weiß, wie es bei Olympia geht. Frank Stäbler gewann im vergangenen Jahr Bronze. Foto: Frank Wahlenmaier

Der dreifache Olympia-Teilnehmer und dreimalige Ringer-Weltmeister Frank Stäbler zu den aktuellen Winterspielen in Peking, bei denen er einem Trio speziell die Daumen drückt.

Musberg - Kein Sportler auf den Fildern hat mehr Olympia-Erfahrung als er. Dreimal hat der Ringer Frank Stäbler an Sommerspielen teilgenommen, zuletzt im vergangenen Jahr in Tokio mit dem Gewinn der Bronzemedaille als Karrierehöhepunkt. Klar, dass der Musberger auch bei der aktuellen Winterauflage mitfiebert. In unserem Interview sagt er, wem er speziell die Daumen drückt, was er vom Austragungsort Peking hält – und wie er einen Boykott empfunden hätte.

 

Herr Stäbler, inwieweit verfolgen Sie zurzeit die Winterspiele?

Zurzeit ist bei mir wie immer viel los, aber wenn ich eine freie Minute habe, schalte ich den Fernseher an. Zusätzlich lasse ich auf meinem Smartphone über die „Team Deutschland App“ den Liveticker laufen. So bleibe ich immer auf dem Laufenden.

Gibt es eine Sportart, die Sie besonders verfolgen. Und wenn ja, warum?

Ja, gibt es. Vor allem die Wettkämpfe, in denen Anna Seidel, Johannes Rydzek und Daniel Bohnacker vertreten sind, da ich sie persönlich gut kenne (Anmerkung der Redaktion: Shorttrack, Nordische Kombination uns Ski Freestyle). Auf die freue ich mich am meisten. Aber vergangenes Wochenende habe ich den Fernseher eingeschaltet und einen Snowboard-Wettkampf gesehen. Irre, was die für Tricks abliefern und wie die durch die Luft fliegen. Einfach spektakulär.

Stehen Sie derzeit in Kontakt mit den angesprochenen Athleten?

Nein, ich halte mich da bewusst zurück, weil ich ganz genau weiß, wie anstrengend das sein kann, wenn man während den Spielen jeden Tag mit etlichen Nachrichten über Social Media und Co. überflutet wird. Das Beste, was man meiner Meinung nach als Unterstützer machen kann, ist, die Sportlerinnen und Sportler in dem Zeitraum wirklich im Tunnel zu lassen. Ich habe meinen Kollegen ein paar Tage vor Abflug jeweils eine Nachricht geschrieben.

Was haben Sie ihnen mit auf den Weg gegeben?

Anna Seidel habe ich nach ihrer schweren Verletzung im vergangenen Jahr (Anmerkung der Redaktion: ein Schien- und Wadenbeinbruch) für ihre letzte Teilnahme an den Winterspielen noch einmal viel Erfolg gewünscht und ihr gesagt, dass man seinen Traum immer beschützen und dran glauben muss. Nur dann kann man ihn auch verwirklichen. Johannes Rydzek musste ich nur noch einmal in Erinnerung rufen, dass er mit seinen vier Medaillen bei den vergangenen drei Winterspielen eigentlich schon alles erreicht hat, was man als Weltklasse-Athlet erreichen kann. Alles was danach kommt, ist ein Bonus. Quasi die Piemont-Kirsche auf dem Sahnehäubchen.

Der Austragungsort Peking ist ja heftig umstritten, unter anderem wegen der Menschenrechtsverletzungen in China. Wie ist Ihre Einschätzung dazu, dass die Spiele dort stattfinden?

Da ich ja jetzt quasi Olympionik im Ruhestand bin, kann ich da schon etwas lauter werden und sagen, dass das absolut verrückt ist, dass man die Spiele in einem Land wie China stattfinden lässt. Zumal auch der chinesische Präsident Xi Jinping vor Beginn betonte, dass jegliche Art von politischem Protest seitens der Athletinnen und Athleten bestraft wird. Auf der anderen Seite bin ich der Meinung, dass es nicht die Aufgabe eines aktiven Sportlers ist, sich bei so einem Event politisch zu positionieren. Man will ja seine Leistung abrufen, also ist man sehr auf sich fokussiert, und bei Statements dieser Art kann man auch ganz schnell in einen Shitstorm geraten. Das kann einen ablenken und der Karriere schaden.

Hätte ein Boykott Ihrer Meinung nach was gebracht?

Um ehrlich zu sein, nein. Wenn einzelne Sportler der Veranstaltung fern bleiben, bringt das gar nichts. Bei einem Boykott müssten wenn dann alle, besonders die großen Nationen, die mehr als 80 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer stellen, mitmachen. Aber die Situation in China ist ein zu großes und mächtiges Politikum, als das ein paar wenige da eine Änderung erzielen würden.

Sie selbst sind an diesem Samstag sportlich wieder im Einsatz, mit ihrem aktuellen Verein Red Devils Heilbronn im Halbfinale der deutschen Mannschaftsmeisterschaft gegen Burghausen. Der Hinkampf ging mit 9:17 verloren. War’s das schon. . .?

Meine Karriere hat mich vor allem eins gelehrt: Erst wenn der letzte Gong ertönt, ist auch wirklich Schluss. Für den Samstag ist diese mentale Einstellung besonders wichtig und entscheidend. Wir sind bereit, noch einmal alles reinzuschmeißen und volles Risiko zu gehen. Dass das auch nach hinten losgehen kann, ist uns bewusst, aber das ist nun mal unser Schlachtplan.

Nach dieser Saison beenden Sie Ihre Karriere. Es könnte also Ihr letzter Kampf als Profiringer sein. . .

Ja, das stimmt. Klar ist: ich selbst habe in den vergangenen fünfeinhalb in der Bundesliga keinen einzigen Kampf verloren. Und ich habe auch nicht vor, mit einer Niederlage abzutreten.

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