Musik im Kreis Esslingen Warum wird die Harfe so selten gespielt?

Die Kirchheimerin Hannah Mattes lernt an der Musikschule Köngen/Wendlingen das Harfenspiel. Foto: Rainer Kellmayer

Obwohl das Instrument vielseitig ist, lernen nur relativ wenige Musikschüler Harfe. Hannah Mattes, die an der Musikschule Köngen/Wendlingen Unterricht hat, ist eine von ihnen.

Die Harfe ist ein imposantes Instrument. Nicht nur ihr gewaltiger Korpus mit einer Höhe von 1,80 Meter und einem Gewicht bis zu 42 Kilogramm ist beeindruckend. Was besonders fasziniert, ist der filigrane, silbrig-fein perlende Klang des königlichen Instruments.

 

Obwohl die Harfe vielseitig einsetzbar ist und ihren Platz neben der klassischen Musik auch in Pop, Jazz und Folklore hat, findet man an den Musikschulen relativ wenige Harfenschülerinnen und -schüler. Gegenüber 170 000 Klavierschülern und 122 000 Gitarristen nimmt sich in der Statistik des Verbands deutscher Musikschulen die Zahl von 4700 Harfenisten recht bescheiden aus. Auch beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ sind die Teilnehmerzahlen in diesem Instrumentalbereich sehr überschaubar.

Das mag an den Anschaffungskosten liegen. Eine kleine Harfe kostet um die 600 Euro, für hochwertige Doppelpedalharfen muss man schon mal 20 000 Euro und mehr hinlegen.

Oder ist der Transport des gewaltigen Instruments das Problem? „Nur bedingt, denn es gibt den „Harpo“, einen speziell entwickelten Transportwagen, der ähnlich einer Sackkarre funktioniert“, erklärt Henrietta Fryer, die an der Musikschule Köngen/Wendlingen und in Esslingen Harfe unterrichtet. Trotzdem ist ein großes Auto von Vorteil, und beim Ein- und Ausladen einer Pedalharfe müssen mindestens zwei Personen zupacken.

„Da es kleine Harfen für den Unterricht gibt, können bereits Kinder das Instrument erlernen. Deshalb ist die Nachfrage nach Harfenunterricht an den Musikschulen in den letzten Jahren gestiegen“, sagt Henrietta Fryer. Inzwischen haben nahezu alle größeren Musikschulen im Landkreis Esslingen eine Harfenklasse.

Die Harfe bietet viele klangliche Möglichkeiten

Das Instrument bietet viele klangliche Möglichkeiten, die manche Mühen vergessen lassen. „Anfangs tun nach dem Üben die Fingerkuppen weh. Doch das ist kein Problem, da sich schon bald Hornhaut bildet“, erzählt Hannah Mattes, die seit neun Jahren an der Musikschule Köngen/Wendlingen Harfe lernt und dort auch in Ensembles spielt.

An sich ist die Harfe recht pflegeleicht. Und wenn nach starker Beanspruchung durch intensives Üben mit einem lauten Knall doch mal eine Saite reißt, ist dies kein Drama: Mit Unterstützung der Lehrerin oder des Lehrers ist das Malheur schnell behoben und Ersatz aufgezogen.

Ihren angestammten Platz hat die Harfe im Sinfonieorchester. Berühmt ist das große Harfensolo in Peter Iljitsch Tschaikowskys Ballett „Der Nussknacker“. Und auch in der impressionistischen Musik übernimmt die Harfe – beispielsweise in den filigranen Kompositionen von Claude Debussy oder Maurice Ravel – mit ihrem zauberhaften Klang eine prägende Rolle.

Populär durch einen Film

Populär wurde der Harfenklang in den 1970er-Jahren durch den Visconti-Film „Tod in Venedig“. Der italienische Regisseur setzte das Adagietto aus Gustav Mahlers fünfter Sinfonie als Untermalung in einer melancholischen Filmszene ein.

Bis man diese anspruchsvolle Orchesterliteratur spielen kann, ist es freilich ein weiter Weg, der viel Übung und Ausdauer erfordert. „Wir müssen eine spezielle Handhaltung einüben, und damit wir stets die richtigen Töne treffen, schreiben wir den Fingersatz in die Noten“, erläutert Hannah Mattes. Auch das Bedienen der zwölf Pedale am Fuß der Harfe, mit denen durch eine Erhöhung um jeweils einen halben Ton die verschiedenen Tonarten eingestellt werden, will geübt sein. Hilfreich ist jedoch, dass einzelne der 47 Harfensaiten zur Orientierung für den Spieler farbig markiert sind.

Viele Musikrichtungen sind möglich

Wenn man sich mit dem Saitenspiel ausreichend beschäftigt hat, stehen viele Wege offen. Progressive und Fusion-Bands verwenden die Harfe für epische Klangfarben, und auch in der Folk- und Weltmusik spielen Harfenklänge eine wichtige Rolle. Sogar im Jazz ist das Saiteninstrument in brillanten Chorussen zu finden.

Neben berühmten Solisten der Klassikszene wie Xavier de Maistre, der das Harfenrepertoire wesentlich erweitert hat, stehen bekannte Namen der Rock-Pop-Geschichte: In der Jazz- und Fusion-Musik haben Teresa Emilia Raff, Anne Kox-Schindelin und die US-Harfenistin Bridget Kibbey besondere Akzente gesetzt.

Eine Kuriosität am Rande: 2014 hat es eine besondere Harfe in das Guinnessbuch der Rekorde geschafft: Die „Earth-Harp“. Das freischwingende Musikinstrument, bei dem der Künstler William Close über eine Skulptur gespannte Saiten mittels Luftströmungen zum Klangerlebnis macht, gilt mit einer Länge von 300 Metern als die größte Harfe der Welt.

Wissenswertes rund um die Harfe

Historie
Die Geschichte der Harfe erstreckt sich über Tausende von Jahren. Ihre Anfänge reichen zurück bis in die Antike, wo sie in den Kulturen der Sumerer, Griechen und Ägypter eine zentrale Rolle spielte. Erste archäologische Funde frühgeschichtlicher Harfen lassen sich auf das Jahr 3000 v. Chr. datieren. Diese recht kleinen Ur-Harfen, die in der Armbeuge gehalten wurden, waren bogenförmig oder dreieckig und hatten zwischen fünf und dreizehn Saiten.

Bauformen
Die griechische Harfe hatte bis zu 40 Saiten und wurde auf den Knien gespielt. Über die Jahrhunderte wurde das Instrument stetig weiterentwickelt. Die „klassische“ Konzertharfe, die noch heute in den Orchestern besetzt ist, wird seit etwa 1780 gebaut. Daneben gibt es eine Vielzahl von Harfentypen, die sich in Bauart, Mechanik und Verwendungszweck unterscheiden. In der Volksmusik eingesetzt werden die irische Harfe, Tyroler Harfen oder lateinamerikanische Instrumente wie die paraguayische Harfe.

Musik
Das Spektrum der Harfenmusik ist weit gespannt. In Georg Friedrich Händels Oratorium „Saul“ wird die Harfe zur lebendigen Erzählerin der Emotionen. Zahlreiche Komponisten – von Wolfgang Amadeus Mozart bis zu Claude Debussy – schufen Meisterwerke für das Saiteninstrument. Überdies komponierten Harfenvirtuosen wie François-Joseph Naderman brillante Werke für ihr Instrument.

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