Museumskonzept für Eiszeitkunst Hüter der Höhlenkunst begraben ihre Vorbehalte

Der 40 000 Jahre alten Elfenbeinfigur, die 1931 bei Ausgrabungen gefunden worden war, fehlte der Kopf. Den haben  Archäologen Mitte Juli bei der Vogelherd-Höhle entdeckt. Foto: dpa
Der 40 000 Jahre alten Elfenbeinfigur, die 1931 bei Ausgrabungen gefunden worden war, fehlte der Kopf. Den haben Archäologen Mitte Juli bei der Vogelherd-Höhle entdeckt. Foto: dpa

Ausstellungsmacher und Kommunen aus der Region Ostwürttemberg wollen gemeinsam eine „Marke Eiszeitkunst“ entwickeln. Dabei geht es auch um den Unesco-Weltkulturerbe-Antrag.

Politik/Baden-Württemberg: Rüdiger Bäßler (rub)
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Ulm - In Ulm haben sich am Dienstag Rathauschefs, Wissenschaftler und Politiker zu einer Art Gipfeltreffen in Sachen Eiszeitkunst versammelt. Sie einigten sich auf eine Absichtserklärung, wonach eine regionale dezentrale Museumsstruktur entwickelt werden soll – „auf gleicher Augenhöhe“, wie in dem Papier ausdrücklich festgehalten ist. Der Sitzungsleiter Hermann Strampfer (CDU), Regierungspräsident in Tübingen, freute sich: „Die Region hat zum eiszeitlichen Schulterschluss gefunden.“ Das Ziel sei jetzt, eine „Marke Eiszeitkunst“ zu entwickeln.

Davon ist die Region Ostwürttemberg mit ihren spektakulären Höhlen im Achtal und im Lonetal noch weit entfernt, obwohl Anfang Mai der Archäopark Vogelherd bei Niederstotzingen (Kreis Heidenheim) eröffnete. In Blaubeuren (Alb-Donau-Kreis) kämpft das Urgeschichtliche Museum um Mittel für eine Vergrößerung, in Schelklingen wird ein Informationszentrum beim Hohlen Fels angestrebt. Im Ulmer Museum wartet die größte bisher gefundene eiszeitliche Höhlenfigur, der Löwenmensch, auf ein angemesseneres Umfeld.

Viele Interessen, wenig Geld

Viele Interessen, wenig Geld: das hat bisher die Koexistenz der Einrichtungen nicht immer leicht gemacht. Der Aufbau eines einzigen Zentralmuseums anstatt mehrerer Einzelschauen wäre effektiver gewesen, wurde häufig kritisiert, aber das weist Hermann Strampfer zurück. Artefakte von den Fundstellen fort in die Hauptstädte zu schaffen, sei eine überkommene Methode aus der Vergangenheit. Außerdem, fügt der Regierungspräsident hinzu, sei politisch „die Situation günstig und sehr aufgeschlossen“. Aus dem Kreis Heidenheim kommt der Kultusminister Andreas Stoch (SPD), auch der aus Konstanz stammende SPD-Europaminister Peter Friedrich hat sein Interesse für die Eiszeitkunst längst deutlich gemacht. Im Boot ist ein weiterer wohlwollender Begleiter der Sache, Ingo Rust, der SPD-Staatssekretär im Wirtschafts- und Finanzministerium.

Erkannt hat diese „glückliche Fügung“, wie er selber sagt, der UImer SPD-Landtagsabgeordnete Martin Rivoir. Er sieht eine „einmalige Möglichkeit“ für ganz Baden-Württemberg, den Kulturschatz Höhlenkunst aufzupolieren. Der Regierungspräsident Strampfer betont, das Bündnis von Ulm sei „überparteilich“ und stehe allen Interessierten offen. Im Kreis der Initiatoren befindet sich auch der frühere Heidenheimer CDU-Landrat Hermann Mader, Gründer und Vorsitzender des Fördervereins Eiszeitkunst Lonetal, der schon viel Geld bei Sponsoren sammeln konnte.

Spendengelder sind gesucht

Das nun ins Auge gefasste große Marketingkonzept wird Geld kosten. Es soll von Spendern kommen und vom Land. Wenn dies gelänge, sagt Hermann Mader, könne das auch dem laufenden, von der grün-roten Landesregierung unterstützten Antrag bei der Unesco helfen. Die Fundstätten für steinzeitliche Kunst sollen in die Weltkulturerbe-Liste aufgenommen werden. Im Februar hat eine Unesco-Delegation das Achtal und das Lonetal inspiziert. Noch in diesem Jahr wird die deutsche Kultusministerkonferenz eine Vorauswahl aus 34 Vorschlägen treffen. Das Unesco-Siegel wäre für die schwäbischen Höhlenmarketingstrategen wie ein Hauptgewinn.

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