Musiforum Ruhr Eine Interimsspielstätte der Oper ließe sich nach der Sanierung als Konzertsaal nutzen

Kultur: Susanne Benda (ben)
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Diese Diskussion ist verebbt. Wie wäre es aber jetzt, nachdem die Idee eines Zelts über dem Eckensee abgelehnt wurde, mit einer Interimsspielstätte für die Oper, die später als variabler Saal für Klassik- und Popkonzerte genutzt werden könnte? So würde die Liederhalle entlastet, und Veranstalter müssten nicht mehr befürchten, dass ihre Künstler um Stuttgart einen Bogen machen, weil ihnen hier zwischen kleinen Clubs und großen Arenen kein angemessener Saal zur Verfügung steht. Außerdem schüfe man etwas Nachhaltiges, das die Kosten für die Interimsspielstätte rechtfertigen würde. Schließlich bezogen sich die im Sanierungsgutachten veranschlagten Kosten für das Ausweichquartier von elf Millionen Euro nur auf ein Provisorium auf der sogenannten „grünen Wiese“, die es in Stuttgart nicht gibt, und bei der Umwandlung einer Bestandsimmobilie betrügen die Kosten tatsächlich mindestens das dreifache. Also etwa so viel, wie das Musikforum Ruhr kostete. Dessen Beispiel zeigt nebenbei, dass bei einem derartigen Unterfangen profilierte Stimmen helfen: So wie Steven Sloane zur Gallionsfigur des Bochumer Konzertsaals wurde, könnten und sollten es auch die fast und demnächst ganz neuen Chefdirigenten der großen Orchester in Stuttgart werden, also Dan Ettinger, Cornelius Meister, der noch zu ernennende Leiter des SWR-Symphonieorchesters und vielleicht auch noch Hans-Christoph Rademann von der Internationalen Bachakademie. Sie sind die Leucht- und Leitfiguren der Musikstadt Stuttgart.

Die müsste sich allerdings zu etwas durchringen, das ihr nicht gerade naheliegt: zu einer selbstbewussten, großen Lösung. Es muss ja nicht gleich die Elbphilharmonie sein. Ein bisschen „Mia san mia“-Mentalität aus München wäre aber auch in Schwaben nicht schlecht. Dort wird, glauben wir Mariss Jansons, dem Chefdirigenten des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks (BR), auf dem ehemaligen Pfanni-Areal am Ostbahnhof für geschätzte 200 bis 300 Millionen Euro ein„fantastischer Konzertsaal in vielversprechender Umgebung“ entstehen, der spätestens 2021 fertig sein soll: eine – so BR-Intendant Ulrich Wilhelm – „einzigartige Verbindung von Lebensqualität, wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit und kultureller Strahlkraft“. Mensch, Stuttgart: Think big!




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