Musikalischer Leckerbissen in der Region Leonberg Eine Kultstätte für Jazz und Funk

Wahrhaft majestätisch: Ida Sand, Fola Dada, Onita Boone und die SWR-Bigband – live in Weissach. Foto: /Romy S Fotografie

Zum Finale des Weissacher Dorfsommers verzaubern drei wahre Königinnen des Soul gemeinsam mit der SWR-Bigband ihr Publikum.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

„Der Verkauf von Regencapes könnte zu einem neuen Geschäftsmodell werden“, witzelt Frank Bäuerle. Und tatsächlich kommen zum Finale des zweiten Weissacher Dorfsommers immer mal wieder ein paar Tropfen herunter, sodass nicht wenige im distinguierten Publikum ihr Festival-Outfit mit einem Plastiküberzug schonen.

 

Der Stimmung freilich tut das keinen Abbruch. Die Queens of Soul und die SWR-Bigband verwandeln den Platz vor der Strudelbachhalle in eine brodelnde Kultstätte für Soul, Funk und Swing.

Schon zum zweiten Mal haben Lisa und Frank Bäuerle renommierte Künstler aufs Land geholt. Entsprechend nennen die Geschäftsführer der Agentur PM-Event ihr kleines aber feines Festival mit leichter Selbstironie „Weissacher Dorfsommer“. Diesmal begeisterten Max Giesinger und die Schlager-Sängerin Beatrice Egli rund ums Wochenende die Massen. Zum Abschluss kamen am Dienstagabend alte Bekannte ins Strudelbachtal: Die Musiker der SWR-Bigband, von denen der Saxofonist Klaus Graf aus Schöckingen quasi ein Heimspiel hat, spielen bereits zum zweiten Mal im Porsche-Dorf im Leonberger Hinterland.

Während sie jedoch im vergangenen Jahr den britischen Sänger Paul Carrack als besonderen Gast hatte, kommt die Bigband jetzt mit drei hochkarätigen Damen: Die Queens of Soul, namentlich Fola Dada, ursprünglich aus Korntal, Ida Sand aus Stockholm und Onita Boone, direkt aus New York. Alle drei interpretieren Göttinnen wie Aretha Franklin, Diana Ross oder Natalie Cole mit einer ganz eigenen Note und machen einen fulminanten Parforceritt durch die Welt des Jazz, Soul und Blues.

Bier kann sie auf Deutsch bestellen

Mit einer unglaublich intensiven Version von „It’s A Man’s World“ versetzt Onita Boone das Publikum in beinahe ungläubiges Staunen, um nachher auf Deutsch augenzwinkernd anzufügen „Ohne Frauen geht es nun einmal nicht.“ Mit deutscher Publikumsansprache versucht es auch Ida Sand, wobei die Schwedin bekennt, dass sich ihre landessprachlichen Kenntnisse auf das Bierbestellen beschränken. Macht aber nichts. Wenn sie mit ihrer röhrig-rauchigen Stimme ihre eigenen Blues- und Jazz-Kompositionen am Piano begleitet, sind die Leute vor der Bühne vollends zufrieden.

Apropos vor der Bühne: Den Publikumsbereich haben die Bäuerles geschickt unterteilt. Für die echten Fans eine Freifläche, dahinter eine Tribüne mit Sitzplätzen und seitlich der Bereich mit Bierbänken und Verpflegungsständen, von dem aus die Gäste einen direkten Blick auf das Geschehen haben, aber nicht im Gedränge stehen. Auch dadurch kommt eine entspannte Stimmung auf. Der Dorfsommer ist mehr als nur ein Konzertbesuch, er ist ein abendfüllendes Erlebnis, das viele Sinne anspricht. Dass hier sonst Autos parken, ist kaum vorstellbar.

Vor 20 Jahren in einer Garage angefangen

Die Fahrzeuge der Gäste parken oberhalb der Strudelbachhalle auf dem Feld. Schon von Flacht aus werden sie dorthin gelenkt. Ein Konzept, das sich bewährt hat.

Frank Bäuerle ist optimistisch, dass es mit dem Dorfsommer weiter nach vorne geht. Keine Frage, es ist ein herausforderndes Unterfangen, international renommierte Künstler zu bezahlbaren Preisen nach Weissach zu bringen. „Aber wir sind auf dem richtigen Weg“, sagt der erfahrene Eventmanager, der vor mehr als 20 Jahren in einer Garage in Rutesheim angefangen hatte. Die Tendenz zeige nach dem Start nach oben.

Die Gäste kämen nicht nur aus der Region Leonberg, sondern hätten zum Teil weite Anfahrtswege. Bäuerle geht es außerdem darum, die Strudelbachhalle als Veranstaltungsstätte mehr ins Blickfeld zu rücken. „Wir sind ja nicht nur ein idealer Ort für Hochzeiten. Hier ist ganz viel möglich.“

Dass sowohl bei Max Giesinger als auch bei Beatrice Egli allerlei Zaungäste die Konzerte vom Hang aus verfolgten, stört ihn dabei weniger. „Es scheint sie ja zu interessieren. Die Zaungäste von heute sind die zahlenden Gäste von morgen.“

Beim souligen Abschlussabend ist es eher letztere Gruppe, die sich auch von der facettenreichen Stimme der deutschen Jazzpreisträgerin Fola Dada verzaubern ließ. Mit Burt Bacharachs legendärem „Walk On By“ leitet die Wahl-Stuttgarterin, die schon seit vielen Jahren mit den Musikern des Südwestrundfunks auftritt, das begeisternde Finale ein. Mit dem Klassiker „Don’t You Worry ’Bout A Thing“ von Stevie Wonder verabschieden die drei Königinnen des Souls ihr Publikum. Dass es zwischendurch mal geregnet hat, haben da alle längst vergessen.

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