Musical Die Eltern sind nicht dabei

Filder-Zeitung: Sabine Schwieder (ssc)
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Für ihn beginnt der Auftritt an einem Abend um 17.30 Uhr, wenn er in der Maske vorbereitet wird. Da geht es erst einmal darum, seine Haare in kleinen Schnecken am Kopf zu befestigen, damit der am Hinterkopf unter der Perücke versteckte Sender auch gut hält, wenn Fabio seine Purzelbäume schlägt oder in die Luft springt. Die beiden hautfarbenen Mikrofone, die an seiner Stirn unter der Perücke hervorlugen, sind so klein, dass das Publikum sie nicht bemerkt.

Weil die Eltern bei den Vorbereitungen nicht dabei sein dürfen, begleitet Betreuerin Sevi Stojkova Fabio an diesem Freitagabend bei seinen weiteren Schritten. Sie hilft ihm ins Kostüm und passt darauf auf, dass nichts vergessen wird. „Es kommt auch schon mal vor, dass wir Betreuerinnen im zweiten Akt, wenn die Kinder nichts zu tun haben und auf den Schlussapplaus warten, Vokabeln abfragen“, beschreibt sie ihre Aufgabe.

Darsteller brauchen Bauchmuskeln

Im „Kinderzimmer“ warten die anderen Erwachsenen, die sich ebenfalls um den jungen Darsteller kümmern: Wencke Elfers, die organisatorische Leiterin, hat immer ein aufmunterndes Wort parat, und Thomas Hirschfeld, der künstlerische Leiter, macht an diesem Abend beim Warm-up im Turnsaal den Vorturner. Es wird gedehnt, gelaufen, gesprungen. Das intensive Training macht in der Woche einen großen Teil der Vorbereitungen aus: „Die Jungen brauchen ja die Bauchmuskeln“, sagt Thomas Hirschfeld. „Einmal in der Woche ein paar Übungen reicht da nicht.“

Für das Einsingen setzt sich der Dirigent des Abends, an diesem Freitag ist es Bernd Steixner, ans Klavier. „Jetzt guck traurig“, befiehlt er, und gehorsam kauert sich Fabio auf den Boden und singt „Warum, wieso“. Auch das Duett mit seinem Bühnenfreund Terk, dem wilden und lustigen Affenfreund, wird noch einmal geprobt – und man merkt den beiden an, dass sie nach etlichen Aufführungen ein eingespieltes Team sind.

Eine zweite Spielzeit wird er wohl nicht mitmachen

Jetzt erst darf Fabio in den Harness steigen, den Gurt, der ihn am Ende des Abends sicher vom Bühnenhimmel herabschweben lässt. Und dann bekommt er in der sogenannten „Schmodderbox“ sein Body-Make-up: eine geräumige Kabine, in der zwei Frauen den jungen Darsteller von oben bis unten mit brauner Farbe bemalen. Noch grüne Streifen dazu, fertig ist der Tarzan. In einer anderen Box wird die Farbe schließlich mit braunem Puder fixiert, zwei Techniker überprüfen die Sicherheit des Gurtes – und dann dauert es nicht mehr lange bis zur Aufführung.

„Wenn man erst auf der Bühne ist, geht das Lampenfieber sofort weg“, sagt Fabio, „es ist ein tolles Gefühl, zu wissen, dass man es geschafft hat. Und man freut sich gleich auf die nächste Show.“ Eine zweite Spielzeit wird er wohl noch mitmachen dürfen, eine oder manchmal zwei Vorstellungen in der Woche. Doch wenn der zierliche Junge zu schnell wächst, dann ist vorzeitig Schluss. „Ich werde das tierisch vermissen“, sagt der 13-Jährige und nimmt sich fest vor, das hier Erlebte später zu seinem Beruf zu machen. „Und das wird er auch schaffen“, da sind sich seine Betreuer einig.

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