Musik für Biden und Harris Lady Gaga schmettert die Düsternis weg
Lady Gaga, Jennifer Lopez und Garth Brooks haben gesungen bei der von Vielfalt geprägten Amtseinführung von Joe Biden und Kamala Harris.
Lady Gaga, Jennifer Lopez und Garth Brooks haben gesungen bei der von Vielfalt geprägten Amtseinführung von Joe Biden und Kamala Harris.
Stuttgart - Lady Gaga strahlt, lacht, sprüht vor Glück, als sie am Mittwoch zur Amtseinführung von Joe Biden und Kamala Harris die amerikanische Nationalhymne intoniert. Sie tut es aus voller Brust, als könne sie die Düsternis und die Lügen, die Beklemmung und die Spaltung der vergangenen vier Jahre einfach wegschmettern. Es ist ein bewegender Auftritt der Oscar-Preisträgerin aus New York, die einen monströsen roten Reifrock trägt und ein blaues Oberteil, auf dem sie eine goldene Friedenstaube zur Schau stellt.
Musik kann Menschen rühren und aufwühlen, und sie kann sie verbinden. Das brauchen die uneinigen Staaten von Amerika jetzt, und sie haben viele Lieder, hinter denen sich Bürger aller Abstammungen und Überzeugungen versammeln können.
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Ein Medley aus Woody Guthries Evergreen „This Land is your Land“ und „America the beautiful“ trägt ganz in weiß die Sängerin und Schauspielerin Jennifer Lopez vor. Zu Beginn trällert sie lieblich vor der Kulisse des Capitols in Washington, um sich dann ebenfalls in pure Begeisterung hineinzusteigern.
Die Tochter puertoricanischer Eltern engagiert sich schon lange für die Bürgerrechte von Menschen mit lateinamerikanischen Wurzeln. In ihren Auftritt flicht sie einen gesprochenen Satz auf Spanisch ein: „Una nacíon bajo dios con libertad y justicia para todos“ – „eine Nation unter Gott mit Freiheit und Gerechtigkeit für alle“. Das hat es noch nicht gegeben bei einer Amtseinführung, die überhaupt geprägt ist von Diversität: Kamala Harris ist ja nun als erste Frau und als erster schwarzer Mensch Vizepräsidentin.
Der dritter Künstler ist ein weißer Mann: Garth Brooks schreitet die Stufen des Capitols hinab, als käme er gerade aus dem Sattel. Er setzt seinen schwarzen Cowboyhut ab und säuselt dann mit Country-Tremolo eine sanfte Version von „Amazing Grace“. Er ruft alle dazu auf, auch die Zuschauer zu Hause, die letzte Strophe des weltberühmten Kirchenliedes mitzusingen. Beim Hinauslaufen umarmt er den Altpräsidenten Barack Obama, bei dessen Amtseinführung 2009 er ebenfalls gesungen hat.
Mit Händen zu greifen ist die allgemeine Erleichterung darüber, dass die Zeit der dämonischen Demagogie überstanden ist. Die Paarung aus feierlichem Zeremoniell und großer Show, die so in keinem anderen Land der Erde vorstellbar ist, wirkt diesmal wie ein Akt der Selbstbefreiung.
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Die Symbolik des gesamten Programms steht für Wandel an diesem 20. Januar 2021 in Washington. Joe Biden hat sich als Inauguration-Song das kämpferische „We take care of our own“ („Wir kümmern uns um unsere Leute“) von Bruce Springsteen ausgesucht, Kamala Harris „Work that“ von Mary J. Blige. Die Soulsängerin ruft darin junge Frauen dazu auf, gesellschaftlichen Schönheitsdiktaten abzuschwören und sich selbst anzunehmen, wie sie sind.
„Unsere Menschen, unterschiedlich und schön“, heißt es in dem wunderbaren Gedicht „the Hill we climb“ der jungen afroamerikanischen Lyrikerin Amanda Gorman, das sie als vierte und letzte Künstlerin vor dem Capitol vortragen durfte. Bidens Amtseinführungs-Kommittee hat vorab eine Playlist mit 46 Songs für den 46. US-Präsidenten veröffentlicht, und sie steht in ihrer Buntheit und Bandbreite ebenfalls für das neue Klima der Offenheit und des Respekts, das die gesamte Zeremonie begleitet hat.
Künstler wie Dua Lipa, Vampire Weekend, SZA, Tame Imapala, Beyoncé, Steely Dan, Kendrick Lamar und Stevie Wonder sind auf dieser Playlist. Auch eine nicht-amerikanische Band hat sich darauf verirrt: Die Briten Led Zeppelin mit ihrem Song „Fool in the Rain“ von 1979. Ein Depp steht im Regen – auf wen das wohl gemünzt sein könnte?