Musiforum Ruhr Der Stuttgarter Beethovensaal ist häufig doppelt belegt

Kultur: Susanne Benda (ben)
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Geplant wurde das Musikforum von Architekten (Bez + Kock) aus Stuttgart. Aber nicht nur deshalb ist das Haus auch für die baden-württembergische Landeshauptstadt interessant. Seitdem das fusionierte SWR-Orchester seine Arbeit aufgenommen und komplett in die Liederhalle verlegt hat, ist die Diskussion um einen neuen Konzertsaal – früher als „Schlossgartenphilharmonie“ diskutiert – wieder aufgeflammt. Von „häufigen Doppelbelegungen“ des Beethovensaals spricht Norbert Hartmann, für die Liederhalle zuständiger Abteilungsleiter der Veranstaltungsgesellschaft in.stuttgart, und er meint damit, dass morgens ein Orchester probt und abends ein anderes auftritt. Dazwischen wird auf- und wieder abgebaut, und das betrifft immer wieder auch eine komplizierte Mikrofonierung. „Wir pressen die Zitrone Beethovensaal einfach noch mehr aus“, sagt Hartmann dazu.

Klar, um den Raum konkurrieren allein im Klassik-Bereich neben dem SWR-Symphonieorchester (zwei Mal zehn Abokonzerte, vier Mittagskonzerte) die Stuttgarter Philharmoniker (18 Konzerte), das Staatsorchester (zwei mal sieben Konzerte), die Internationale Bachakademie (zwei Mal fünf Konzerte) die Gastorchester der SKS Russ (zwanzig Konzerte, hinzu kommen zehn Abende der „Meisterpianisten“-Reihe), dazu noch ein paar Veranstaltungen der Kulturgemeinschaft und des Veranstalters Stuttgart Konzert. Proben muss man noch dazurechnen. „Die buchen wir alle umeinander herum“, beschreibt Hartmann die komplizierte Erstellung des Belegungsplans; dabei sei man „darauf angewiesen, dass Orchester und Konzertagenturen flexibel sind und auch mal miteinander tauschen“. In der Regel plant die Liederhalle vier Jahre im Voraus – so wie auch die Orchester. Rock- und Popkonzerte müssen sich wegen ihrer kürzeren Planungsvorläufe notgedrungen mit den Terminen zufriedengeben, die ihnen die Klassik am Ende noch übrig lässt.

Das SWR-Symphonieorchester hat in der Liederhalle keine Heimat

Aufbauen, abbauen: Nach fast einhundert Jahren ohne eigenes Haus müssen die Bochumer Symphoniker das jetzt nicht mehr tun– eine enorme Erleichterung. Die Pulte kann man stehenlassen, die Instrumente; man braucht keine Spedition mehr zu beschäftigen, die zwischen Proben- und Konzertsaal hin- und herfährt. Das gibt Energie, Kreativität: eine Riesenchance für das ohnehin schon sehr gute Orchester, sich weiterzuentwickeln. Eine solche Chance würde man auch dem SWR-Symphonieorchester wünschen, das noch zusammenwachsen muss und dem es auch aus sozialen Gründen gut täte, wenn es eine wirkliche Heimat hätte. Die zwei neuen Aufenthaltsräume, die man jetzt in der Liederhalle für die Musiker ausgebaut hat, können eine solche nicht bieten.

Doch das Riesenprojekt der Opernhaus-Sanierung absorbiert zurzeit das Interesse und den Finanzierungswillen der Politik. Da scheint auf den ersten Blick kein Platz zu sein für eine erneute Konzertsaal-Diskussion. Dabei könnte man beides sehr gut zusammendenken, wenn es an die Planung der Interimsspielstätte für die Oper während der auf etwa fünf Jahre veranschlagten Sanierung geht. Dieses Thema steht auch bei der nächsten Sitzung des Verwaltungsrats der Staatstheater am 14. November auf der Agenda – wobei die Politiker von Stadt und Land hier immer noch ausgesprochen zögerlich agieren und die Oper wohl zunächst erst einmal bitten werden, eine Art Nutzeranforderung für eine solche Spielstätte zu erstellen. Es gibt aber auch Politiker, die sich aktiver einbringen – wie etwa Martin Körner, SPD-Fraktionschef im Stuttgarter Gemeinderat, der im Oktober das Areal zwischen dem Planetarium und der Schillerstraße ins Gespräch brachte, also einen Platz am Rande dessen, was einmal Stuttgarts Kulturquartier werden sollte, dann aber nicht so recht werden wollte – unter anderem deshalb, weil Stuttgarts damaliger Oberbürgermeister Wolfgang Schuster die 80 Millionen Euro für die Überdeckelung der Konrad-Adenauer-Straße nicht alleine tragen wollte. Schuster war es auch, der mal für die Schlossgartenphilharmonie kämpfte und sogar die Idee gut fand, auf dem Stuttgart-21-Gelände ein Musikquartier nach Art der Pariser „Cité de la musique“ zu errichten – mit mehreren Räumen und (siehe Bochum!) mit Platz für die städtische Musikschule.




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