Musik Podium Stuttgart Kunst, die sich rechnet

Die Hofkapelle und der Kammerchor Stuttgart bei einem gemeinsam Beethoven-Konzert. Foto: privat
Die Hofkapelle und der Kammerchor Stuttgart bei einem gemeinsam Beethoven-Konzert. Foto: privat

Das Musik Podium Stuttgart betreut mehrere Orchester. Durch Auftritte im Ausland können sich die Ensembles finanzieren und auch in ihrer Heimatstadt glänzen.

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S-Mitte - Schönheit sei interesseloses Wohlgefallen, hat der Philosoph Immanuel Kant definiert. Um aber gesehen zu werden und zu gefallen, bedarf es vieler Hände, die Kunst in die Welt zu tragen. Das tut der rührige Dirigent Frieder Bernius, der nicht nur drei Musikensembles gegründet hat, sondern auch den Verein Musik Podium Stuttgart, dessen Aufgabe darin besteht, 40 Konzerte pro Jahr zu organisieren. Davon ein Drittel in Stuttgart, ein Drittel im übrigen Baden-Württemberg und in Deutschland sowie ein weiteres Drittel im Ausland. Außerdem organisiert der Verein alle zwei Jahre das Festival Stuttgart Barock. Unterstützt wird die Arbeit des Podiums durch den eigens gegründeten Freundeskreis, der Freunde Musik Podium Stuttgart heißt und 200 Mitglieder hat.

Das Musik Podium ist Konzertveranstalter und Konzertagentur, allerdings mit der Einschränkung, dass es nur für die Ensembles arbeitet, die Frieder Bernius im Lauf der Jahre gegründet hat und die er bis heute als Dirigent leitet. Dies sind der Kammerchor Stuttgart, das Barockorchester Stuttgart, zu dem die Hofkapelle gehört, und die Klassische Philharmonie Stuttgart. Seine Arbeit finanziert das Podium durch Fördermittel der Stadt, des Landes und durch Konzerteinnahmen. „Die Kunst besteht darin, Gastspiele und eigene Konzerte so zu gewichten, dass es sich rechnet“, sagt Bernius. Denn nur die Gastspiele im Ausland bringen Einnahmen, während die Konzert in Stuttgart Zuschussgeschäfte sind. Die Ensembles werden regelmäßig zu den bedeutendsten Festivals der Welt eingeladen und haben schon auf allen Kontinenten mit Ausnahme Afrikas gespielt.

Musikalischer Vorreiter in Stuttgart

Mit seinen Ensembles konzentriert sich Frieder Bernius vor allem auf die Musik des Barock, der Romantik und der Moderne. Mit seinem 1985 gegründeten Barockorchester Stuttgart füllte er eine Lücke im damaligen Musikbetrieb der Landeshauptstadt, der bis dahin keine historische Aufführungspraxis kannte.

Seitdem Nikolaus Harnoncout 1953 seinen concentus musicus Wien gründete, hat sich das anfangs belächelte Musizieren auf Originalinstrumenten allmählich durchgesetzt. „Für uns ist es selbstverständlich, alte Musik auf alten Instrumenten zu spielen“, sagt Bernius. „Wir versuchen herauszubekommen, wie der Klang war, von dem die Komponisten bei ihrer Arbeit ausgegangen sind, denn ein anderer Klang ist auch eine andere Voraussetzung für die Komposition. Dies zu rekonstruieren und mit dem Qualitätsanspruch von heute zu verbinden, ist unglaublich spannend.“ Die Musiker der Klassischen Philharmonie Stuttgart spielen dagegen auf modernen Instrumenten. Schließlich will sich Frieder Bernius nicht zum Spezialisten entwickeln, sondern so viele verschiedene Stile wie möglich gleichermaßen gut zur Aufführung bringen. „Ich habe es fünf mal so schwer wie ein Spezialist, weil ich mich in fünf Jahrhunderten gleich gut auskennen muss.“ Doch diese Herausforderung nimmt er gerne an. „Wer nur von Musik etwas versteht, versteht auch davon nichts“, zitiert er den Komponisten Hans Eisler, um zu ergänzen: „Wer nur einen Stil versteht, versteht auch diesen nicht.“ So viel Abwechslung hält jung. Ans Aufhören denkt Frieder Bernius, der an diesem Freitag 65 Jahre alt wird, daher noch lange nicht: „Ein Dirigent wird doch ebenso wie ein guter Wein mit dem Alter immer besser.“

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