Musik aus Leonberg Hier nehmen auch Weltstars auf: Tonstudio mit 10-jähriger Erfolgsgeschichte

Alexander Bay betreibt im Leonberger Ortsteil Eltingen ein Tonstudio. Die Arbeit mit bekannten Musikern und Newcomern macht ihm Freude. Foto: Simon Granville

Im Tonstudio von Alexander Bay entstehen Songs, Hörbücher und Werbesounds. Der Produzent setzt auf Qualität und Mundpropaganda – das zieht auch internationale Künstler an.

Volontäre: Jelena Maier-Kasparek (jem)

Zwei riesige Bildschirme erhellen den Raum. Vor dem Fenster stehen hölzerne Akustikelemente, davor Lautsprecher, Mikrofone und natürlich ein Mischpult.

 

In einem kleinen Raum eines Firmengebäudes im Leonberger Ortsteil Eltingen befindet sich das Tonstudio Baystudios. Dass Alexander Bay sein Studio vor fast zehn Jahren nicht in der Großstadt sondern in Leonberg eröffnete, hatte vor allem pragmatische Gründe.

Der jetzt 35-jährige Neuhausener lebte damals in Renningen – und die Miete sei in Leonberg vergleichsweise günstig gewesen.„Außerdem ist Leonberg super gelegen, weil viele Künstler aus Heilbronn, Stuttgart oder Richtung Sindelfingen kommen“, sagt Bay. Sie müssten also nicht erst durch Stuttgart fahren oder in die Innenstadt hinein.

Baystudios in Leonberg: Tonstudio wurde vom Hobby zum Beruf

Bereits mit etwa 15 Jahren kam Alexander Bay erstmals mit Musikproduktion in Berührung. Ein Freund, Benny Stöhr, inzwischen Songwriter in den Baystudios, weckte sein Interesse. Nach dem Schulabschluss eröffnete Bay ein erstes Tonstudio in Bad Cannstatt. Während seines Studiums der Audioproduktion und Tontechnik tüftelte er dort zunächst mit Freunden an eigenen Projekten. Doch bald sprach sich die Existenz des Studios herum, und die ersten Künstler wollten gegen Bezahlung aufnehmen. „Das war nie die Intention“, erinnert sich Bay. „Eigentlich war das Studio eher unser zweites Wohnzimmer als ein Arbeitsplatz.“

Doch das Geschäft lief gut. Einige Jahre später zog das Studio dann um nach Leonberg. In Eigenarbeit bauten die Kumpels den zunächst leeren Raum aus, installierten Equipment und verlegten selbst einen Teppichboden, um Kosten zu sparen.

Deutsche Künstler wie Nura und internationale Gäste wie Ryan Leslie

Seitdem haben zahlreiche Musiker bei ihm Songs produziert, vor allem aus der Hip-Hop-, der RnB- und der Popszene. „Da fühle ich mich wohl und habe ein gutes Gespür dafür“, sagt Alexander Bay.

Zu seinen regelmäßigen Kunden zählen unter anderem der Stuttgarter Rapper Remoe sowie die Sängerin und Rapperin Nura. Auch internationale Künstler finden immer wieder den Weg nach Leonberg. Im Januar nahm etwa der US-Musiker Ryan Leslie in den Baystudios auf. „Er war sehr umgänglich und hat viel selbst ausprobiert. Der kann gerne wiederkommen“, sagt Bay. Auch die Sängerin und Songwriterin Nikki Flores, die bereits für Weltstars wie Christina Aguilera geschrieben hat, war schon im Studio zu Gast.

Das Leonberger Tonstudio setzt auf Mundpropaganda statt Marketing

Der Kontakt zu den Künstlern entsteht häufig über Empfehlungen. Rund die Hälfte seiner Kunden komme durch Mundpropaganda, erzählt Bay. „Du kannst die beste Website und tolle Preise haben. Aber wenn jemand sagt: ‚Geh da nicht hin’, kommt niemand.“ Den anderen Teil der Künstler kontaktiert er selbst – unabhängig davon, wie bekannt sie sind. Am liebsten arbeitet er mit bodenständigen Leuten, die eine Vision haben, wie er sagt.

Diese zu finden, sei nicht immer ganz einfach. Gerade junge Musiker sähen das Musikmachen oft eher als Spaßprojekt. „Manche sind unpünktlich, kommen gar nicht zum Termin oder bezahlen mich nicht“, erzählt Bay. „Wenn jemand denkt, er ist Bushido und diese Allüren hat, sind wir nicht auf einem Level.“ Dann arbeite er auch nicht weiter mit diesen Künstlern.

Auf der anderen Seite gibt es viele Musiker, die immer wieder kommen. „Da geht es nicht immer nur ums Geschäftliche“, sagt Bay. Manchmal verzichte er dann auch auf seine Gage, „einfach, weil es Spaß macht“.

Leonberger Produzent zwischen Leidenschaft und Realität

Spaß ist auch das, was ihn trotz mancher Hürden antreibt. Für ihn das besonders Tolle an seinem Job ist der Fingerabdruck, den er mit seiner Arbeit hinterlässt. „Das ist, wie wenn du ein Haus baust. Noch Jahre später kannst du sagen: ‚Guck mal, das hab ich gemacht.’“ Seine Freude und sein Wissen rund ums Produzieren gibt er nebenbei in Kursen an der „Akademie der Media“ in Stuttgart an Studierende weiter. 

Überdies schneidet Bay auch zahlreiche Hörbücher, etwa von Christoph Maria Herbst. Gemeinsam mit seinem Kollegen Oliver Honigberger macht er zudem das Sounddesign, also die Tongestaltung, für Firmenwerbung, darunter bekannte wie Lindt und Smart.

Keine Sorge wegen KI – und der Traum vom Studio im eigenen Haus

Künstliche Intelligenz sieht Bay nicht als Bedrohung für seine Arbeit. „Die KI wird das nie so perfekt schaffen wie ich“, sagt er. Für ihn sei sie eher ein Hilfsmittel, das einzelne Arbeitsschritte erleichtern könne. „Aber ich mache keine Fließbandarbeit.“

Auch wenn er sich in seinem Studio wohlfühlt, hat Bay einen Traum: ein eigenes Haus mit integriertem Tonstudio. Dann würden die Stars zu ihm nach Hause kommen. Ob er das in einigen Jahren noch genauso wolle, wisse er nicht. Sicher ist aber: Von seiner Arbeit kann er leben – und auf diesen Traum hinarbeiten.

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