Musiker Mazen Mohsen Vom Flüchtlingsheim auf die Bühnen Deutschlands
Im Jahr 2015 kam Mazen Mohsen als Geflüchteter aus Syrien nach Deutschland. Die Musik half ihm, Kontakte zu knüpfen. In ganz Deutschland hat der Musiker inzwischen Engagements.
Im Jahr 2015 kam Mazen Mohsen als Geflüchteter aus Syrien nach Deutschland. Die Musik half ihm, Kontakte zu knüpfen. In ganz Deutschland hat der Musiker inzwischen Engagements.
„Dank Musik ist alles viel einfacher. Die Musik hat Brücken zur deutschen Gesellschaft geschlagen“, sagt Mazen Mohsen. Im Jahr 2015 war der Sänger und Gitarrist als Geflüchteter aus Syrien nach Deutschland gekommen. Viele Zwischenstationen durchlief er dort anfangs. In München angekommen, habe man ihn nach Stuttgart weitergeschickt, von dort ging es nach Karlsruhe in eine Erstaufnahmestelle und dann über einen kurzen Aufenthalt in Mannheim in den Landkreis Ludwigsburg, wo er zunächst in Tamm unterkam. Inzwischen wohnt Mohsen in Marbach. Zu Hause ist er indes auf den Bühnen in ganz Deutschland. In Münster, München, Berlin, Magdeburg sei er etwa bereits aufgetreten, in unterschiedlichen Besetzungen und solo, erzählt Mazen Mohsen.
Viele Engagements hat er aber vor allem im Rems-Murr-Kreis. Mehrere Jahre etwa wirkte Mohsen bei Projekten des Theaters Hebebühne musikalisch mit. Gemeinsam mit Nina Harrer und Hans Fickelscher gehörte er von 2018 an zu den Stammmusikern des Amateurensembles, bis es sich im Frühjahr 2024 nach 15 Jahren auflöste. Die Kontakte zu seinen Musikerkollegen bestehen indes fort. „Wir musizieren weiterhin gemeinsam.“ Jüngst trat Mohsen etwa mit Fickelscher bei der Feier zum zehnjährigen Bestehen des Integrationsvereins Weinstadt im Rahmen der Interkulturellen Wochen in der Jahnhalle in Endersbach auf. Aber auch in anderen Rems-Murr-Städten ist der Sänger und Gitarrist bei unterschiedlichen Anlässen und Veranstaltungen gefragt, ob bei der Einbürgerungsfeier des Kreises, bei Kirchenkonzerten oder Projekten im Waiblinger Kulturhaus Schwanen. „Durch die Musik bin ich in viele unterschiedliche Bereiche gekommen und habe super unterschiedliche Kontakte geknüpft, zu Ärzten, Ingenieuren, Bürgermeistern.“
Musik gemacht hat Mohsen bereits in Syrien. „Dazu gekommen bin ich durch meine Mutter. Sie hat mir viel vorgesungen“, erzählt der 30-Jährige. Selbst zu singen, habe er sich lange nicht zugetraut. Erst als Jugendlicher begann er, sich mit der Gitarre selbst zu begleiten, entdeckte sein Talent und die Liebe zur Musik. Nach der Schule absolvierte er ein Musikstudium, gründete im Rahmen dessen einen Kinderchor und startete erste eigene Projekte, unter anderem ein Antikriegsprojekt. „Die Töne sind lauter als eure Bomben“, habe er auf Arabisch gesungen. Das jedoch brachte ihn ins Visier von Islamisten, weshalb er nach Deutschland floh.
In einem großen Flüchtlingsheim in Bruchsal machte er dann eine wegweisende Bekanntschaft. „Ein Security-Mitarbeiter bekam mit, dass ich Musiker bin und schenkte mir seine Gitarre“, berichtet Mohsen. Noch am Abend desselben Tages habe er daraufhin begonnen, seine Mitbewohner musikalisch zu unterhalten. Die ersten Jahre indes blieb die Musik für Mohsen ein Hobby. „Ich war beschäftigt, die deutsche Sprache zu lernen“, erzählt er in fließendem und weitestgehend akzentfreiem Deutsch, „für Arbeit habe ich keine Zeit gehabt.“ 2017 dann wurde er durch einen Artikel in der Stuttgarter Zeitung auf ein Opernprojekt aufmerksam. „Der Verein Zuflucht Kultur suchte Leute, die Musik lieben.“ Mohsen meldete sich und war daraufhin bei verschiedenen Projekten des Vereins dabei. „Dadurch habe ich gelernt, wie man als freiberuflicher Künstler in Deutschland arbeitet.“ 2018 machte Mohsen sich selbstständig und die Musik zu seinem Beruf.
„Hauptsächlich mache ich Weltmusik, speziell aber auch arabische Musik und Pop“, erzählt er. So bringt Mohsen traditionelle Klänge unterschiedlicher Kulturen und Nationen zum Gehör, südeuropäische beispielsweise ebenso wie nordafrikanische und persische. Auch seine Eigenkompositionen seien durch traditionelle Musikrichtungen beeinflusst, stark auch vom Flamenco, erklärt Mohsen, der neben Gitarre auch die arabische Laute Oud zu spielen versteht.
Hat er bei seinen Auftritten eigentlich immer noch die geschenkte Gitarre mit dabei? Nein, sagt Mohsen. Inzwischen habe er sich zwei Profi-Instrumente selbst gekauft. Und was ist aus der Gitarre des Security-Mitarbeiters geworden? „Die habe ich einem meiner Schüler gegeben“, erzählt Mohsen, der an einer privaten Musikschule in Stuttgart unterrichtet.