Musikfest Stuttgart In der Heimat darf das Orchester nicht auftreten

Von Markus Dippold 

Während die weltweiten Konzerte immer große Erfolge sind, darf das Orchester in den Heimatländern der Musiker bislang nicht auftreten, weil die arabische Seite­ ­alles ablehnt, was irgendwie mit Israel zusammenhängt. Wieder nimmt Barenboim kein Blatt vor den Mund: „Ein Israeli, der findet, seine Regierung mache alles richtig, der würde dem Divan-Orchester erst gar nicht beitreten. Es ist deshalb ein Fehler der Araber, die unser Orchester bei sich nicht auftreten lassen. Die wollen nämlich nicht zwischen unterschiedlichen Gruppen von Israelis unterscheiden.“

Aber auch den Musikern mutet Barenboim einiges zu, denn er setzt, wie auch beim Konzert in Stuttgart, Werke von Wagner aufs Programm. Für diesen Komponisten gilt in Israel ein inoffizielles Aufführungsverbot. Wagner, bekennender Antisemit, wie man aus seinen Schriften weiß, ist in Israel untrennbar mit der nationalsozialistischen Rassenideologie verbunden. Der Wunsch, Wagner zu spielen, kam jedoch von den Musikern selbst: „Die Initiative ist von den israelischen Musikern, von den Blechbläsern ausgegangen. Wagner ist ja ziemlich blechlastig. Ich sagte: Gern, aber darüber müssen wir reden, das ist eine heikle Entscheidung. Mir lag daran, dass wir keinen der Musiker gegen seinen Willen dazu bringen, das zu spielen.“

So kämpfen Daniel Barenboim und das West-Eastern Divan Orchestra weiter an vielen Fronten, getragen von einer hoffnungsvollen Überzeugung: „Es ist die Aufgabe des 21. Jahrhunderts, eine Verbindung zwischen Ästhetik und Ethik schaffen. Wir müssen verstehen, dass Musik wie alle Kultur etwas mit unserer Identität zu tun hat. Musik hat die Fähigkeit, eine größere, komplett vom Menschen gemachte Wirklichkeit zu schaffen.“




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