Musik in Esslingen Was die Gesellschaft von einem Orchester lernen kann

Die Süddeutsche Philharmonie Esslingen bei einer Probe Foto: Johannes M. Fischer

An Sonntag gibt die Süddeutsche Philharmonie Esslingen ihr Neujahrskonzert. Was ist das Geheimnis eines Ensembles, in dem Amateure und Profis gemeinsam spielen? Und weshalb sieht Dirigent Hannes Reich im Orchester die „Idealform einer Gesellschaft“?

Chefredakteur: Johannes M. Fischer (jmf)

Die Süddeutsche Philharmonie Esslingen (SPE) ist ein freies Sinfonieorchester mit mehr als 90 aktiven Mitgliedern – Studierende, Profis und Amateure. Eines haben sie alle gemeinsam: die Liebe zur Musik. Mit dem neuen Dirigenten Hannes Reich lädt das Orchester am Sonntag zum Neujahrskonzert in das Neckarforum ein.

 

Die Arbeit mit Amateurmusikern unterscheidet sich für den Dirigenten von der mit Berufsmusikern, die ständig und über eine längere Strecke gemeinsam üben. Bei einem Orchester wie der SPE gibt es hingegen nur wenige gemeinsame Proben. Das bedeutet, dass jeder Musiker seinen Part beherrschen muss. Diesen Part hat er alleine eingeübt – in der gemeinschaftlichen Probe soll es aber zusammen funktionieren. Jeder Einzelne muss sich in das Gesamtgefüge einpassen.

Erstaunlich gute Ergebnisse mit Amateuren

Dirigent Reich findet es „erstaunlich, welches musikalische Ergebnis auch Amateure erzielen können“. Dafür braucht es eine Voraussetzung: Die Musiker müssen „begeistert, musikbesessen“ sein. Nichtsdestotrotz ist ein musikalischer Leiter nicht nur derjenige, der die vielen Stimmen zu „einer Klangfarbe“ zusammenbringt. Er ist auch Motivator. In der Probe bedeutet das: „Eine gute Probe kommt mit wenig Tadel und viel Lob aus.“

In einem gut funktionierenden Orchester erkennt Hannes Reich auch etwas wie ein „Idealbild“ der Gesellschaft. „Jeder bringt individuelle Fähigkeiten in die Gemeinschaft ein und stellt sie gleichzeitig hinten an.“ Am Sonntag spielt die SPE unter anderem Werke von Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch, Ney Rosauro und Paul Dukas. Bis zum Herbst, wenn dann das nächste Konzert mit neuem Programm ansteht, wollen sich die Musiker mit großen romantischen Werken und Komponisten wie Richard Strauß beschäftigen, die in kleineren Orchestern nicht spielbar sind.

Hinter dem Orchester steckt ein Verein

Reich übernahm im Herbst des vergangenen Jahres die künstlerische Leitung und gehört wie Konzertmeister Stefan Bornscheuer zu den Profis in dem Ensemble, das neben musikbegeisterten Amateuren auch aus zahlreichen Jungmusiker und einigen Profimusikern besteht. Deshalb nennt sich das Orchester zuweilen auch halbprofessionell. Auf jeden Fall steht es für die Musikbegeisterung in der Stadt. Es ist ein Orchester mit Tradition, das es schon seit sechzig Jahren gibt. Dahinter steckt ein Verein. Von der Buchhaltung über die Organisation der Auftritte bis hin zum Arrangement der Stücke machen die Mitglieder alles selbst. Die Bandbreite der Stücke ist groß, von Barock und Klassik über Romantik bis hin zu Filmmusik der Neuzeit.

Das „Konzert zum Neuen Jahr“ findet am 29. Januar um 18 Uhr im Neckar Forum statt. Informationen über das Orchester, das Konzert und den Ticketverkauf finden sich auf der Homepage des Orchesters: www.sphil.de.

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