„Musik am 13.“ in Stuttgart Kleines, Feines und ein Muskelspiel der Mittel

Von Susanne Benda 

Der Stuttgarter Kirchenkreiskantor Jörg-Hannes Hahn hat das Programm der Kirchenmusikreihe „Musik am 13.“ für 2019/20 vorgestellt.

Jörg-Hannes Hahn an seinem Lieblingsspielplatz in Bad Cannstatt Foto: Roberto Bulgrin
Jörg-Hannes Hahn an seinem Lieblingsspielplatz in Bad Cannstatt Foto: Roberto Bulgrin

Stuttgart - Noch ist August, und noch hat der Zyklus „Sommer! Orgel“ in der Stadtkirche nicht einmal seinen Zenit erreicht (das Finale ist am 8. September). Aber wer das Jahresprogramm der Reihe „Musik am 13.“ durchblättert, bekommt schon jetzt richtig Lust auf die kommende Konzertsaison in der Stadt- und der Lutherkirche Bad Cannstatt. Ein Abend dürfte sogar für überregionale Aufmerksamkeit sorgen: Bernd Alois Zimmermanns „Requiem für einen jungen Dichter“ ist wegen seiner Komplexität und seiner großen Besetzung nur selten zu erleben. Am 9. Februar wird der künstlerische Leiter Jörg-Hannes Hahn am Dirigentenpult drei große Chöre, die Stuttgarter Philharmoniker, zwei Sprecher, zwei Vokalsolisten und Tonbandeinspielungen koordinieren – ein Muskelspiel der Mittel, das mit einer erschütternden Friedensbitte endet.

Das restliche Programm ist breit gefächert. Nach zwei Gastkonzerten (des Ensembles Ecco la musica am 22. September und des Veranstalters Touch Point, der am 6. Oktober „Jüdische Klaviermusik des 20. Jahrhunderts“ vorstellt) machen Bachs Motetten mit dem Cantus Stuttgart am 13. Oktober den Auftakt. In einem mit Texten durchsetzten Konzert zur Pogromnacht spielt das Lotos String Quartet im November Streichquartette nach Fugen von Mozart; am Ewigkeitssonntag kombiniert Hahn Giuseppe Verdis wirkmächtiges Requiem (Bachchor Stuttgart, Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz) mit Carola Bauckholts Schlagzeug-Werk „Der aufgefaltete Raum“ (Percussion-Ensemble Stuttgart).

Ganz bescheiden: Ton Koopman kommt als Begleiter nach Stuttgart

Bachs Weihnachtsoratorium gibt es nicht nur am vierten Adventswochenende in zwei Teilen als Konzert, sondern auch als „Sing Along“-Aufführung zum Mitsingen, Silvester feiert man mit zwei Trompeten und Orgel, und der Januar beginnt leise und besinnlich mit Lautenwerken von Silvius Leopold Weiss (Andreas Martin). Am 13. Februar spannen die Sopranistin Daisy Press und das Aleph-Gitarrenquartett einen Bogen von Hildegard von Bingen ins 21. Jahrhundert (Smolka, Sánchez-Verdú). Im März stellt sich Detlef Heusingers Ensemble Experimental vor; am Karfreitag kombiniert Jörg-Hannes Hahn Bach (Kantate BWV 22) mit Händel („Der Messias“, Teile zwei und drei), im Mai singt der Bass Klaus Mertens, an Cembalo und Orgel begleitet von keinem Geringeren als Ton Koopman, Bachs Schemelli-Lieder, und nach einem Komponistenporträt von Beat Furrer und einem A-Cappella-Abend mit dem Cantus Stuttgart (Holliger, Martin, Honegger) mündet die Saison erneut ein in den Orgelzyklus, bei dem man den hierzulande kaum bekannten französischen Komponisten Jean-Louis Florentz endecken kann.

www.musik-am-13.de