Museum am Löwentor Neuer Bereich zeigt die Evolution der Säugetiere

Von Julia Schenkenhofer 

Ein neuer Ausstellungsbereich im Museum am Löwentor thematisiert das Zeitalter des Tertiär, in dem die Dinosaurier ausstarben und die Erde zum Planeten der Säugetiere wurde.

Der nachgebildete Kopf eines Urzeithais ist der Publikumsliebling im neuen Ausstellungsbereich im Museum am Löwentor. Foto: dpa/Marijan Murat
Der nachgebildete Kopf eines Urzeithais ist der Publikumsliebling im neuen Ausstellungsbereich im Museum am Löwentor. Foto: dpa/Marijan Murat

Stuttgart - Die riesige Nachbildung eines Triceratops wartet im Untergeschoss des Museums am Löwentor auf den Besucher – soweit nicht ungewöhnlich. Schließlich ist das Stuttgarter Museum für Naturkunde das drittgrößte Forschungsmuseum Deutschlands. Zwei Millionen Fossilien befinden sich in seiner Sammlung, die ständig wächst, da es in Baden-Württemberg zahlreiche Ausgrabungsstätten gibt.

Doch der Triceratops im letzten erneuerten Teil der Dauerausstellung, die diesen Mittwoch eröffnet wurde, steht nicht auf seinen Beinen und blickt den Besucher auch nicht majestätisch an, wie es die Saurier im Naturkundemuseum sonst tun. Er liegt auf dem Boden: Dieser Teil der Dauerausstellung, die seit 2007 Stück für Stück erneuert wurde „weil der Besucher immer neue Sehgewohnheiten hat und wir uns anpassen müssen“, wie Ausstellungskurator Michael Rasser erklärt, entführt den Besucher in das Tertiär, jenes Zeitalter vor 66 Millionen Jahren, in dem die Dinosaurier ausstarben.

Exponate rund um die Evolution der Säugetiere

Das Tertiär beginnt mit dem Einschlag eines Asteroiden, der Vulkanausbrüche und Klimaveränderungen auslöste. Diese weitreichenden Veränderungen führten zum größten Massenaussterben in der Geschichte dieses Planeten. Aber auch ohne Saurier hat das Tertiär einiges zu bieten. Denn „das Tertiär ist das Zeitalter der Säugetiere“, fasst Rasser zusammen.

Und so erwarten den Besucher passend zum Titel des Ausstellungsbereichs „Geboren aus der Katastrophe“ spannende Exponate rund um die Evolution der Säugetiere. „Die Ausstellung zeigt, dass Dinosaurier nicht alles sind und dass die Welt ständig im Wandel ist und ständig Neues hervorgebracht hat. Sie zeigt, wie die Evolution funktioniert und wie die Gegend hier ausgesehen hat“, erklärt der Kurator.

Ein Schwerpunkt auf der heimischen Flora und Fauna

Insgesamt hat die Neukonzeption der Ausstellungsfläche zwei Jahre gedauert. Für Rasser und sein Team war dabei die Entscheidung, „was man weglässt“, die größte Herausforderung. Schließlich gebe es hier „so viele Fundstellen, und man kann eben leider nicht alle gebührend zeigen.“

In die Ausstellung geschafft hat es am Ende beispielsweise ein riesiger Urzeitelefant und ein Urzeitpferd, das gerade mal so groß ist wie ein Hund und das die Evolution der Säugetiere veranschaulicht. Ein weiterer Schwerpunkt ist die heimische Flora und Fauna, inklusive weißer Flamingos, Kolibris und tropischer Wälder, deren Überreste alle hier in Baden-Württemberg gefunden wurden.

Den Kopf eines Urzeithais lieben die Besucher besonders

Auch die zahlreichen bedeutenden neuen Lebensräume, die im Tertiär entstehen, werden in der Ausstellung dokumentiert. Beispielsweise das Steinheimer Becken, an dessen Modell gerade ein Bärenhund ein Hirschferkel jagt. Oder der Oberrheingraben, in dem Wasserschildkröten durch die tropische Landschaft streifen und eine Hyäne auf Beutezug geht – wie ein Film zeigt.

Besonders viele Besucher zieht die Nachbildung des Kopfes eines im Laufe des Tertiärs ausgestorbenen Megalodon an – einem Urzeithai, der bis zu 15 Meter lang wurde und in Oberschwaben zuhause war. Insgesamt habe man hier in der Region 44 Haifischarten nachweisen können – so Rasser. Aber auch diese Giganten mussten irgendwann für eine neue Spezies Platz machen.

Das Highlight von Kurator Rasser ist aber nicht der große Haikopf, sondern ein viel kleineres Exponat: „Mein Lieblingsexponat ist die Schneckenevolution. Das ist Evolution zum Anfassen, das hat man weltweit nur hier.“ Dennoch räumt er ein, dass die meisten Besucher die großen Exponate anziehender finden. Deshalb setzt die Ausstellung auf eine Mischung aus kleinen und großen Exponaten, um so jeden Besucher in die Welt des Tertiärs zu entführen, die schließlich mit dem Beginn des Eiszeitalters vor 2,6 Millionen Jahren ihr Ende fand.




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