Musik in Wangen Tanzbare Musik aus aller Welt

Am morgigen Samstag, 19. Januar, haben die Bandmitglieder von Volxtanz Steffen Dix (rechts), Heiko Giering (links) und  Matthew Brookert einen Auftritt beim Berliner Terrabeats Festival. Foto: Martin Bernklau
Am morgigen Samstag, 19. Januar, haben die Bandmitglieder von Volxtanz Steffen Dix (rechts), Heiko Giering (links) und Matthew Brookert einen Auftritt beim Berliner Terrabeats Festival. Foto: Martin Bernklau

Die Band Volxtanz macht Balkan Brass mit Blech, Rap, Elektronik und Percussion. Die Musiker proben im einstigen Wangener Polizeirevier.

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Wangen - Sie sind vor Stuttgart 21 vom Nordbahnhof nach Wangen geflüchtet. Aber auch am neuen Probenort im alten Polizeirevier des Stadtbezirks holt das Projekt die Musiker von Volxtanz ein. Gleich hinterm Haus wird der Tunnel rüber nach Untertürkheim gegraben. Doch das stört die Bandmitglieder kaum. Die Kerntruppe von vier Mann übt für einen Auftritt am morgigen Samstag, 19. Januar, beim Berliner Terrabeats Festival.

Berlin passt gut. Das Anarcho-X im Namen kommt noch aus der dortigen Hausbesetzer-Szene, wo Hagen Ueberfuhr, der inzwischen ausgestiegene Mitgründer von Volxtanz, sich einst rumgetrieben hatte. Der andere ist mehr denn je dabei. Steffen Dix spielt Sopransaxofon, steuert Elektronik bei, komponiert die Songs zusammen mit Matthew Bookert, dem Texter, Sänger und Sousafonisten. Dix führt auch die Geschäfte, macht die Gigs aus und baut das Label Commode Records auf.

Nach dem Examen war Steffen Dix 2006 auf Reisen gegangen

Balkan Brass ist so ein Etikett. Basis ist eine von Blechbläsern dominierte Volksmusik in einem treibenden Uffta-Rhythmus, wie sie zwischen Serbien, Rumänien und Bulgarien verbreitet ist. Roma- und Klezmer-Elemente klingen an. Auch im Berlin der Neunzigerjahre entstanden, haben sich Balkan-Partys inzwischen ausgebreitet. Aber auf der Ethno-Schiene fährt Volxtanz eher in größeren Schleifen weit hinaus in die Welt und die Weltmusik.

Kristallisationspunkt der Gruppe und ihres Netzwerks war vor allem die Stuttgarter Musikhochschule. Die Musiker, inzwischen End-Zwanziger, sind fast alle Absolventen der Studienrichtung Jazz und Popularmusik. Matthew Bookert, Texaner mit deutschem Migrationshintergrund, kam als Stipendiat. Den im ligurischen Genua aufgewachsenen Peter Hinz verschlug es mit seiner Mutter, einer Romanistik-Professorin, nach Mannheim und dort zum Percussion-Studium. Er macht nebenher viel Jazz. Matthew Bookert ist Tubist bei klassischen Orchestern, und Heiko Gierings Hauptprofession ist Theatermusik. Er spielt das tiefere Altsaxofon. Zum Stamm gehört noch der Posaunist Florian Seeger. Die peruanische Sängerin und Percussionistin Debora Vilchez war beim neuen Album Frontfrau.

Nach dem Examen war Steffen Dix 2006 auf Reisen gegangen: Paris, Mexiko. „Gleich hinter der deutschen Grenze ist man näher am Balkan Brass“, scherzt er. Spanischer Flamenco, arabische, und afrikanische Elemente flossen ein, dazu Ska und Latin und ein paar Relikte von klassischem Swing und Free Jazz, als er dann Volxtanz gründete. „Aus aller Welt heißt unser Stil“, sagt er, „du kannst in dieser Besetzung alles spielen.“ Das Ziel war eine anspruchsvolle, bläserbetonte Weltmusik, die auch tanzbar ist.

Englisch, deutsch, Debora Vilchez steuerte auch Spanisches bei

Volle vier Studioalben hat Volxtanz inzwischen eingespielt. „Wir reisen ab!“ hieß das erste, noch ziemlich rockig. Unplugged war „Volxtreet“ und das jüngste, „Days EP“, ist neben dem Brass stark elektronisch geprägt. Zum Komponieren neuer Stücke ziehen sich Steffen und Matthew gerne mal für eine Woche in den Raum an der Ulmer Straße zurück. Oft gibt Steffen Dix von der Elektronik-Konsole einen Beat vor, manchmal ist eine Melodie die Keimzelle. Die Texte und Vocals – „manchmal ein bisschen versteckt versaut“, wie der Sänger und Sousafonist einräumt – verstehen die Musiker „eher wie ein Instrument, eine Message oder so was haben wir nicht“. Englisch, deutsch, Debora Vilchez steuerte auch Spanisches bei.

Für die Live-Auftritte kann Volxtanz die ganze Bandbreite zwischen hoch technisiertem Sound und fast vollständig akustischem Spiel ausschöpfen. In Berlin hoffen sie auf „eine geile Anlage“.




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