Musik und Kirche Sophie Pope verabschiedet sich als Dirigentin des Posaunenchors Kornwestheim

  Foto: Simon Granville

Nach über zwölf Jahren als Leiterin des Kornwestheimer Posaunenchors gibt Sophie Pope ihr Dirigat ab. Der Region bleibt sie als Komponistin, Ausbilderin und Musikerin erhalten.

Über ein Dutzend Jahre hat die gebürtige Engländerin die musikalischen Geschicke des CVJM-Posaunenchores Kornwestheim geprägt. Mit „ihren“ Blechbläserinnen und Blechbläsern ist sie unzählige Male in Krankenhäusern und Seniorenheimen aufgetreten, hat Gottesdienste gestaltet, Kirchenkonzerte gegeben, Gedenkfeiern auf dem Friedhof umrahmt oder beim Silvesterkonzert auf dem Dorfplatz vor der evangelischen Martinskirche mit festlichen Klängen das alte Jahr verabschiedet. In ihrer Freizeit war sie zudem häufig mit Posaunenchor-Urgestein Heiner Zweifel und anderen Alpinisten des Ensembles auf Bergtouren in schwindelnden Höhen unterwegs.

 

Sophie Pope – dieser Name fällt in Kornwestheim sofort, wenn es um engagierte Kirchenmusik geht. Wer einmal einen ihrer Auftritte erlebt hat, weiß, wie stark sie den Klang des Posaunenchores geprägt hat. Was ihre Arbeit auszeichnet – und wie es für Pope nun weitergeht.

Engagements in Bad Cannstatt und Waiblingen – nicht mehr in Kornwestheim

Sophie Pope lacht gern. Das zeigt sich nicht nur im persönlichen Gespräch, sondern auch in den Proben des Kornwestheimer Posaunenchores. Dort wird viel gelacht, obwohl sie für die Konzertplanung regelmäßig anspruchsvolle Stücke auswählt, die den Musikerinnen und Musikern einiges an häuslichem Üben abverlangen. Wenn dennoch einmal etwas nicht auf Anhieb klappt, nimmt es die junge Dirigentin mit Humor und korrigiert behutsam, aber zielstrebig.

Sophie Pope kam ursprünglich zum Kompositionsstudium aus ihrer englischen Heimat nach Deutschland, ist dann geblieben und hat zusätzlich Blasorchesterleitung studiert. Eine glückliche Entscheidung, denn „ich kenne niemanden, der vom Komponieren allein leben kann“, sagt Pope. „Dirigenten sind gesucht“, weiß sie.

Sie selbst leitet Orchester in Bad Cannstatt und Waiblingen-Beinstein – und ab Januar 2026 auch in Lauterstein-Nenningen. Dort findet die Probe allerdings freitags statt, zeitgleich mit der Probe des Kornwestheimer Posaunenchores. Schweren Herzens gab Pope deshalb ihr Dirigat in Kornwestheim ab. „Ich mag sowohl kirchliche als auch weltliche Ensembles. Und nach 13 Jahren kann man auch etwas Neues machen“, sagt sie.

Ganz geht sie jedoch nicht: Als Ausbilderin der Nachwuchs-Blechbläser aus Kornwestheim und den Nachbargemeinden wird sie weiterhin im Jugendraum der Johanneskirche tätig sein, ebenso wie in Schorndorf für die dortigen jungen Musikerinnen und Musiker. An ihrem verbleibenden freien Abend probt sie zudem als Posaunistin im Ensemble, das sich selbst augenzwinkernd „Blechlawine“ nennt.

Für all diese Formationen komponiert oder arrangiert sie – mit großem Können und viel Zuneigung. Zeit dafür findet sie allerdings meist nur vormittags. „Gerade sind im ‚Bläserheft 2026’ des Verbandes evangelischer Posaunenchöre in Bayern meine Stücke ‚Nostalgia’ und ‚Dan-ke-schön’ veröffentlicht worden“, freut sich die Komponistin. Das sei ein riesiger Erfolg.

Diese Sammlungen von Stücken dienen in den entsprechenden Landeskirchen als Empfehlung für Bläsermusik in den Gemeinden vor Ort. „Dankeschön“ trägt bewusst Trennungsstriche: Das Motiv aus drei Tönen fiel ihr spontan ein, als sie für den Posaunenchor Neckarweihingen zum 100-jährigen Jubiläum komponieren sollte.

Wie macht man aus drei Tönen eine Komposition von zwei DIN-A4-Seiten? „Das passiert bei mir einfach so“, sagt Pope lachend und summt gleich eine weitere Tonfolge. Mit den drei Tönen war schon klar, dass es ein Stück im Vier-Viertel-Takt werden würde. Die Harmonien entwickelt Sophie Pope am Klavier. Die Mitglieder des Neckarweihinger Ensembles waren vom „Dankeschön“ im Tango-Rhythmus und dem anderen Stück begeistert.

Daraufhin hat Sophie Pope die Noten der Stücke an den bayerischen Posaunenchor-Verband geschickt, nachdem sie in früheren Jahren beim württembergischen Schwesterverband keinen Erfolg hatte. In Bayern jedoch fand „Nostalgia“ beim Probelauf sofort Anklang. Die Herausgeber beschlossen, das Stück – und später auch „Dan-ke-schön“ – ins Heft aufzunehmen. „Außer einer anderen Komponistin ist dort Sophie Pope die einzige Frau“, berichtet eine bayerische Kirchenmusikerin, die das Heft als eine der ersten zugesendet bekam.

Avantgarde-Musik mit Augenzwinkern

Einen ganz anderen musikalischen Weg geht Pope im „Stuttgarter Kollektiv für Aktuelle Musik“ (S-K-A-M), das sie mitbegründet hat. Im Juli feierte das Kollektiv sein zehnjähriges Bestehen mit einer bunten Aktion rund um den Stuttgarter Marienplatz. „Bei uns sind Komponistinnen und Komponisten gleichberechtigt“, betont sie. Die Avantgarde-Musik des Kollektivs mag im Konzert keine leichte Kost sein, doch mit Humor und an ungewöhnlichen Orten präsentiert, findet sie immer wieder ein offenes Publikum.

In Kornwestheim wird aktuell noch nach einer Nachfolge gesucht, ein passender Bewerber ist angeblich noch nicht in Sicht. Die Stadt und die Umgebung verlieren mit Sophie Pope eine prägende musikalische Kraft, die den Posaunenchor über viele Jahre zu einem besonderen Klangkörper der Region gemacht hat. Ganz verabschieden muss sich Kornwestheim jedoch nicht: Der Region Stuttgart bleibt Pope mit ihrem Engagement, ihrer Kreativität und ihrer ansteckenden Freude an der Musik weiterhin erhalten.

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