Museum Hegel-Haus in Stuttgart eröffnet Kleines Haus für großes Werk

Neue Konzeption, neuer Auftritt  – und hoffentlich viele neue Besucher: Das Hegel-Haus erstrahlt in neuem Glanz. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski 4 Bilder
Neue Konzeption, neuer Auftritt – und hoffentlich viele neue Besucher: Das Hegel-Haus erstrahlt in neuem Glanz. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die Stadt Stuttgart schenkt dem Philosophen Hegel an seinem 250. Geburtstag ein neu gestaltetes Museum, das alle Besucher ansprechen will – auch die, die bisher keinen Zugang zu Hegel haben.

Stuttgart - Kulturbürgermeister Fabian Meyer bringt es in seiner Eröffnungsrede auf den Punkt: „Es ist ein kleines Haus für ein großes Werk.“ Doch für ein mit einer echten Schleife umwickeltes Geburtstagsgeschenk ist das Hegel-Haus in der Eberhardtstraße 53 dann doch ziemlich groß. Weshalb auch das rote Geschenkbändchen, das Museumsleiterin Christiane Sutter am Donnerstagvormittag kurz nach 10 Uhr zerschneiden muss, um das Geschenk symbolisch auszupacken, eher die Maße einer veritablen Stoffbahn hat. Es braucht einige Scherenschnitte, bis das Band zerschnitten und das neu konzipierte und sanierte Museum Hegel-Haus nach mehrmonatiger Schließung offiziell wiedereröffnet ist. „Ein Geschenk der Stadt Stuttgart für Georg Wilhelm Friedrich Hegel“, ruft Christiane Sutter noch ins Mikrofon. Weil das allerdings nur der Übertragung der Veranstaltung ins Internet dient, geht das Gesagte vor der Pforte des Museums an diesem Morgen im tobenden Baulärm rund um das Hegel-Haus weitgehend unter.

Doch das macht nichts: Die vereinzelten Besucher, die sich das Ereignis am Tag von Hegels 250. Geburtstag nicht entgehen lassen wollten, darunter auch Alt-OB Wolfgang Schuster, bejubelten die Eröffnung auch so nach Kräften. Vermutlich hätte sich auch der berühmte Philosoph darüber gefreut, dass seine Geburtsstadt ihm anlässlich seines Ehrentages ein solch üppiges Geschenk macht. Rund 900 000 Euro hat es sich die Stadt kosten lassen, Hegels Geburtshaus, das zugleich eines der ältestes bestehenden Wohnhäuser Stuttgarts (16. Jahrhundert) ist, zu sanieren und das darin seit 1991 bestehende Museum völlig neu zu gestalten.

„Hegel für Anfänger“ – ein museumspädagogischer Aspekt

Ex-Oberbürgermeister Schuster zeigte sich darüber in höchstem Maße erfreut: Schon als Büroleiter seines Vorgängers Manfred Rommel sei er Anfang der 80er Jahre mit der Frage befasst gewesen, was mit dem damals baufälligen Hegel-Geburtshaus geschehen könnte. „Ich erinnere mich gut, dass schon zu dieser Zeit oft Besucher aus Russland und China nach Stuttgart kamen und nach Hegel und seinem Geburtshaus fragten“, erinnert sich Schuster. Dass jetzt die museumspädagogischen Aspekte des Museums „im Sinne von ‚Hegel für Anfänger‘, neu gedacht werden“, findet er „absolut richtig“.

Was auch die Museumsleiterin bei ihrer anschließenden kurzen Rede im Untergeschoss des Hauses unterstreicht: „Uns war wichtig, alle Museumsbesucher willkommen zu heißen“, sagte Christiane Sutter. Das neue Museum, es will den Autor von so komplexen Werken wie der „Phänomenologie des Geistes“ vor allem Hegel-Unkundigen zugänglich machen. Vermutlich ist das schon deshalb ein kluger Schachzug, weil sich dazu die überwiegende Mehrheit der künftigen Besucher zählen dürfte. Es sei „sehr gut gelungen“, betonte Kulturbürgermeister Mayer, die beiden Gegensätzlichkeiten in Übereinstimmung zu bringen, „ein kleines Haus für ein wirklich großes Werk“ zu konzeptionieren.

Begrenzte Besucherzahl in Corona-Zeiten

Die Stunde der Eröffnung nutzten einige Interessierte, um einen ersten Blick in das neue Hegel-Museum zu werfen. Coronabedingt ist die Zahl der Museumsbesucher begrenzt, weshalb der kostenlose Gang durch die Multimediaschau „Hegel für Anfänger“ im Erdgeschoss und die Dauerausstellung im 1. Obergeschoss nur nach einer vorherigen Online-Anmeldung erfolgen kann.

In den Escape-Room, in dem im 2. OG Hegels Kopfnüsse ganz im Wortsinn geknackt werden müssen, wagte sich an diesem ersten Museumsvormittag aber noch niemand.

Festwochen im Hegel-Haus

Von 28. August bis 10. September feiert man im Museum Hegel-Haus mit einigen „Festwochen“ den 250. Geburtstag des Philosophen. An diesem Freitag ist um 19 Uhr eine Sonderführung zum Thema „Hegel & Wein“. An verschiedenen Tagen erzählt die Schauspielerin Eunike Engelkind „Stuttgart-Geschichten aus der Zeit des jungen Hegel“. Am 10. September beschließt ein Festakt die Feierlichkeiten.

Alle Infos gibt es hier.




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