Musiker in Stuttgart-Ost Ein Feuerwerk im Gehirn

Von Fatma Tetik 

Der Cellist Uriel Stülpnagel betreibt ein Musikgeschäft in Gablenberg. Dort können Interessenten Instrumente kaufen und mieten. Der Musiker unterrichtet auch Kinder und Jugendliche. Sein jüngster Schüler ist gerade mal fünf Jahre alt.

Der Cellist Uriel Stülpnagel in seinem Ladengeschäft an der Libanonstraße. Foto: Fatma Tetik
Der Cellist Uriel Stülpnagel in seinem Ladengeschäft an der Libanonstraße. Foto: Fatma Tetik

S-Ost - Liebevoll streicht Uriel Stülpnagel über sein Instrument. Das Cello hat ein paar feine Kratzer auf dem hochwertigen Holz. Der Cellist bringt es mit einer Spezialpolitur in seiner Werkstatt wieder auf Hochglanz. An manchen Tagen ist das Streichinstrument zehn Stunden am Stück im Einsatz.

Die Musik ist für Stülpnagel pure Leidenschaft und liegt ihm im Blut. Die Eltern spielten Klavier und Geige und auch die Geschwister musizierten daheim. Im Alter von neun Jahren entdeckte Uriel Stülpnagel das Cello für sich. Nach einem Studium an der Stuttgarter Musikhochschule absolvierte er die künstlerische Ausbildung an der Mannheimer Musikhochschule. Nebenher besuchte der gebürtige Winterbacher zahlreiche Meisterkurse. Als Orchestermitglied wirkte er in diversen Musicals wie „Das Phantom der Oper“, „Miss Saigon“ oder „Die Schöne und das Biest“ mit. „Vor so einem großen Publikum in einer exponierten Stellung spielen zu dürfen, ist der Wahnsinn“, sagt Stülpnagel.

Vergleichbar sei das mit einem großen Fußballturnier. „Man übt und trainiert für genau solche Momente“, sagt der Cellist. Stülpnagel spielt nicht nur selbst in Orchestern und tritt in Solo-Aufführungen auf. Er unterrichtet seit vielen Jahren auch Anfänger und Fortgeschrittene am Cello. Gerade die Jugend liegt Stülpnagel am Herzen, dessen Kinder ebenfalls ein Instrument spielen. Sein jüngster Schüler ist gerade einmal fünf Jahre alt.

Viele seiner Schützlinge haben Preise gewonnen

Viele seiner Schützlinge sind Preisträger von Jugendwettbewerben. „Das ist eine sehr abwechslungsreiche und spannende Tätigkeit“, sagt Stülpnagel. „Beim Musizieren sind viele Gehirnregionen gleichzeitig gefordert.“ Der komplexe Vorgang im Gehirn habe viele positiven Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung. „Das Musizieren entfacht ein wahres Feuerwerk im Gehirn“, sagt der Fachmann. „Die Freude und die Faszination der Kinder beim Musizieren zu sehen, ist toll.“ Musik setze zudem viele Emotionen frei. Nicht nur beim Erzeuger, sondern auch beim Zuhörer. „Mit den richtigen Klängen kann man Liebe, Fröhlichkeit, Trauer, Wut und auch Hass zum Ausdruck bringen“, sagt Stülpnagel. „Leider kann man diese Emotionen nicht konservieren. Musik ist eine flüchtige Freude.“

Im Jahr 2008 beschloss Stülpnagel deshalb, mit seiner Leidenschaft für Streichinstrumente neue Wege zu gehen und eröffnet seinen Klassikwelt-Shop. Neben einem Online-Shop betreibt er zusätzlich ein Ladengeschäft an der Libanonstraße. Als Musiker und Cellist weiß er, worauf es beim Instrumentenkauf ankommt und kann Kunden fachmännisch beraten. Dabei spielt nicht nur das Instrument eine Rolle, sondern auch das richtige Zubehör. „Musizieren ist auch immer harte Körperarbeit“, sagt Stülpnagel. Aus diesem Grund sei etwa ein spezieller Stuhl für die richtige Sitzhaltung beim Spielen unerlässlich. Bevor Produkte in seinem Laden landen, prüft und bewertet Stülpnagel sie zunächst auf Herz und Nieren. So schaffen es nur qualitativ hochwertige Waren in sein Geschäft.

Kunden können Instrumente mieten

In dem Laden kann man neben Streichinstrumenten in unterschiedlichen Größen auch allerlei Zubehör wie Etuis, Kästen, Bögen und Notenständer besichtigen und ausprobieren. Gegen eine Gebühr kann man Geige, Bratsche oder Cello auch mieten statt kaufen.

Neulich erst hat eine Firma für eine Film-Produktion ein ganzes Streicher-Set gemietet. Nicht alle Leihgaben sind heil zurück gekommen. Dieser laxe Umgang ärgert den leidenschaftlichen Cellisten. Seinen Schülern vermittelt Stülpnagel deshalb auch den richtigen Umgang mit Instrumenten. „Wer sein Instrument liebt, muss sorgsam damit umgehen und es auch pflegen“, sagt Stülpnagel mit Blick auf sein Cello. „Wenn der Respekt vor dem Instrument flöten geht, schwindet auch irgendwann die Leidenschaft für die Musik.“

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