Museum am Löwentor in Stuttgart Warum Urzeitelefanten durch die Luft fliegen

Von Katrin Maier-Sohn 

Ob Urzeithai oder Elefant mit vier Stoßzähnen, im Naturkunde Museum am Löwentor sollen realistische Modelle das Leben von damals greifbarer machen.

Das Modell eines Urzeitelefanten wird mit einem Kran platziert.Foto: Lichtgut/Max Kovalenko Foto:   7 Bilder
Das Modell eines Urzeitelefanten wird mit einem Kran platziert. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Beim Spaziergang durch den Rosensteinpark hat sich dem einen oder anderen Fußgänger am Montagmorgen ein verwirrender Anblick geboten: Zwei lebensgroße Elefanten schwebten durch die Luft, drei Meter hohe und fünf Meter lange Kolosse, ausgestattet mit gleich vier anstatt den üblichen zwei Stoßzähnen und dazu noch in angriffslustiger Kampfhaltung. Bei genauerer Betrachtung entpuppten sich die Flugelefanten jedoch als künstliche Modelle, die mit Hilfe eines Krans durch die Luft befördert wurden.

Die zwei Urzeit-Modellelefanten am Museumsteich gehören ab sofort zur Sammlung des Naturkundemuseums am Löwentor. Aufgrund ihres großen Gewichts von 600 Kilogramm musste ein Schwerlastkran die beiden grauen Riesen über den Teich an der rechten Seite des Museumsgebäudes durch die Luft heben und vor den Fenstern, am Ufer des Teichs, platzieren.

Meteoriteneinschlag schuf Lebensraum

Die sogenannten Gomphotherien waren Urzeitelefanten mit vier Stoßzähnen, die lange vor den heutigen Elefanten lebten. Ihr Lebensraum war in Nordamerika, Asien und Europa – so auch im gesamten heutigen Baden-Württemberg. Die Knochenfunde des Naturkundemuseums, an die die Modelle angelehnt sind, stammen aus dem heutigen Steinheim am Albuch. Dort war vor rund 15 Millionen Jahren ein Meteorit eingeschlagen, der das Steinheimer Becken zurückließ. Dieses Becken füllte sich zunächst mit Wasser und bot den damaligen Lebewesen eine fruchtbare Flora und Fauna und ein mildes Klima.

Der Fund aus Steinheim umfasst unter anderem Stoßzähne und ein Gebiss, die 1883 in Steinheim entdeckt wurden. „Wir wollen hier ein realistisches Szenario darstellen“, sagt Michael Rasser, der verantwortlich ist für die Konzeption der Ausstellung. „Die Modelle stellen zwei männliche Urzeitelefanten dar, die in der Paarungszeit miteinander kämpfen.“ Die über 100 000 Euro teuren Urzeitelefanten werden Teil des Ausstellungsbereichs „Tertiär – die Zeit nach den Dinosauriern“ sein, die momentan erneuert wird. Diese Zeit liegt zwischen der Kreidezeit und der Eiszeit und ging von 66 Millionen bis 2,6 Millionen Jahre vor heute. Neben den Urzeitelefanten werden zukünftig Modelle von Vampirhirschen, Urzeitpferdchen und einem Bärenhund ausgestellt sein. Neben den beiden Dickhäutern am Museumsteich werden vor allem die realistischen Nachbildungen eines Triceratops und eines Megalodon Besuchermagnete für Groß und Klein sein.

Haizähne aus dem Drucker

Der Megalodon war ein Urzeithai, der dem heutigen weißen Hai ähnlich sieht. Während die beiden Urzeitelefanten von dem Modellbauer Ramon López in Barcelona gestaltet und von dort angeliefert wurden, werden die meisten anderen Modelle im Naturkundemuseum selbst gebaut. „Wir haben Funde echter Megalodon-Zähne, anhand derer wir die Größe des damaligen Hais berechnet haben“, berichtet der Präparator Norbert Adorf. Ungefähr ein Jahr hat er an der Nachbildung des Riesenhais gearbeitet, diesen modelliert und bemalt. „Der Hai war damals vermutlich zwölf Meter lang.“ Das wäre zu groß für die Ausstellungsräume des Museums, daher baute Adorf nur den Kopf des Tieres nach.

Neue Ausstellungsfläche

Aktuell modelliert er einen sterbenden Triceratops, einen Dinosaurier, der am Ende der Kreidezeit ausstarb. „Das Modell soll das Ende der Dinosaurier und den Anfang des Tertiärs symbolisieren“, erklärt Adorf. Sobald er den Dino mit Modelliermasse vorgeformt hat, wird dieser ausgegossen und abschließend gestaltet.

In den vergangenen zehn Jahren erneuerte das Museum am Löwentor nach und nach die verschiedenen Bereiche. Aktuell wird der Tertiär-Ausstellungsbereich auf der Grundlage von Fossilienfunden aus dem Steinheimer Becken rekonstruiert und soll ab Donnerstag, 22. Oktober 2020, wieder für Besucher offen stehen.

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