Museum in Herrenberg Ist Fruchtkasten-Konzept finanzierbar?
Herrenberg macht jetzt das Konzept für den Fruchtkasten öffentlich: Ein Museum für Stadtgeschichte.
Herrenberg macht jetzt das Konzept für den Fruchtkasten öffentlich: Ein Museum für Stadtgeschichte.
Der sanierte Fruchtkasten soll das neue kulturelle Zentrum in Herrenberg werden und in einem Jahr seine Türen öffnen – und zwar nach dem Willen der Verwaltung an sechs Tagen in der Woche. Das sieht Elena Hocke, die zukünftige Leiterin des Fruchtkastens, in ihrem Nutzer- und Betreiberkonzept vor.
Die Dauerausstellung, die sich mit den großen Themen der Stadtgeschichte beschäftigt, soll demnach sieben Euro Eintritt kosten, außer am kostenfreien Museumsmittwoch, wenn der Gemeinderat zustimmt. Für die beiden zusätzlichen Sonderausstellungen, die es laut Stadtverwaltung pro Jahr geben soll, wären elf Euro Eintritt fällig. Ein Café, die Tourist-Information, ein Regionalmarkt, ein Veranstaltungs- sowie ein Multifunktionsraum runden das bereits vor Jahren grundsätzlich beschlossene multifunktionale Angebot ab.
Bei Hockes vorgelegten Erstentwurf sei wegen der aktuell schlechten Finanzlage der Stadt verwaltungsintern der Rotstift nochmals deutlich angesetzt worden, betonte Herrenbergs Oberbürgermeister Nico Reith (parteilos) bei der jüngsten Sitzung des Verwaltungsausschusses. Daher sehe er keinen weiteres Einsparpotenzial, sagte der Rathauschef: „Der Fruchtkasten braucht am Ende Personal.“ Insgesamt 5,6 Vollzeitstellen für Museumsleiterin, ihre Stellvertretung, Mitarbeitende an der Kasse, Museumsaufsicht sowie den Hausmeister sieht das Papier vor. 97 Prozent der Bauleistungen für die grundlegende Sanierung sind vergeben, der Zeitplan für den Umbau des zweitgrößten historischen Gebäudes der Stadt (nach der Stiftskirche) steht.
Während Öffnungszeiten und Eintrittspreise keine Diskussion auslöste, offenbarte das Thema Sonderausstellungen, die oftmals eingekauft werden müssen und damit auch Geld kosten, unterschiedliche Einschätzungen im Gremium: Moritz Schuker (Grüne) hält eine solche zum Start für verzichtbar, weil das Gebäude durch die Architektur und sein Angebot „schon so ein Feuerwerk“ sei. Dagegen muss die Eröffnung für OB Reith „fulminant“ sein, inklusive entsprechender Sonderausstellung. Auch Thomas Deines (Freie Wähler) findet, dass die Fläche attraktiv und authentisch bespielt werden müsse.
Markus Speer (CDU) rückt erneut die Finanzen wegen der aktuell prekären Haushaltlage in den Mittelpunkt. Angesichts der zusätzlichen Mittel in Höhe von 633 000 Euro, die für den Betrieb ab dem Jahr 2027 jährlich benötigt werden, könne seine Fraktion „die Vorlage nicht so durchwinken“ – insbesondere, solange unklar sei, wie die Kosten gegenfinanziert werden. Den Begriff „Durchwinken“, den Speer im Nachhinein selbst als „zugespitzt“ bezeichnete, weist OB Reith vehement zurück, insbesondere vor dem Hintergrund, dass den Ratsmitgliedern das Konzept schon seit Anfang Juni bekannt ist und bereits zweimal nicht-öffentlich besprochen wurde.
Herrenbergs Finanzbürgermeister Stefan Metzing relativiert zudem den Fehlbetrag. Da der Fruchtkasten auch schon bisher im Haushalt verankert war, liege das Delta, das jetzt pro Jahr mehr gebraucht werde, bei rund 300 000 Euro. Dieses Defizit müsse, wie bei anderen Projekten auch, im Gesamthaushalt ausgeglichen werden.
Für die finale Abstimmung im Gemeinderat am kommenden Dienstag, 22. Juli, gab Nico Reith den Kommunalpolitikern mit auf den Weg, dass eine Entscheidung wichtig sei, damit Elena Hocke Klarheit bekomme, welche Rahmenbedingungen für Fruchtkasten-Betrieb nun gelten sollen.