Musik in Bietigheim-Bissingen Im ehemaligen Kino sollen die Nachfolger von Rin, Bausa und Pur proben

Boris Kolman (links) und Tufan Çenberoĝlu bauen das Kino in Bissingen um. Foto: Werner Kuhnle

Eine lebendige Musikszene soll im ehemaligen Bissinger (Kreis Ludwigsburg) Kino entstehen. Dafür bauen Boris Kolman und Tufan Çenberoĝlu es gerade um. Zu Beginn des nächsten Jahres soll dort gelehrt, geprobt und gerockt werden.

Ludwigsburg: Frank Ruppert (rup)

Camouflage, Pur, Rin und Bausa sind nur einige der Musikstars aus der Bietigheim-Bissingen. Derzeit werden 60 Jahre Musikgeschichte in der Stadt gefeiert. Vor Jahrzehnten gab es eine lebendige Musikszene, aus der heraus viele Bands entstanden. Tufan Çenberoĝlu erinnert sich noch gut an die Zeiten des Jugendhauses Farbstraße, in dem auch der heute 49-Jährige Schlagzeug spielte und in dem sich junge Musiker trafen. Çenberoĝlu, der heute Architekt und Bauleiter ist, hat sich später mit der Musikfabrik, einem Probenraum in einer ehemaligen Schreinerei selbst um die Musikszene verdient gemacht, und genau das will er jetzt auch wieder machen.

 

Mit seinem Schwager Boris Kolmann hat er das ehemalige Kino in Bissingen gekauft, das bis Ende 2022 unter dem Namen Olympia- und Paradies-Lichtspiele betrieben wurde. Die beiden bauen es gerade zu einem kleinen musikkulturellen Zentrum um, das den Namen „Zeitraum“ trägt. „Oben in der ehemaligen Wohnung sollen Räume für Musikunterricht entstehen, der große Kinosaal wird zu einem Veranstaltungsort mit Bühne und unten richten wir Probenräume für Bands ein“, erklärt Çenberoĝlu.

Es soll ein Ort entstehen, an dem junge Musiker wachsen und sich entwickeln können. So ein zentraler Ort fehle heute in der Stadt. Es gebe zwar immer noch Musikstars aus Bietigheim wie Rin und Bausa. Diese neue Generation sei aber vor allem aus eigenem Antrieb so weit gekommen.

„Wir hatten vorher schon mehrere Locations für unser Projekt im Blick, aber irgendwas hat immer nicht gepasst. Bis wir dann auf das ehemalige Kino gestoßen sind“, erzählt Kolmann. Fast 1,5 Millionen Euro kostet die beiden das Projekt, das sie auch nach dem Umbau erst einmal neben ihren Hauptberufen laufen lassen müssen. „Anders geht es bei einem solchen Kredit nicht“, sagt Kolman, der Informatiker ist.

Musiker zeigen Interessen an Räumen

Auch an der Fassade des ehemaligen Kinos wird derzeit noch gearbeitet. Foto: Werner Kuhnle

Derzeit sind die beiden mit ihrer Familie häufig im Einsatz und machen, was sie können selbst bei den Umbauarbeiten. Fast 45 Tonnen Material haben sie aus dem Gebäude mit 570 Quadratmetern Fläche schon herausgeholt und entsorgen lassen. Ober- und Untergeschoss wurden komplett entkernt. Manchmal zehre der Umbau an den Nerven, aber die Motivation ist groß. „Gerade das Feedback, das wir bislang von Musikern und Künstlern bekommen, zeigt uns, dass der Bedarf einfach da ist“, sagt Çenberoĝlu.

Sitze vom Kino bleiben erhalten

Vom Kino bleiben werden auf jeden Fall die meisten Sitze im großen Saal, weil dies sich bei einem Veranstaltungssaal anbiete. Die Bühne wird vergrößert, und die Leinwand bleibt erhalten. Der Veranstaltungssaal ist für alle Nutzungen offen. 100 bis 110 Leute sollen nach dem Umbau Platz haben, und von Magier-Shows über kleine Konzerte bis hin zu Firmenveranstaltungen sei alles möglich. Die beiden haben schon daran gedacht, selbst einmal ein Kleinkunstprogramm zu organisieren. Auch einen Verein zu gründen schließen sie nicht aus. Derzeit sind sie noch als Firma organisiert.

Anfang kommenden Jahres sollen dann die ersten Bands dort proben und die ersten Musiklehrer dort unterrichten. Mit der Musikschule der Stadt habe es bereits einen guten Austausch gegeben.

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